05. Februar 2019, 20:26 Uhr

Eine Band, die ständig wechselt

05. Februar 2019, 20:26 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Spaß am gemeinsamen Musizieren haben (v. l.) Bassist Chris, Martin Schnur und Gitarrist Robin. (Fotos: lod)

Eine außergewöhnliche Band ist am Samstagabend zum wiederholten Male bei der Disco der Lebenshilfe Wetterau im Haus »Unterstütztes Wohnen« in der Fauerbacher Hauptstraße aufgetreten. »X-10derness« sorgte mit aktuellem Deutsch-Pop und Rockklassikern für beste Partystimmung. Die Gruppe besteht seit fast 35 Jahren, aber in der Wetterauer Musikszene ist sie kaum bekannt. Das Besondere an der Band: Die Besetzung wechselt ständig, oft von Auftritt zu Auftritt. Es handelt sich um die Combo des Berufsbildungswerks Südhessen (BBW) in Karben, in dem Menschen mit Förderbedarf unterstützt und ausgebildet werden.

Nur zwei Konstanten gibt es in der Band: Der Wetterauer Kulturpreisträger und Singer-Songwriter Martin Schnur aus Bauernheim und Mathias Kliebisch aus der Leitung des BBW-Freizeitbereichs. Schon kurz nach der BBW-Eröffnung vor 35 Jahren wurde eine Musik-AG gegründet. Zwei BBW-Sozialarbeiterinnen, die damals bei Schnur Gitarrenunterricht hatten, fragten ihn, ob er nicht diese AG übernehmen wolle. »Ich habe dann erst mal die musikalische Ausrichtung geändert«, erzählt Schnur. Aus seinem Fundus brachte er E-Bass und E-Gitarren samt Verstärker, Schlagzeugteile, Keyboard und eine Gesangsanlage mit. So begann die Geschichte der Band, in der seit 28 Jahren Mathias Kliebisch am Keyboard sitzt.

Neun Akteure treten auf

»Wir haben alle richtig Spaß« sagt Kliebisch. Das hat man den insgesamt neun Akteuren am Samstag angesehen. Das Repertoire bestimmen die jungen Männer und Frauen weitgehend selbst. »Das ist zwar nur Radiomusik, aber es ist okay«, meint Bassist Chris aus Schmitten. Der 25-Jährige, der im BBW eine Schreinerausbildung absolviert, ist Heavy-Metal-Fan und Stammbesucher des Festivals in Wacken. Gitarrist Robin aus Karlstadt am Main ist mit der gleichen Ausbildung fast fertig. Der 21-Jährige verlässt das BBW – und somit auch die Band – im Sommer. »Wenn es klappt, komme ich immer mal dazu«, kündigt Chris an, der in seiner unterfränkischen Heimat in einer Punkband gespielt hat. »Wir haben viele Ehemalige, die immer wieder mal dazustoßen«, sagt Schnur.

Ein solcher Ex-BBWler ist Dietrich aus Gambach, einer von gleich vier Sängerinnen und Sängern, die beim Lebenshilfe-Auftritt allesamt überzeugen. Der 23-Jährige singt exzellent Rio Reisers Klassiker »König von Deutschland«. Nach der Prüfung zum Tischler wird Mitsänger Justin (25) im Sommer aus der Band ausscheiden. Der Dillenburger geht zur Bundeswehr. »Das ist schade«, meint Celina. Die 20-Jährige aus Ilbenstadt ist die Einzige in der Band, die nie im BBW gewesen ist. »Ich kam über Freunde dazu«, erzählt die Auszubildende in einem Friedberger Optikgeschäft. Celina überrascht mit ihrer Interpretation des Amy-Winehouse- Stückes »Valerie«. Die vierköpfige Gesangstruppe, zu der noch die 19-jährige Natascha, gehört, singt in wechselnder Zusammensetzung – mal solo, mal im Duett.

Hoffnung auf den Hessentag

Den Disco-Besuchern mit und ohne Behinderung gefällt’s. Lautstark wird bei Hits wie Namikas »Lieblingsmensch« oder Mark Forsters »Chöre« mitgesungen. Den richtigen Rhythmus gibt Drummer Henning (21) vor. »Er ist Autist, ebenso wie Carina am zweiten Keyboard«, sagt Kliebisch.

Ohne Zugabe kommt die Truppe nicht von der Bühne. »Meist spielen wir im BBW, werden aber auch zu öffentlichen Veranstaltungen wie den Hessentagen in Bad Arolsen und Langenselbold eingeladen«, erzählt Kliebisch. »Vielleicht dürfen wir ja nächstes Jahr in Bad Vilbel auf dem Hessentag spielen«, meint Martin Schnur und beschreibt sein Engagement augenzwinkernd und lachend so: »Schließlich ist mir der Rock näher als das Hemd.«



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