Wetterau

Ein Leben für die Musik

Kalli Velten erblickte am 14. September 1944 in Großen-Linden das Licht der Welt. Aus ihm konnte nur ein Musiker werden, denn sein Opa war Tambour-Major eines Wehrmachtorchesters und sein Vater Querflötenspieler im heimischen Musikzug. Nachdem Autodidakt Kalli Trompete spielen konnte, trat er dem Jugendmusikcorps Großen-Linden bei und wurde bald Stabführer und Ausbilder.
19. Januar 2017, 19:31 Uhr
Rainer Hoffmann
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Multitalent: Kalli Velten ist Trompeter, Saxofonist, Bassist, Sänger, Dirigent, Ausbilder, Komponist und Texter. Neben seiner »musikalischen Vollbeschäftigung« war er auch noch selbstständiger Elektromeister. (Foto: rho)

Kalli Velten erblickte am 14. September 1944 in Großen-Linden das Licht der Welt. Aus ihm konnte nur ein Musiker werden, denn sein Opa war Tambour-Major eines Wehrmachtorchesters und sein Vater Querflötenspieler im heimischen Musikzug. Nachdem Autodidakt Kalli Trompete spielen konnte, trat er dem Jugendmusikcorps Großen-Linden bei und wurde bald Stabführer und Ausbilder.

Ein besonderes Ereignis war sein Auftritt mit seinem Orchester bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD mit Willy Brandt am 18. Juli 1958. Nach der Rede und einem Ständchen schüttelte Brandt Kallis Hand und meinte: »Ich danke dir, mein Junge!« und fuhr mit einem Mercedes-Cabriolet zusammen mit Erhard Eppler zur nächsten Veranstaltung.

Mit 18 erhielt Velten seine erste Goldmedaille bei der Blasmusik-Olympiade im holländischen Kerkrade, die seit 1951 alle vier Jahre stattfindet, vier Jahre später folgte die zweite. Während dem 18-monatigen Wehrdienst war er im Musikzug Pistonbläser im Heeresbereich Kassel verpflichtet, blies zum Weckruf sowie zum Zapfenstreich und legte die Wertungsrichterprüfung bei Oberstleutnant Deisenroth ab.

Dann war er 20 Jahre als Ausbilder seines Heimatvereins und beim Musikcorps Grünberg eingesetzt, mit ihnen siebenmal Hessenmeister, dreifacher Deutscher Meister im Hessischen Blas- und Volksmusikverband und immer wieder in Kerkrade erfolgreich.

Zu Gast bei Carpendale und Mo

Während der Fauerbacher Kerbmusik beim unvergessenen »Hennes« lernte Kalli Velten seine Frau Petra kennen, die immer noch sein größter Fan ist. 1968 wurde geheiratet und nach sieben Jahren in Großen-Linden bauten sie sich ein Haus in Fauerbach und 1975 ein weiteres in die Pfingstweide 10 mit Musikinstrumentenverkauf.

Bei über 100 Meisterschaften war er als Wertungsrichter eingesetzt, und über viele Jahre spielte er als Trompeter und Saxofonist bei der Star-Band in Butzbach und war Leader bei der Allsound-Band mit seinen Söhnen Matthias und Jens, die beide das Musikerblut in sich haben. Über 20 Jahre hatte Velten Gastspiele bei Howard Carpendale, Ted Herold, Billy Mo, den Jacob-Sisters, Hugo Strasser, Max Gregor jun., Dirk Raufeisen und Trevor Richards sowie Bill Sinclair. Besonders gerne denkt er an das Spiel mit Martin Weiss aus der »Häns’che Weiss Familie« zurück, die in der Tradition von Django Reinhardt musizieren. Auch seine Engagements bei der 1953 gegründeten Frankfurter Barrelhouse Jazzband mit Reimer von Essen als Bandleader und Arrangeur sind unvergessen.

Gesangsunterricht erhielt er bei Opernsängerin Fay Rabine und Kontrabass-Unterricht bei Lindy Huppersburg.

Die Liste von Veltens Einsätzen ist unendlich lang, er hat Musiker in 14 Brass- und Musikkapellen ausgebildet und wirkte als Dirigent mit der Skyliner-Big-Band Frankfurt bei der 1200-Jahr-Feier 1994 in der Paulskirche bei der Aufführung von Goethes Faust drei Wochen lang in der Paulskirche mit.

2002 gründete Velten mit interessierten Freunden den Jazzclub Friedberg und wurde 1. Vorsitzender. Das Stammlokal für die Kalli-Velten-Jazzband wurde das Trompetchen in der Bismarckstraße 34, bei Uli und Hans-Walter Kiefer. Als Komponist und Texter hessischer Folklore Musikstücke machte er sich einen Namen unter anderem beim Hessentag in Butzbach 1997 mit dem Hessentagslied »Butzbach feiert Hand in Hand den Hessentag das ganze Land«.

Vor einem halben Jahr fand er mit seiner Familie ein neues Zuhause in Nieder-Mörlen und kann im Keller seiner Berufung nachgehen. Neben seiner musikalischen Vollbeschäftigung war er zur Ablenkung als selbstständiger Elektromeister im Wetteraukreis tätig. Für Anfragen unter www.kalli-velten-jazzband.de, kalli-velten@gmx.de und Telefon 01 71/4 45 01 76 ist er empfänglich.

In seinem neuen Domizil im Gasthaus Wiedermann in Bad Nauheim spielt er mit seiner sechsköpfigen Band am Samstag, 11. März, ab 19.30 Uhr wieder zum Tanz auf.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Ein-Leben-fuer-die-Musik;art472,179235

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