29. Juni 2018, 01:00 Uhr

Bald Kinderbetreuung?

Ein Besuch auf dem Eselhof in Nidda

Als Carmen und Jens Hoffmann vor drei Jahren die alte Stockmühle in Nidda gekauft haben, hatten sie einen genauen Plan. Und in dem kamen Esel vor.
29. Juni 2018, 01:00 Uhr

Vor den Kindern und den Eseln sind Carmen und Jens Hoffmann noch einmal nach Neuseeland geflogen. Weil klar war, dass das so schnell nichts mehr wird mit den langen Reisen. Der Hof, die Kinder, die Tiere – »dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr, aber das wussten wir«. Deswegen die vorerst letzte Fernreise. Dann, als die zwei wieder zurück in Frankfurt waren, ging es los; Umzug nach Nidda. Sie hatten schon lange gesucht, schließlich das Richtige gefunden: die alte Stockmühle am Rand von Eichelsdorf.

Drei Jahre ist das jetzt her. Aus den zwei Hoffmanns sind vier geworden – Emily ist zwei Jahre alt, Jonas feiert heute seinen ersten Geburtstag. Und neben den menschlichen Hofbewohnern sind noch ein paar tierische hinzugekommen.

 

Lucy und Blacky sind die Hauptattraktionen

 

 
Fotostrecke: Impressionen vom Eselhof Wetterau

»Wir sind hier super glücklich«, sagt die 33-Jährige. Beide haben sie sich mit dem Projekt einen Traum erfüllt – »Jens sogar ziemlich viele Kindheitsträume auf einmal«, sagt sie lachend.

Da sind zuallererst die Esel. Der 36-Jährige ist Biologe. Vor dem Hof hat er in Frankfurt studiert. Tiere und Landleben, erzählt er, hat er sich schon immer gewünscht. Eigentlich einen Gnadenhof. Das allerdings passte nicht so ganz in Carmens Vorstellung. Sie kommt aus der Tourismusbranche, hat davor Sport studiert. »Mein Plan war es immer, im Sporttourismus und mit Kindern zu arbeiten.« Aber, so ist es nun mal im Leben, Pläne können auch umgeworfen werden – die neuen, so ist das zumindest im Fall der Hoffmanns, sind dann sogar besser.

Also traf sich das Paar quasi in der Mitte, die neue Idee: »Machen wir einen Eselhof.« Carmen Hoffmann lacht: »Er hat mich auf den Esel gebracht.« Sie haben Bücher über die Tiere gelesen, Höfe in ganz Hessen besucht und schließlich Lucy und Blacky gekauft. So heißen die zwei Hauptattraktionen auf dem Hof. Wegen der beiden Eselinnen kommen die meisten Besucher zur alten Stockmühle: Kinder, die einmal mit den Tieren spazieren gehen wollen, sie füttern oder sogar den Stall ausmisten. Das gehört zum Konzept des Eselhofs Wetterau.

Die zwei Esel-Ladys sind sechs Jahre alt und leben seit eineinhalb Jahren bei den Hoffmanns. Vorher, erzählt Jens Hoffmann, waren sie bei der Noteselhilfe – quasi ein Tierheim für Esel. Auf dem Hof dann das erste Aufeinandertreffen. »Sie haben sich aus dem Anhänger heraus angeblökt, kurz begrüßt, seither passt es.« Manchmal vielleicht, da sind sie ein wenig zickig, wenn es darum geht, wer zuerst ans Futter oder an die Hand von Kindern darf, die die Esel streicheln wollen. Sonst klappt alles prima.

Ein dritter Mitbewohner ist Sergeant Pepper, ein rumänischer Straßenhund, der auch seit 2016 auf dem Hof wohnt und sich bestens mit den Eseln versteht.

Sie haben sich aus dem Anhänger heraus angeblökt, kurz begrüßt, seither passt es

Jens Hoffmann

Dann kam Kindheitstraum Nummer 2: der Softeis-Verkauf. Neben dem Wohnhaus steht ein kleines Häuschen, ein ehemaliges Bürogebäude, das noch vor einigen Jahren arg heruntergekommen war. Jens Hoffmann machte sich an die Arbeit, legte Leitungen, renovierte das Häuschen komplett. Wer heute am Wochenende mit seinem Fahrrad oder zu Fuß am Eselhof vorbeikommt, sieht Jens Hoffmann oft in einem der Fenster, wie er Softeis nach draußen reicht. Die Lage, sagt er, ist perfekt: 500 Meter weiter beginnt der Vogelsberg, zahlreiche Wanderer und Radfahrer kommen bei schönem Wetter vorbei.

Carmen und Jens könnten noch weiter aufzählen. Die grünen Eier zum Beispiel (ja, es gibt auch Hühner und Küken): »Ich wollte schon immer grüne Eier haben«, sagt er.

 

Nachmittagsbetreuung für Kinder geplant

 

Es wird noch lange nicht das letzte Projekt sein, das die Familie auf dem Hof angeht und umsetzt – »es gibt genug Potenzial für alle Ideen, die wir noch so im Kopf haben«. Ein Paddock auf der Eselkoppel, eine Rampe aus dem Stall, Feste feiern, damit der Hof bekannter wird.

Carmen Hoffmann will bald als Tagesmutter Nachmittagsbetreuung anbieten – »für Kinder ist es toll hier« – sie können toben, Esel streicheln, und sie können sehen, wie zum Beispiel Tomaten wachsen.

Die zwei, das zeigt sich in jeder Ecke des Hofs und in den Erzählungen der beiden, haben ihren Traum verwirklicht. Dass sie keine langen Reisen mehr machen können und nicht mehr in der Stadt wohnen, ist überhaupt kein Problem: »Frankfurt war schön ohne die Kinder. Aber die Zeit ist vorbei.« Eichelsdorf, mitten in der Provinz, passt perfekt. »Genau das wollten wir.«

Info

Der Eselhof

Es gibt ein Esel-Erlebnis, einen Esel-Tag oder ein Esel-Wochenende. So oder so: Wer auf den Eselhof in die Brandesgasse nach Eichelsdorf kommt, wird Lucy und Blacky treffen. Die zwei Eseldamen, die mächtig viel Krach machen können, die aber, sobald sie merken, jemand will sie streicheln, ihren Kopf hinhalten. Außerdem leben auf dem Hof noch Zwergkaninchen, Hühner und ein Hund. Die Betreiber des Hofs, Carmen und Jens Hoffmann, bieten die Angebote rund um die Esel an – u. a. Pflege, Eselkunde, Fütterung, Wanderung, Picknick.

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