07. Juli 2019, 18:41 Uhr

Ein Vormittag bei der Tafel

07. Juli 2019, 18:41 Uhr
Arbeitsbesuch (v. l.): Evelyn Weiß, Tafel-Chef Peter Radl, Simone Hahn-Wiltschek und Dr. Klaus-Dieter Rack nach dem Entladen der Lebensmittel. (Foto: pv)

»Ich bin Egoist«, antwortet Vorsitzender Peter Radl auf die Frage nach seinem Antrieb, die Geschäfte für die seit 2006 tätige Friedberger Tafel zu führen. Radl schmunzelt über die verblüfften Gesichter der Sozialdemokraten, die zum Info-Besuch in die Kleine Klostergasse gekommen sind. »Warum sage ich das?«, fährt er fort. »Ich will zuerst für mich etwas tun, was mir Freude bereitet. Und wenn das auch anderen Menschen hilft, dann umso besser.« Zentrale Aufgabe der Tafel sei es, Menschen zu helfen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Hartz-IV-Leistungen und Grundsicherung empfangen. Sie werden mit noch verwertbaren, vom Wegwerfen bedrohten Lebensmittel versorgt. Radl schildert das ausführlich und mit unverkennbarer Leidenschaft.

Nach Prüfung der Bedürftigkeit bekommt jeder neue Tafelkunde einen Abholausweis, in dem Name, Anzahl der Familienmitglieder und konkrete Abholtage samt Uhrzeit ebenso vermerkt sind wie die Nummer des Zuteilungskorbs und ob jemand Fleisch verzehrt oder nicht. Mit der genauen Festlegung der Abholzeit sorgt Radl mit 70 ehrenamtlich Helferinnen und Helfern für eine funktionierende Bedienung der rund 1700 Kundinnen und Kunden aus Friedberg, Bad Nauheim, Wölfersheim, Karben, Reichelsheim und anderen Orten der Umgebung.

Wer den Termin nicht einhalten kann, muss sich abmelden; wer dreimal einen Termin versäumt, verliert sein Teilnahmerecht. Das seien gelegentlich auch erzieherische Maßnahmen, betont Radl. Denn immerhin werden an den drei Ausgabetagen pro Woche im 14-Tage-Rhythmus rund 550 Bedarfsgemeinschaften mit noch verwertbaren acht bis zehn Tonnen Lebensmitteln versorgt.

Spenden gehen nur an Bedürftige

Unter den Empfängern der Lebensmittel sind auch über 500 Kinder und Jugendliche, Bewohnerinnen des Frauenhauses und Bürgerinitiativen, die Flüchtlinge versorgen helfen. Die Kunden erhalten gegen einen symbolisch niedrigen Preis ihre Körbe, können sich im »Bauchladen« zusätzliche Grundnahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Reis, frisches Obst und Gemüse in kleinen Mengen mitgeben lassen. Radl: »Hier gilt: Auch der Bedarfsberechtigte muss um 17 Uhr aus dem Bauchladen noch etwas mitnehmen können, folglich gibt es nur eine begrenzte Abgabe.« Die drei Mitglieder der SPD-Stadtverordnetenfraktion Evelyn Weiß, Simone Hahn-Wiltschek und Dr. Klaus-Dieter Rack kamen mittwochmorgens mit einer Lebensmittelspende vorbei, um beim Ausladen der drei Tafelautos mitzuhelfen. Die von Ehrenamtlichen gesteuerten Lieferwagen holen bei Supermärkten und Bäckereien noch verwertbare Lebensmittel ab, die in Abholkörbe verteilt werden. Was nicht unmittelbar wieder ausgegeben wird, kommt bei Bedarf in Kühlzellen. Ausgeteilt wird, was gespendet wird - Zukäufe sind genauso wenig erlaubt wie die Mitnahme von Lebensmitteln durch Helfer; gespendete Lebensmittel sollen ausschließlich Bedürftigen zugutekommen.

Radl sieht das unter seiner verantwortlichen Führung gut organisierte und nur von Spendenmitteln gestützte Tafel-Unternehmen als einen wichtigen Beitrag zur Hilfe für Menschen und auch zur nachdrücklichen Minderung der Lebensmittelverschwendung an. Er gab den von der Funktionsweise der Friedberger Tafel beeindruckten SPD-Mitgliedern zu überlegen mit, ob für die Berechtigten aus den Stadtteilen und dem Umland nicht Fahrdienste organisiert oder auch verbilligte Bus/Bahn-Fahrkarten am Abholtag ausgegeben werden könnten.

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