21. Mai 2019, 20:27 Uhr

Ein gelungenes Debüt

21. Mai 2019, 20:27 Uhr
Das Kur-Sinfonieorchester unter der Leitung von Martin Spahr überzeugt auf der großen Bühne mit munterem Spiel und frischem Ausdruck. (Fotos: hms)

Das klassische Konzertangebot in der Stadt ist nicht nur groß und von besonderer Güte, sondern auch traditionsreich. Schon 1853 gab es ein Kur-Sinfonieorchester, mit dem Berühmtheiten wie Richard Strauss oft ihre eigenen Werke vor prominentem Publikum dirigierten. In diese Fußstapfen tritt jetzt das 2015 neu gegründete Kur-Sinfonieorchester, das am Sonntag sein erstes Konzert im gut gefüllten Jugendstiltheater gab. Der Förderverein Sinfonische Musik hatte das junge Orchester eingeladen, mit zwei Konzerten Teil der erweiterten Kammerphilharmonie-Reihe zu werden. Das Debüt war mit Martin Spahr am Dirigentenpult und Michael Strecker als Solist rundum gelungen.

Genie mit 13 Jahren

Jung und energiegeladen, unbeschwert doch höchst talentiert, so könnte man das Band zwischen dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und den Interpreten bezeichnen. Mendelssohn, 1809 geboren, hatte schon mit elf Jahren 60 kleine Stücke und ein Singspiel komponiert. Als er 13 Jahre war, schuf er sein erstes Violinkonzert in d-Moll. Er war ein großer Bach-Verehrer und so hinterließ das geniale Vorbild seine Spuren im jugendlichen Schaffen. Felix und seine Schwester Fanny komponierten und interpretierten unermüdlich für die damals beliebten Sonntagskonzerte im Hause Mendelssohn in der Leipziger Straße in Berlin. Für das dreisätzige Violinkonzert hatte Felix auch Impulse durch seinen jungen Geigenlehrer Eduard Rietz bekommen.

Michael Strecker, selbst als Violinist in unterschiedlichen Genres zu Hause und inzwischen künstlerischer Leiter der Neuen Kurkonzerte und des Kur-Sinfonieorchesters, stellte sich vor, bevor er zum Instrument griff, wie der 13-jährige Felix wohl gewesen sein mag. Seine Interpretation drückte dann sowohl ein neugieriges Ausloten von Möglichkeiten, gewagte Sprünge zwischen hohen und tiefen Lagen, die Geduld der langen Töne als auch wildes Toben und neckisches Jagen aus. Beide hatten wohl ihre helle Freude am musikalischen Treiben und das Publikum allemal.

Mit dem aufstrebenden Dirigenten Martin Spahr aus Gießen hat das Orchester seine Zukunft fest im Griff. Er dirigierte energisch und mit klarem Duktus, sodass es eine Wohltat war, seine Angaben mitzuverfolgen wie sie im musikalischen Ausdruck Gestalt annahmen. Das Orchester agierte mutig mit forschen Tutti und einfühlsam mit geschmeidigen Einsätzen, lebhaft, akzentbetont und deutlich phrasierend. In Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre und der Schottischen Sinfonie, beide Ergebnisse seines Englandaufenthalts 1829, hatten sie Gelegenheit sich als jung und dynamisch zu erweisen. Auch wenn die Schottische erst viel später nach gründlicher Überarbeitung uraufgeführt wurde, zeigt sie doch die schwärmerischen Spuren des naturverliebten Jungen. Sind es die übers Hochland galoppierenden Pferde, die gravitätischen Hornsignale oder die Eindrücke in der von Gras und Efeu bewachsenen Ruine der Krönungskapelle von Königin Maria von Schottland: Es sind die Stimmungen, die berühren. Genauso ist es in der Hebriden-Ouvertüre, die geheimnisvoll und dramatisch die Fingalshöhle beschreibt. Spahr arbeitet wunderbar das Säuseln in den Streichern heraus, lässt sprudelnde Wasser und das Rauschen der Bäume erlebbar werden.

So wurde das Konzert ein rechtes Geschenk zum 210. Geburtstag des schon mit 38 Jahren gestorbenen Komponisten. Mit dem Kur-Sinfonieorchester ist in Bad Nauheim ein hoffnungsvoller Stern aufgegangen, der noch viel Freude machen kann. Das Publikum wusste es durch langen Applaus zu würdigen.

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