28. Februar 2017, 20:23 Uhr

Ein Mahner nach der Dunkelheit

28. Februar 2017, 20:23 Uhr
Ein Jahr nach dem Tod von Monik Mlynarski findet ein Gedenken an seinem Grab statt.

Denkt man an Monik Mlynarski, so denkt man zugleich an ein großes ehrenamtliches Engagement, an ein Lächeln, das Mlynarski mit seiner warmherzigen Art stets für seine Mitmenschen bereithielt. Am 4. Februar 2016 starb Mlynarski, Ehrenbürger der Stadt Bad Nauheim, Träger des Bundesverdienstkreuzes, im Alter von 92 Jahren. 30 Jahre war er als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde mit ihren rund 300 Mitgliedern tätig. Dabei hat er immer wieder gezeigt, wie wichtig das Erinnern und der Blick nach vorne sind.

Am Donnerstag lud die Jüdische Gemeinde zu einer Gedenkveranstaltung auf den Jüdischen Friedhof ein. Zahlreiche Gemeindemitglieder, Freunde sowie kirchliche und politische Vertreter verschiedener Kommunen nahmen teil und würdigten den Verstorbenen. An Mlynarskis Grab sprach Rabbi Reuven Unger ein Gebet, ehe der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Manfred de Vries, an das Leben und Wirken Mlynarskis erinnerte.

»Er hat viel erlebt«, sagte de Vries. »Den Holocaust, früh seinen Vater verloren.« Kurz vor Ende des Krieges musste Mlynarski auf den Todesmarsch vom KZ Kittlitztreben nach Buchenwald. Am 11. April 1945 wurde er schließlich von amerikanischen Soldaten befreit. Trotz allem entschied sich Mlynarski gegen eine Auswanderung und für ein neues Leben in Deutschland. In der Wetterau fasste er als Geschäftsmann Fuß.

Impfung gegen den Hass

Das Wohl der Menschen hatte er dabei stets vor Augen. »Er hat sein ganzes Leben Menschen geholfen, war immer für andere da«, erinnerte de Vries. Genau diese Eigenschaft habe ihn ausgezeichnet. Mit Monik Mlynarski habe man Abschied von einem besonderen Menschen genommen. Einem Menschen, der als Persönlichkeit des öffentlichen und religiösen Lebens der Stadt Bad Nauheim wichtig gewesen sei. »Ich hoffe, dass er gefunden hat, wonach er gesucht hat«, sagte de Vries abschließend.

Insgesamt habe die Gemeinde in den vergangenen 30 Jahren eine große Veränderung durchlebt. Nach dem Holocaust wurde die Bad Nauheimer Gemeinde als religiöses Zentrum für Kurgäste aufgebaut, es gab sogar ein koscheres Hotel. In den 90er Jahren kamen viele neue Mitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion. Sie sorgten dafür, dass die Gemeinde von einer Sommergemeinde zu einer normalen Ganzjahresgemeinde wurde. »Monik Mlynarski ist es zu verdanken, dass die Integration der neuen Mitglieder in hervorragender Weise gelungen ist«, würdigte de Vries die Arbeit seines verstorbenen Vorgängers.

»Herr Mlynarski war in der Wetterau sehr gut verzahnt und genoss ein sehr hohes Ansehen. Er wohnte in Bad Nauheim und war immer für jeden zugänglich. Dieses hohe Ansehen war ihm als Holocaust-Überlebender sicher.« Als einer der letzten Überlebenden hinterlasse er auch eine Lücke als Zeitzeuge.

»Es war ihm immer wichtig, der Jugend in der Wetterau das Judentum näherzubringen. Unzählige Schulklassen waren in der Synagoge zu Besuch.« Diese Arbeit werde heute fortgesetzt – als Impfung gegen den Hass.

Erstrangige Aufgabe des Vorstands sei es, alle Angebote ohne Unterbrechung weiter anzubieten: die Schabbat-Gottesdienste, alle Feiertagsgottesdienste, den Religionsunterricht und die koschere Küche. Außerdem sollen die täglichen Büroarbeiten und die Unterhaltung der Gebäude fortgesetzt werden. »Als Priorität sieht der jetzige Vorstand die Gottesdienste und die Akzeptanz der Religion als wertvoller Zugang zum erfüllteren Lebensweg.« Da die Mitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion dort kaum Zugang zur Religion hatten, sieht der neue Vorstand eine wesentliche Aufgabe darin, die Mitglieder näher an die Religion heranzuführen. Die Gemeinde werde unter den strengen Halacha-Gesetzen weitergeführt und bleibe eine Gemeinde mit Zugang für die und Akzeptanz der Orthodoxen sowie liberalen Gemeindemitglieder. (Foto: cor/Archivfoto: nic)

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