Wetterau

Eltern wollen Kita-Abriss verhindern

Rosbacher Eltern haben ein Bürgerbegehren gegen den Abriss der Kita »Brüder Grimm« in Gang gebracht. Doch die Hürde dafür ist hoch.
22. April 2017, 18:00 Uhr
David Heßler
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Unter dem Außengelände der Kita »Brüder Grimm« schlummern bis zu 12 000 Kubikmeter Deponiemüll. Schon alleine deshalb sei ein Neubau sinnvoll, sagt Bürgermeister Alber.

Nicht wenige Rosbacher Eltern sind derzeit schlecht auf die Kommunalpolitik zu sprechen. Nach dem großen Streit um die Erhöhung der Kita-Gebühren gibt es nun die nächste Entscheidung, die für Zündstoff sorgt. Eine Mehrheit aus SPD, Freien Wählern und der »Stimme« hat den Abriss der Kita »Brüder Grimm« beschlossen. Eine neue, mit bis zu neun Gruppen deutlich größere Kindertagesstätte soll in der »Sang« gebaut werden. Eine Sanierung der 45 Jahre alten Einrichtung in der Brüder-Grimm-Straße wäre zu teuer.

Zehn Eltern glauben das nicht. Sie wollen in den nächsten acht Wochen rund 1000 Unterschriften von wahlberechtigten Rosbachern sammeln, um einen Bürgerentscheid zur Annullierung des Beschlusses erwirken zu können. Die Kita soll saniert werden und dafür lediglich eine kleinere, vierzügige Einrichtung in der »Sang« entstehen. Die würde ausreichen, um den durch die vielen neuen Kinder entstehenden Bedarf zu decken.

Die Initiatoren vermuten, dass die von der Stadt aufgestellten Modelle »schöngerechnet« sind – so, wie es zum Teil schon bei den Kita-Gebühren der Fall gewesen sei, wie Sprecher Friedrich Creutz sagt. Laut den Mitstreiterinnen Anne Reimann und Claudia Engelmann hat die Kita »Brüder Grimm« ein in Rosbach einzigartiges, halboffenes Konzept und punktet mit der familiären Atmosphäre und dem tollen Außengelände. Für viele Kinder aus Ober-Rosbach wäre die »Riesenkita« in der »Sang« zu weit entfernt; die Ober-Rosbacher Eltern hätten nicht mehr die Wahl zwischen »groß und offen« (Kinderhaus Bergstraße) und »klein und familiär« (Kita »Brüder Grimm«). Man befürchte gar eine »Massenkinderhaltung« in einer Einrichtung mit weit über 150 Kindern. Laut Creutz fürchten die Erzieherinnen zudem um ihre Stellen – schließlich soll die neue Kita von einem freien Träger betrieben werden. Er sei zuversichtlich, die nötigen Unterschriften zusammenzubekommen, sagt er.

Am Mittwoch wollen sich die Initiatoren erstmals treffen. Unterstützung erhalten die Eltern von FDP und Grünen. »Die Kita ›Brüder-Grimm‹ ist nicht baufällig«, betont Peter Scholz (Grüne). Notwendige Sanierungsarbeiten (neue Fenster, Dachdämmung) könnten auch im laufenden Betrieb oder in den Ferien gemacht werden. Der Beschluss der »Alber-Koalition« sei unsinnig und vorschnell gewesen; der Erhalt der Kita sie die »wirtschaftlichere und am Gemeinwohl der Stadt ausgerichtete Lösung«. Hans-Otto Jacobi (FDP) schlägt in dieselbe Kerbe: »Wohl kaum ein Bürger würde sein so relativ junges Gebäude abreißen, wenn bei guter Bausubstanz lediglich eine Ausbesserung notwendig ist und der Grundriss des Gebäudes den Anforderungen entspricht.«

Für Bürgermeister Thomas Alber (parteilos) spricht dagegen alles für einen Abriss. Allen voran die 12 000 Kubikmeter Alt-Müll, die in den 80er Jahren auf dem Areal verbuddelt worden sind. Für den laufenden betrieb mache das keine Probleme, aber bauliche Erweiterungen im Außenbereich seien dadurch nicht möglich, ohne weitere Millionen für die Entsorgung auszugeben. »Und wer möchte sein Kind auf einer Müllkippe spielen lassen, wenn es als Alternative eine nagelneue Kita gibt?«, fragt Alber.

Wie ein Gutachten ergeben habe, würde die Sanierung des Gebäudes (samt Ausweichquartier für die Bauzeit) knapp 2,2 Millionen Euro kosten – zusammen mit einem kleineren Neubau in der Sang käme man auf Kosten von 4,9 Millionen Euro. »Dann haben wir aber immer noch einen 45 Jahre alten Baukörper – und die problematische Parkplatzsituation vor dem Gebäude.« Die mit knapp 4,2 Millionen Euro günstige Lösung sei daher der Neubau einer neunzügigen Kita im Neubaugebiet.

Für den Vorsitzenden der »Stimme«, Dieter Kurth, ist die Mehrheitsentscheidung (»Ein Sieg der Vernunft«) daher folgerichtig. Er wundert sich, dass CDU-Mitglieder in der Parlamentssitzung gegen den Abriss votierten , bzw sich enthielten. Schließlich sei die Vorlage sowohl im Magistrat, in dem auch zwei CDU-Vertreter sitzen, als auch im Ausschuss mehrheitlich beschlossen worden.

Dass die Vertreter von FDP, Grünen und »Salz« die Stadtverordnetensitzung vorzeitig verließen, nachdem die Mehrheit eine Weiterführung der Versammlung beschlossen hatte, zeuge von einem »seltsamen Demokratieverständnis«. Demgegenüber echauffierte sich die Opposition darüber, dass Alber den Kita-Abriss in der von der Verwaltung herausgegebenen »Bürgerzeitung« bereits vor dem Beschluss als fix dargestellt hatte.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Eltern-wollen-Kita-Abriss-verhindern;art472,243900

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