30. Juli 2019, 17:00 Uhr

Klein, aber fein

Ein kleines Schmiedemuseum für Rockenberg

Die Hofreite in der Rockenberger Obergasse hat Peter Kulla sofort gefallen. Doch als er das Anwesen damals gekauft hatte, dachte er nicht daran, dort einmal ein kleines Museum herzurichten. Jetzt allerdings schon.
30. Juli 2019, 17:00 Uhr

Seit sechs Jahren wohnt Peter Kulla nun schon in der Hofreite in der Rockenberger Obergasse. Und doch: Wenn er über den Hof geht, muss er noch immer lächeln. »Ich kann das gar nicht beschreiben. Aber ich bin jedes mal stolz.« Da ist zum Beispiel die neu gemachte Scheune. »Wir haben versucht, viel mit Holz zu arbeiten. Wir wollten den alten Charakter bewahren«, erzählt er. Und da ist die Fassade: »Der Farbton ist geblieben, wie es damals war.« Am meisten zu zeigen hat er allerdings, wenn er die Tür zu dem Raum öffnet, in dem er gerade werkelt: die ehemalige Schmiede. Hier hat der Vorbesitzer Johann Langsdorf bis in die 1970er Jahre geschmiedet. Der alte Ofen ist noch da, ein Amboss steht in der Ecke, an einer Stange hängen Hufeisen. »Es ist, als wäre die Zelt stehengeblieben«, sagt Kulla. »Dieser Raum lag im Dornröschenschlaf.«

Für Peter Kulla und seine Frau Elvira war schon nach der ersten Besichtigung klar, dass es passt. »Es war Liebe auf den ersten Blick.« Im Januar 2011 war das. Die Familie hatte vorher in Oppershofen auf einem Aussiedlerhof gewohnt. »Ich wollte aber schon immer mal wieder in den Ort ziehen.«

Nur sind Peter und Elvira Kulla nicht einfach mal umgezogen: Seit dem Einzug investieren sie ihre Freizeit in ihr Zuhause. Zuerst standen ein paar Renovierungsarbeiten an, kurzzeitig vermieteten sie das Haus, 2014 zogen sie selbst ein. Und dann, vor gar nicht allzu langer Zeit, kam noch eine weitere Idee (und viel Arbeit) hinzu: Die ehemalige Schmiede soll ein kleines Museum werden, in dem sich Besucher anschauen können, wie der Schmied Langsdorf damals gearbeitet hat. »Wir planen, den Raum mit viel Liebe wieder so aufzubauen, wie er einmal war.«

Das Anwesen selbst ist noch viel älter, erzählt Peter Kulla. Nachdem er es gekauft hatte - das war kurz nach dem Tod von Elisabeth Langsdorf, der Frau des Schmieds - fing er an, sich mit der Geschichte der Hofreite zu beschäftigen. Bereits 1744 ist das Haus zum ersten Mal erwähnt worden. Später, Anfang des 20. Jahrhunderts, gehörte es als Burgmannenhaus für eine Weile zur gegenüberliegenden Burg, die Bediensteten des Pächters wohnten dort. 1909 ging die Burg und damit die Hofreite in den Besitz der Gemeinde Rockenberg über, die die Hofreite später zum Verkauf anbot.

Diese Gelegenheit nutzte Jakob Langsdorf. Er hatte zwei Söhne, beide waren Schmiede, doch nur einer hatte eine eigene Werkstatt (die alte Schmiede in der Klostergasse). Für seinen Sohn Jakob kaufte er deswegen das Anwesen in der Obergasse, der dort, in einem ehemaligen Schweinestall, seine Schmiede aufbaute.

1928 folgte die Eröffnung. Jakob Langsdorf beschlug hauptsächlich Pferde - deswegen auch die Ringe im Hof, an denen die Pferde angebunden wurden, wenn sie Hufeisen bekamen. Peter Kulla hat die Ringe an der Wand gelassen. Das ist überhaupt so etwas, was ihm gefällt: die vielen Spuren, die in vergangene Zeiten führen. Die Lederschürze von Jakob Langsdorf, die alte Werkbank, gefertigt aus einem Baumstamm (und frisch abgeschliffen), eine alte Waage zum Wiegen der Nägel.

Wann das Schmiede-Museum eröffnet wird, ist noch nicht ganz klar. Peter Kulla ist Mitglied im Kultur- und Geschichtsverein Oppershofen, der in die Planung involviert ist. Kürzlich erst hat Vorsitzender Manfred Breitmoser auf Wunsch von Peter Kulla das Wappen der Gemeinde sowie das Schmiedewapppen an die Fassade gemalt.

Ja, es ist schon eine Menge Arbeit, die Peter Kulla sich da aufgehalst hat, sagt Manfred Breitmoser. »Ein anderer hätte das nicht gemacht.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Burgen
  • Lederschürzen
  • Museen und Galerien
  • Oppershofen
  • Pferde
  • Ringe
  • Schweineställe
  • Rockenberg
  • Sabrina Dämon
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.