13. September 2019, 20:32 Uhr

Ein großartiges Werk der Musikgeschichte

13. September 2019, 20:32 Uhr
Die Kantorei hat in den vergangenen Woche intensiv geprobt, um das fulminante Werk in der Dankeskirche aufführen zu können. (Foto: Frank Scheffler)

Nach fast 20 Jahren führen Kantor Frank Scheffler und die Kantorei der Dankeskirche am Samstag, 21. September, wieder Mendelssohns Oratorium »Elias« auf. Mit von der Partie ist auch der Bad Nauheimer Bass Florian Plock in der Titelrolle sowie seine Partnerin aus Haydns Schöpfung von 2013, Susanna Martin. Außerdem singen Britta Jacobus, Alt, und Daniel Sans, Tenor. Es spielt das Orchester »Via Nova«.

Kantor Frank Scheffler spricht von einem Privileg, dass er ein so großartiges Werk, das in Metropolen und zu Klassikfestivals Standard ist, auch in Bad Nauheim auf hohem Niveau vor musikbegeisterten Publikum aufführen kann. Die Kantorei hat in den Sommerferien durchgeprobt, denn die Chöre sind impulsiv und emotional, fordern große Wandlungsfähigkeit in Ausdruck, Tempo und Dynamik. Aber alle der rund 60 Sängerinnen und Sänger freuen sich auf die Aufführung, weil der »Elias« eben etwas Besonderes ist. Durch und durch romantisch sind dabei das bekannte Engelsterzett oder der Doppelchor »Hebe deine Augen auf zu den Bergen«.

So müssen es wohl auch die 2000 Konzertbesucher wahrgenommen haben, die 1846 die Uraufführung in Birmingham bejubelten. Dabei war das Ganze damals eine schwere Geburt. Kurz nach der erfolgreichen Aufführung des »Paulus« 1836, wollte sich Felix Mendelssohn Bartholdy an ein neues Oratorium machen mit der Zentralfigur des Propheten Elias, der sowohl im jüdischen wie im christlichen Glauben eine wichtige, aber unterschiedliche Rolle spielt.

Erbe der jüdischen Vorfahren

Das neue Oratorium sollte weitgehend ohne die bisher üblichen Rezitative auskommen. Das Erzählende übernimmt stellenweise der Chor, der aber auch die Baalpriester, Engel oder das Volk Israel verkörpert. Die Geschichte sollte direkt und dramatisch im permanenten Dialog komponiert sein. Aber Mendelssohns bewährte Librettisten Klingemann und Schubring konnten seine Vorstellungen nicht umsetzen: »Ich hatte mir eigentlich beim Elias einen rechten durch und durch Propheten gedacht, wie wir ihn etwa heut zu Tage wieder brauchen könnten, stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster, im Gegensatz zum Hofgesindel und Volksgesindel, und fast zu der ganzen Welt im Gegensatz, und doch getragen wie von Engelsflügeln.« Es sollte eine »recht anschauliche Welt entstehen, wie sie im alten Testament in jedem Kapitel steht«, wünschte er sich.

So ruhte die Idee rund zehn Jahre lang, bis im Herbst 1845 der Auftrag für ein neues Chorwerk zum Birmingham Triennial Music Festival 1846 ins Haus flatterte, wo der junge Komponist schon mehrfach große Erfolge gefeiert hatte. Jetzt war Eile geboten. Schubring, sein Paulus-Texter, brachte eine theologisch sichere Auswahl und Abfolge der Textstellen ein. Zwar wollte Mendelssohn den Text symbolisch verstanden wissen, am Ende aber überzeugte Schubring ihn, dass als große geschichtliche Bedeutung der alte Bund zum neuen verklärt werden müsse. Die beiden letzten Chöre künden den Messias an. So war für den von tiefem Glauben geprägten, evangelischen Mendelssohn Bartholdy der »Elias« auch eine Berührung mit dem Erbe seiner jüdischen Vorfahren.

An der Uraufführung nahmen, wie damals oft üblich, fast 400 Mitwirkende teil. Trotz des Erfolgs überarbeitet Mendelssohn das Werk erneut und führte es noch mehrmals in England auf. Die Erstaufführung in deutscher Sprache am 9. Oktober 1847 konnte der Komponist nicht mehr selbst dirigieren. Nach zwei Schlaganfällen starb er am 4. November 1847 im Alter von 38 Jahren in Leipzig.

Der Kartenvorverkauf hat begonnen. Die Vorverkaufsstellen sind das Deutsche Buchkontor Kintler, Stresemannstraße 5 (0 60 32/26 66), die Buchhandlung am Park, Aliceplatz 3 (0 60 32/25 25) und die Bad Nauheim Information, In den Kolonnaden 1 (0 60 32/92 99 20). Mögliche Restkarten gibt es an der Abendkasse.

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