24. Juni 2019, 20:22 Uhr

Ein hoher humanitärer Preis

24. Juni 2019, 20:22 Uhr
Matthias Willems (l.) im Gespräch mit Uwe Schneidewind, dem Referenten des jüngsten Teils der THM-Ringvorlesung. (Foto: pm)

Mehr als 100 Besucher haben dem jüngsten Teil der Ringvorlesung »Verantwortung Zukunft« der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) auf dem Campus Friedberg gelauscht. Die Vortrags- und Diskussionsreihe widmet sich dem Thema »Megatrend Digitalisierung«. Das Bildungsforum im Stadtmarketing Friedberg ist mit im Boot. In der letzten Veranstaltung des ersten Halbjahres stand die kreative Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels im Mittelpunkt. Referent Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und Autor des Buches »Die Große Transformation«, skizzierte Rahmenbedingungen und Lösungen sowohl in globaler Sicht als auch - als ehemaliger Friedberger Mitbürger - mit Blick auf lokale Gegebenheiten. Zwar verfügten wir schon heute über enorme technologische Potenziale, aber sie böten genau so wenig wie die Paradigmen Wachstum und ökonomische Gewinnmaximierung alleine Lösungen für die Welt von morgen, in der zehn Milliarden Menschen würdevoll leben sollten.

Ineffizient, aber gerettet

Oder anders gesagt: Es sei absehbar, dass unsere Nachfahren im 21. Jahrhundert einen humanitären Preis zahlen würden, der weit über den des katastrophalen 20. Jahrhunderts hinausgehe, wenn es nicht gelinge, eine Werteverschiebung im Zusammenhang von Technik, Ökologie und Ökonomie zu entwickeln.

Laut Schneidewind gebe es schon jetzt die technischen Mittel für einen radikalen Wandel, der aber nur gelingen könne, wenn zugleich Wirtschaftspolitik unter völlig veränderter Prämisse betrieben werde. Seine provokante These: Die Welt sei nur ökonomisch ineffizient zu retten. Sonst sei akzeptables Überleben nur noch ökonomisch starken Eliten möglich. Die sich aktuell zuspitzende Wohnungsproblematik gebe davon jetzt schon eine Ahnung.

Dagegen sei ein Konzept zu stellen, das politikwissenschaftlich fundiert den Gedanken der Selbstwirksamkeit aller gesellschaftlichen Akteure betone. Diesen Gedanken aufgreifend, gab THM-Präsident Prof. Matthias Willems nicht nur einen Einblick in die zukunftsorientierte Forschung und Lehre seiner Hochschule, sondern auch in die praxisorientierte, fachbereichsübergreifende Projektgruppenarbeit in studentischen Werkstätten, die ganz stark von Eigenverantwortlichkeit und -wirksamkeit geprägt seien. Generell gelte hier wie in allen Forschungs- und Lehrbereichen das Prinzip der Kooperation mit Kommunen, Industrie und Wirtschaft der Region. Seine Zuspitzung fand dies in dem von Schneidewind eingebrachten Begriff »Reallabor«, konkret gemacht am »Reallabor Friedberg«: Forschungs- und Projektarbeit periodisch auf den Hochschulstandort zu fokussieren, wäre, wie es hieß, eine Chance, enorme Potenziale zum Nutzen beider Partner, Hochschule und Stadt, freizusetzen. Eine Mittelstadt mit hoher Ortsidentität wie Friedberg biete die idealen Voraussetzungen für den Laborraum Stadt, in dem mutig Neues erprobt und realisiert werden könne. »Wir, die THM, sind dabei«, sagten Willems und Prof. Holger Rohn, Moderator und Organisator der Veranstaltung.

Den Vortragsabend kann man im Internet unter youtu.be abrufen.

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