16. September 2019, 20:23 Uhr

Ein musikalisches Kartenspiel

16. September 2019, 20:23 Uhr
»Tarot« lautet der Titel der Welturaufführung, die das »Barrios Guitar Quartet« mit (v. l.) Alexander Hladek, Martin Wentzel, Kalin Yanchev, Eugen Drabynka und Stefan Hladek spielt. (Fotos: lod)

Eine Welturaufführung erlebten die Besucher am Samstagabend im voll besetzten Theater Altes Hallenbad. Im Rahmen der Friedberger Gitarrentage führte das renommierte »Barrios Guitar Quartet« erstmals die Komposition »Tarot« für vier Gitarren und Percussion auf.

Bei dem siebenteiligen Stück handelt es sich um ein Auftragswerk, dass der Engländer Stephen Goss, der wohl derzeit bekannteste Komponist von Gitarrenmusik überhaupt, für das international besetzte Quartett mit Martin Wentzel, dem musikalischen Leiter der Gitarrentage, Stefan Hladek, Kalin Yanchev und Eugen Drabynka, geschrieben hat. Dazu stieß als »Special Guest« Percussionist Alexander Yanchev, der Bruder von Kalin Yanchev, der an Xylofon, Schlagwerk und Schlagzeug begeisterte.

Zur Uraufführung seiner neuen Komposition war der Komponist eigens aus England angereist, eine Folge des Crowd Funding, das Wentzel im Vorfeld durchgeführt hat. Goss erläuterte vor der Weltpremiere den Besuchern das Stück.

Sein Ziel sei es gewesen, die Aspekte der unterschiedlichen außergewöhnlichen Instrumente der »fantastischen Gruppe« (Goss) zu berücksichtigen, was ihn auf das Kartenspiel Tarot brachte.

»In dem Spiel kann man wählen, verteilen und verschieben. Das können die Musiker bei meinem Stück auch«, so der Engländer, der die sieben Miniaturen mit durchaus impressionistischen Anklängen beschrieb. Die passenden Tarotkarten, wie der Narr, die Liebenden, der Teufel oder der Tod, wurden während der Erläuterung und des Spiels der fünf Musiker auf die Wand über der Bühne projektiert.

»Die Teufelskarte ist hart zu spielen, dann folgt der Tod, der bedeutet Wege zu ändern«, so Goss. Dieses musikalische Kartenspiel setzten die vier Gitarristen und ihr rhythmischer Begleiter eins zu eins um. Gespannt und geradezu andächtig folgten die Besucher den exzellent gespielten einzelnen ganz unterschiedlichen Sätzen. Nicht enden wollte schließlich der Applaus. Mehrmals musste Goss auf die Bühne kommen.

Den Abend hatte das Quartett mit »Arpeggia« eröffnet. Quartettmitglied Stefan Hladek hat eine Hommage an Johann Hieronymus Kapsberger, einem etwas in Vergessenheit geratenen Komponisten aus der Barockzeit, verfasst. Kapsbergers Komposition »Libro quarto d’intavolatura di chitarone« folgte.

Sowohl im Barock um 1600 als auch im Jazz und in der Moderne spielen Improvisationen eine große Rolle. Darin sind die vier Gitarristen wahre Meister. Es macht einfach Spaß, den vieren bei ihrem Spiel auf den unterschiedlichen Gitarren, wie vier Primgitarren, zwei Barockgitarren und einem Quintbass zuzuschauen und natürlich zuzuhören.

Wie ähnlich Barock und Moderne klingen, zeigte das Quartett mit der Gegenüberstellung von »Lacrymae antiqua & Lacrymae Gaillard«. Zum einen komponiert von John Dowland im 16. Jahrhundert, zum anderen von Stephen Goss, wobei Dowlands sehr melancholische Komposition das dem Free-Jazz nahe Werk von Goss umrahmte.

Mit »Summit« einer Komposition vom weltbekannten argentinischen Bandeon-Virtuosen und Komponisten Astor Piazzolla ging es in die Pause. Erstmals kam hier Alexander Hladek am Schlagwerk zum Einsatz.

Nach der umjubelten Uraufführung von »Tarot« sollte das Konzert mit der Bearbeitung zweier Kompositionen des Gitarristen Pat Metheny enden. »Mojave« und »Heat of the day« sind moderner Jazz mit kräftigem »Flamencogeschmack«, so Hladek. Dank des nicht enden wollenden Beifalls gab es zwei Zugaben, darunter die Bearbeitung eines bulgarischen Volkstanzes, dem das Quartett Jazzrythmen und -harmonien verpasst hatte.

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