23. Februar 2018, 20:32 Uhr

Eine pflichtbewusste Herrscherin

23. Februar 2018, 20:32 Uhr

Mit dem Vortrag »Mathilde von Canossa, eine selbst- und pflichtbewusste Herrscherin (1046 – 1115)« von Ursula Stock aus Friedberg, setzte das Kulturforum Bad Nauheim in der Erika-Pitzer-Begegnungsstätte sein Veranstaltungsprogramm fort.

Das Publikum erlebte einen spannenden, lebendigen, und – das ist ein Kennzeichen für Ursula Stocks Referate – frei gesprochenen Vortrag. »Frömmigkeit ist eine Modesache«, erklärte die Referentin zu Beginn und stellte das Mathildes Epoche bestimmende, zum Streit zwischen Papst und Kaiser führende Reformpapsttum nicht nur als wichtig für die Eliten, sondern auch für das einfache Volk dar. Frömmigkeit sei in dieser Zeit eine Frömmigkeit voller Angst gewesen; alle Menschen hatten Furcht, von Christus gerichtet zu werden. Askese wurde als Möglichkeit gesehen, einem vernichtenden Urteil zu entgehen.

Für die Menschen seien die nun ehelos lebenden Priester sehr wichtig gewesen. Diese konnten in der Kirche aufsteigen, bis zum Amt des Papstes. Nicht alle gewählten Päpste gefielen einem machtbewussten Kaiser und so betrachtete es Heinrich III. als sein Recht, Päpste ein- und abzusetzen. Zu den Geistlichen, die sich ein solches Verhalten nicht mehr gefallen ließen, zählte der radikalste von ihnen, Papst Gregor VII. (Papst von 1073–1085).

Einzug in Weltgeschichte

Er, der selbst die adligen Bischöfe zum Gehorsam und somit zum Dienen zwang, sah sich als Haupt der Welt, glaubte nun seinerseits, Kaiser absetzen zu können und war befreundet mit einer ihm gegenüber unbedingt loyalen Frau, Mathilde von Canossa.

Mathilde stammte aus der reichsten und mächtigsten Familie Mittelitaliens. Als Frau war sie nicht lehensfähig, aber sie übte die Herrschaft als Markgräfin der Toskana aus und war Herrin über ihr Vermögen. Das Reformpapsttum unterstützte Mathilde ihr Leben lang. Die Freundschaft der Markgräfin zu Papst Gregor VII. war die Ursache für dessen Aufenthalt auf ihrer Burg Canossa, einer Ruhepause auf dem Weg nach Augsburg. In Canossa trat ihm Kaiser Heinrich IV. als Büßer entgegen. Mathilde, die mit Heinrich IV. verwandt war, vermittelte zwischen Kaiser und Papst.

Der Kaiser, nach den Worten der Referentin eine ebenso selbstbewusste und schroffe Persönlichkeit wie der Papst, hatte sich mit Bischöfen und weltlichen Fürsten gegen Gregor VII. verbündet und war von diesem gebannt worden. Der Bann entband alle Untertanen von ihrer Loyalitätspflicht und musste so schnell wie möglich gelöst werden. Deshalb überquerte Heinrich mitten im Winter die Alpen, um den Papst zu treffen. Einem reuigen Büßer musste verziehen werden; der Papst löste, nicht zuletzt auf Bitten Mathildes, den Bann.

Mathilde ging durch ihre Vermittlerrolle ein in die Weltgeschichte.

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