24. Mai 2019, 20:18 Uhr

Eine Reise geht zu Ende

24. Mai 2019, 20:18 Uhr
Carmen Korn hat sich nach der Lesung ausführlich Zeit für die Fragen aus dem Publikum genommen. Das Bibliothekszentrum ist ausverkauft, 98 Zuschauerinnen und zwei Männer sind gekommen. (Fotos: lod)

Die Freundschaft und das Leben von vier Frauen und deren Familien von Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Jahrtausendwechsel beschreibt die Hamburger Autorin Carmen Korn in den drei zwischen 2016 und 2018 erschienen Romanen ihrer »Jahrhundert-Trilogie«.

Am Mittwochabend war die gelernte Journalistin zu Gast im ausverkauften Klosterbau. Es war dies die vorletzte Veranstaltung in der aktuellen Saison von »Friedberg lässt lesen«.

»Wir haben die richtige Autorin ausgesucht, meine Mitarbeiterinnen und ich haben die Trilogie mit Begeisterung gelesen«, wandte sich Bibliotheksleiterin Bettina Semmerau direkt an Korn, die aus »Zeitenwende«, dem letzten Teil der Trilogie, las. Dieser beginnt im März 1970 mit der Feier des 70. Geburtstag von Henny Unger, die dazu ihre Freundinnen Käthe Odefey, Ida Yan und Lina Peters samt deren Familien nach Uhlenhorst eingeladen hat. In dem Hamburger Stadtteil lebt Korn seit mehr als 40 Jahren.

Großer Abschiedsschmerz

Vieles davon findet sich in den drei Romanen ebenso wieder, wie die Protagonisten, die zwar frei erfunden sind, aber oft Parallelen mit ihr selbst und den Menschen aus ihrem Umfeld haben. »Die Identifikation mit meinen Figuren ist sehr hoch, sie haben mich eine lange Zeit begleitet. Der Abschiedsschmerz ist groß, denn unsere gemeinsame Reise geht gerade zu Ende«, sagte die Autorin, die sich in ihrer Lesung auf den Anfang des dritten Buchs konzentriert.

Die tiefe Freundschaft des Quartetts spielt da fast eine Nebenrolle. In den Mittelpunkt des Geschehens rücken deren Kinder und Enkelkinder, wie Klaus, Hennys homosexueller Sohn aus zweiter Ehe, der mit dem Jazzpianisten Alex zusammenlebt. Der schlief ein einziges Mal mit dem in Paris lebenden Topmodell Florentine, der Tochter von Ida und deren zweiten Ehemann Tian. Florentine ist jedoch befreundet mit Robert Langeloh, dem Tontechniker der Band von Alex. Nun ist die junge Frau schwanger, bleibt die Frage, von wem. Die Aussprache zwischen den beiden Männern gehört zu den Höhepunkten der Lesung Korns, der es mit ihrer Erzählweise bestens gelingt, dass sich die 98 Zuhörerinnen und nur zwei Zuhörer jederzeit in die entsprechende Szene hineinversetzen können.

Ganz andere Probleme haben Käthe und ihr Mann Rudi mit ihrer Adoptivtochter Ruth, die ihren Job als Redakteurin der Zeitschrift »Konkret« aufgibt, um in eine WG nach Berlin zu ziehen, um sich am Aufbau der RAF zu beteiligen. Viel Zeitgeschichte findet sich in den drei Bänden wieder, umgesetzt in die persönlichen Geschichten der Protagonisten. Dazu gehört die Liebe von Katja, der Enkelin von Marike, der Tochter aus Hennys erster Ehe, und deren Ehemann Rudi Utesch. Die 25 Jahre alte Katja, die bei der Deutschen Presse Agentur als Korrespondentin arbeitet, verliebt sich 1975 bei einem Ostberlinbesuch in den Schauspieler und »Freigeist« Jon Feldmann, eine von vielen Ost-West-Lieben in jener Zeit. »Mal schauen, was wird,« meinte Korn nach ihrer gut einstündigen Lesung, um dann aus dem Nähkästchen zu plaudern und Fragen der begeisterten Besucherinnen zu beantworten. Nicht enden wollender Beifall war der Dank der Besucherinnen für die Zeitreise in das letzte Jahrhundert.

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