01. Juni 2018, 10:00 Uhr

Lieblingsplatz

Ein Faible für Fernblicke

»An klaren Tagen kann ich hier bis zur Ronneburg sehen«, sagt Helmut Amler. Auf dieser Anhöhe, der »Stammheimer Lücke«, stellt er seine Staffelei auf. Es ist sein Lieblingsplatz.
01. Juni 2018, 10:00 Uhr
Helmut Amler malt bei Fernsicht den Blick von der »Stammheimer Lücke«, der an manchen Tagen bis zur Ronneburg reicht. (Fotos: ach)

Bekanntlich wussten schon die Römer, wo es schön ist, deswegen haben sie auch im Waldstück auf der »Stammheimer Lücke« oberhalb von Altenstadt und Stammheim ihre Spuren hinterlassen. Dort gibt es einen Römerwachturm und Fragmente des Limes. Heute stehen drei Windräder auf der Anhöhe, denn es ist dort meistens mehr oder weniger windig. Als Helmut Amler seine Lieblingsaussicht zeigt, weht dort eine sommerliche Brise. Und in der Ferne über dem Büdinger Wald zeigen sich die ersten Gewitterwolken. Die Ronneburg ist an diesem Tag nicht zu sehen, aber die sanften Hügel davor und die Orte Rodenbach, Limeshain, die Waldsiedlung, der Kirchturm und die Dächer von Altenstadt, und weiter rechts liegt Höchst.

Der Wechsel des Lichts macht die Naturbeobachtung spannend

Helmut Amler

 

Helmut Amler ist Maler aus Leidenschaft und hat ein Faible für Fernblicke. Einen beeindruckenden Blick hat er von hier oben, wo eines seiner nächsten Bilder entstehen soll. »Der Wechsel des Lichts und die verschiedenen Jahreszeiten machen für mich die Naturbeobachtung immer wieder spannend«, sagt der Stammheimer. Öl, Pastell und Aquarell sind seine bevorzugten Techniken. »Ich habe auch noch andere Lieblingsplätze in der Umgebung.« Gemalt hat er etwa den Blick von einer Bank am Stammheimer Friedhof auf das Dorf, im Vordergrund die Schule und ein alter Kastanienbaum. Auch das Stammheimer Schloss hat er mit Ölfarben auf Leinwand festgehalten.

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Abflug nach L.A. mit einem Airbus 380

1973 hat es ihn der Liebe wegen nach Stammheim gezogen. Geboren ist Amler 1944 im Sudentenland. Seine Familie wurde vertrieben, kam in die Schwalm nach Wasenberg/Willingshausen, wo es Ende des 19. Jahrhunderts eine Malerkolonie gab. Seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit der Malerei. Beruflich führte ihn sein Weg nach Frankfurt in die Druckvorstufe des grafischen Gewerbes. Zuerst in der Klischeeherstellung für den Buchdruck, dann als Lithograf »und zum Schluss im Computerbereich«.

 

Porträts und Stillleben

 

In Frankfurt hat er in der Druckerei Brönner seine Frau kennengelernt. Der ambitionierte Maler, der sich sechs Jahre lang bei Walter Hergenhahn, einem Schüler Max Beckmanns, an der Abendschule im Frankfurter Städel fortbildete, begeistert sich auch für Porträts und Stillleben, und er hält Situationen aus seinem Leben in einer Art Collage auf der Leinwand fest. So hängt in seinem Haus ein Gemälde, das entstand, als er und seine Frau im vergangenen Jahr in einem Airbus 380 zur Hochzeit des Sohnes nach Los Angeles geflogen sind. In der rechten oberen Bildecke hat er seine Frau ins Motiv hineinporträtiert.

»Für mache Bilder brauche ich zwei, drei Tage. Für andere mehrere Monate, weil ich Stellen übermale, noch mal anders gestalte«, erläutert Helmut Amler. Im Bild festgehalten hat er auch die heute nicht mehr existierende Druckerei Brönner am Frankfurter Hauptbahnhof, davor seine Frau im grünen VW Käfer, den das Paar einmal fuhr. Amler beschäftigt sich zudem mit der Bildenden Kunst, hat mehrere Skulpturen aus Ton und Gips gefertigt, einige davon zieren Garten und Haus, etwa ein Flötenspieler, eine Wassernixe am Teich und eine »Ruhende Schöne«.

Info

»Florstadt Creativ«

Die Künstlergruppe »Florstadt Creativ« lädt für Freitag, 1. Juni, um 19 Uhr zur Vernissage ihrer Ausstellung ein. Im Saal Lux werden neueste Arbeiten gezeigt. Aquarelle, Acryl- und Ölgemälde sind zu sehen sowie Fotos, Skulpturen und Keramiken. Helmut Amler stellt drei Bilder aus. Zu den Ausstellern gehören auch Mario Berg-Kelava, Dieter Eckhardt, Henok Gebremariam. Er zeigt Florstadt aus der Sicht eines Flüchtlings. Zudem stellen aus: Mechthild Hoos, Roland Schumann, Heidi Schwendemann und Julia Unger. Schirmherr ist Bürgermeister Herbert Unger. Die Ausstellung ist vom 2. bis 10. Juni, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung zu sehen. (ach)

 

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