16. September 2019, 05:00 Uhr

Jugendstil-Festival

Eintauchen in die Vergangenheit

Beim Jugendstilfestival in Bad Nauheim gab’s am Wochenende stilvolle Mode, architektonische Denkmäler und vieles mehr zu bewundern.
16. September 2019, 05:00 Uhr
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Von Corinna Weigelt
Ein Höhepunkt des Festivals: die Modenschau der Waldorfschule.

Viele besondere Programmpunkte haben am Wochenende das 14. Jugendstilfestival in der Kurstadt bereichert: Modenschau, Gesang und Tanz, Droschkenfahrten, Tennisschauturnier und Hochräder - das Lebensgefühl des Jugendstils wurde erneut auf vielfältige Weise spürbar. Bei bestem Wetter flanierten nicht nur die Gäste durch die Sprudelhof-Anlage, sondern auch die Modegruppe des Jugendstilvereins.

Die ist bislang bei jedem Jugendstilfestival mit von der Partie gewesen. »Eine Ehrensache«, betonte Arno Sternitzke. Stets erfreut er die Gäste, wenn er bei Stadtführungen in die Rolle des Heinrich Siesmayer schlüpft. Rund 30 Mitglieder des Jugendstilvereins waren auf dem ganzen Gelände unterwegs und ein beliebtes Fotomotiv für die Besucher. »Jahr für Jahr werden es immer mehr Menschen, die von außerhalb kommen und sich stilgerecht kleiden«, freute sich Elke Sternitzke. Erster Stadtrat Peter Krank brachte die Faszination in seiner Begrüßung auf den Punkt: »In eine längst vergangene Welt eintauchen, sich vom damaligen Lebensgefühl verzaubern und inspirieren lassen.«

Dresscode auf dem Tennisplatz

Einblicke gab es in die Arbeit von Restauratoren und Kunsthandwerker sowie in edle Moden der »Belle Epoche«. Trugen Damen zu Beginn der Jugendstilzeit schlanke Silhouetten und große Hüte, überraschte Frau um das Jahr 1900 im »Reformkleid«. Auf dem Tennisplatz herrschte damals eine strenge Etikette, wie bei der Präsentation des Tennisclubs Rot-Weiß Bad Nauheim verdeutlicht wurde. Lange Kleider, die den Knöchel bedeckten, Schnürkorsett, Filzhüte und Schuhe mit Absätzen trugen die Damen beim Tennissport, ehe später, in der 1920er Jahren, die Röcke kürzer wurden und die sportliche Bewegung erleichterten.

Die Herren trugen beim Tennissport weiße Hemden und Flanellhosen. »Farbliche Bänder ersetzten den Gürtel«, erklärte Moderator Ronald Thoms. Wie das Ganze auf dem Tennisplatz wirkte, verdeutlichte ein Schauturnier.

70 Schüler, Lehrer, Eltern und auch Angehörige wirkten am Samstagnachmittag bei der großen Modenschau der Freien Waldorfschule Wetterau mit. Ob original oder nach alten Schnittmustern gefertigt - organisiert von Marion Dirschke und unter großer Resonanz des Publikums stellte die beeindruckende Präsentation einen der Höhepunkte am Wochenende dar.

Ein Spielplatz anno dazumal

Der Jugendstil wurde aber auch durch Architektur geprägt. Seit einigen Jahren zählt daher eine interdisziplinäre Fachtagung für Architekten, Ingenieure, Handwerker und Denkmalpfleger zu den Festival-Angeboten. Passend zum diesjährigen Tagungsthema »Sanieren, Umbauen, Weiterbauen im wertvollen Bestand« erhielten die Teilnehmer auch Einblicke in das denkmalgeschützte Balneologische Institut, in das schon bald die Musikschule einziehen wird. »Die Teilnehmer kommen aus ganz Hessen und darüber hinaus«, berichtete Jochen Mörler, Fachbereichsleiter Soziales, Gesundheit, Kultur und Sport. Zum Jugendstilfestival erschien Mörler erstmals selbst in Frack und Zylinder, wofür er zahlreiche anerkennende Worte und Blicke erhielt.

Erfreut zeigte sich der Fachbereichsleiter auch über den Zuspruch der »Kinderzeit«. Die verschiedenen Programmpunkte für Mädchen und Jungen fanden großen Zuspruch; so wurde eigens für die Kleinen ein Spielplatz anno dazumal aufgebaut (Bericht über den Restauratoren- und Kunsthandwerkermarkt folgt).



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