20. April 2018, 19:16 Uhr

Ein musikalischer Heimweg

20. April 2018, 19:16 Uhr
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Von Jürgen Wagner

. Kai Michel ist kein Lautsprecher. Unaufgeregt und locker erzählt er Hunderte Geschichten. Er macht es sich nicht einfach. Jeder Ton, jeder Riff sitzt an der richtigen Stelle. Elemente aus Reggae, Jazz und Ethnopop machen sein neues Album »Road Home« zu einem unaufdringlich komplexen Folk-Album und verleugnen nicht, dass der Multiinstrumentalist hauptsächlich Schlagzeuger ist. Alle anderen Instrumente hat er ebenfalls eingespielt und nun mit Part II die Anfang 2017 erschienene EP vervollständigt.

Auf dem Album »Blood From A Stone« waren die Schauplätze seiner Songs verregnete Wälder im kalten Maine, stickige Sümpfe im heißen Louisiana oder eine kleine Stadt in der Wetterau. Dann kam »All Things In Nature« mit vom psychedelischen Folk der Sechzigerjahre inspirierten Klanggemälden, vergleichbar mit Bildern seiner Lieblingsmaler Magritte und van Gogh.

Kai Michel ist fleißig. Auf »Road Home II« setzt er die auf Teil 1 begonnene Suche nach den guten Dingen im Leben fort. Die passenden Worte findet er am Ende des Albums: »Still don’t know, what I’m looking for.«

»Eight miles to Spain« beschreibt die Situation afrikanischer Flüchtlinge im Jahr 1993, als Bob Dylans Album »World gone wrong« erschien. Die musikalische Parallele zu Dylan in der aktuellen Songversion zog Kai bewusst, »weil sich seit damals nicht viel geändert hat«. »Road Home II« beginnt mit »Turn this car and get back«. Das lässt eine Reminiszenz an die Beatles vermuten, die Michel schon häufiger zitiert hat. Doch diesmal ist es eine Umkehr zu eigenen Wurzeln. Die wunderbar dahinfließenden, flächigen Gitarren erinnern an die Band Chica in the Rain, mit der Michel früher als Schlagzeuger unterwegs war.

Kostprobe am 5. Mai

Über »Follow the road home« aus »Road Home I« sagt er: »Ich fühle mich musikalisch an vielen Orten wohl, bin viel unterwegs und komme immer irgendwo an, wo ich mich zu Hause fühle.« Zu Hause fühlt er sich auch in Friedberg. Seit einigen Jahren wohnt er wieder in seinem Elternhaus, das er sich mit seinem Bruder Volker teilt. Genauso wie die Leidenschaft für Musik, die sie von den Eltern in die Wiege gelegt bekamen. Das Brüderpaar tritt gemeinsam als Duo und in der Retro-Popband The Törnarounds auf, in der es weitere stilistische Facetten gibt: Anklänge von The Beatles, The Byrds, Tom Petty und anderen Altmeistern.

Kai Michel ist vielseitig. Seine Songs sind melodiös mitreißend, harmonisch hinreißend. Irgendwo zwischen Folk, Jazz, Roots-Rock und Americana zeigt sich eine besondere Qualität: Die Songs gehen ins Ohr, bleiben hängen. »Wenn man ›Road Home‹ hört, kann man für sich neu entdecken, was längst vergessen schien«, sagt Musikproduzent Moritz Herrmann über das dritte Album des Friedberger Songwriters. Achim Keil

Kostproben gibt es am 5. Mai in Friedberg. The Törnarounds spielen ab 20 Uhr im »Hüttchen« und präsentieren das in Moritz Herrmanns Label »Breadmaker« erscheinende neue Album »Butterfly Zoo«, zu hören auf allen gängigen Online-Plattformen. Weitere Infos im Internet unter www.kaimichel.de oder www.thetörnarounds.de.



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