18. August 2018, 06:00 Uhr

Friedberger Ray Baraccks

Ehemalige US-Kaserne: Jetzt soll’s vorangehen

Neue Rathausspitze, neue Wege ans Ziel zu kommen: Die Stadt Friedberg plant weiter den Erstzugriff auf das Kasernengelände, holt sich dafür aber einen Partner ins Boot.
18. August 2018, 06:00 Uhr
wagner_jw
Von Jürgen Wagner
Seit elf Jahren liegt die Friedberger Kaserne im Dauerschlummerschlaf. Jetzt soll es mit der Umwandlung in ein Wohn- und Technologiequartier endlich vorangehen. (Foto: Nici Merz)

Still ruht die Kaserne: 2007 räumte die US-Armee die Ray Barracks im Süden von Friedberg. 74 Hektar in bester Sonnenlage warten auf eine neue Nutzung. Auch nach elf Jahren noch von einem »Erstzugriff« zu sprechen, ist daher kühn. Das Stadtparlament sprach zuletzt gar von einem »vorgreiflichen Erstzugriff«: Da ging es um das Areal, auf dem die THM ein Technologie- und Anwenderzentrum einrichten will.

Damit es schneller vorangeht, sollte vor dem eigentlichen Erstzugriff die 2,6 Hektar große THM-Fläche entwickelt werden. Dieser Beschluss dürfte vom Stadtparlament wieder gekippt werden; der Ausschuss für Stadtentwicklung hat dies bereits getan. Der Grund: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verlangt für das Areal rund 6,2 Millionen Euro. Für Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) ist das »nicht akzeptabel«. Die Fläche alleine im Vorgriff zu entwickeln, sei unwirtschaftlich. Die Erschließung des Teilbereichs ohne den großen Rest der Kaserne hätte enorme Mehrausgaben bedeutet. »Ich habe das korrigiert«, sagte der Bürgermeister.

Vom Tisch ist der THM-Campus mit dem Namen »FrAnTZ« (Friedberger Anwender- und Technoligiezentrum) damit keineswegs. Auch ein Erstzugriff auf diese Fläche ist weiter möglich: »Dieses Projekt kann dennoch realisiert werden, da der Erstzugriff nicht zwingend durch die Stadt Friedberg, sondern direkt durch das Land Hessen erfolgen könnte.« Die Erweiterung der THM ist schließlich Sache des Wissenschaftsministeriums, mit dem das Rathaus ebenso wie mit zahlreichen anderen potenziellen Partnern in den vergangenen Tagen Gespräche führte.

Ministerium gibt grünes Licht

Die Stadt will aber bei der Kasernenentwicklung weiterhin das Heft in der Hand behalten. Um das Mammutprojekt zu stemmen, hat die Stadtverordnetenversammlung bereits im Februar 2016 den Erstzugriff beschlossen. Dabei soll insbesondere der deutlich gestiegenen Nachfrage nach Wohnraum Rechnung getragen werden.

Die Landesregierung hat im vergangenen Jahr das Landesprogramm Bauland-Offensive Hessen (BOH) aufgelegt. Ziel ist die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum. Eine BOL GmbH wurde gegründet, Gesellschafter sind die Nassauische Heimstätte und die Hessische Landgesellschaft.

GmbH übernimmt Vermarktung

Wie Antkowiak bei Verhandlungen in Wiesbaden erfuhr, ist das Kasernengelände angesichts der Vielfalt der Folgenutzungen und der Größe des Geländes eigentlich ein eher untypisches Areal für das BOL-Programm. Es bedurfte weiterer Abstimmungsgespräche zwischen der BOH GmbH und Wiesbaden, bevor das zuständige Umweltministerium doch noch die Zusage gab: Die Entwicklung der Kaserne über die BOH werde von Wiesbaden »ausdrücklich unterstützt«, berichtete der Bürgermeister. Das bringt Vorteile für die Stadt mit sich. Wird Friedberg in das Programm aufgenommen, wird die Kreisstadt Gesellschafterin der BOH. Diese erwirbt dann die Flächen, führt die Baulandentwicklung durch und bietet die baureifen Grundstücke am Markt an.

Stimmt das Stadtparlament zu – wovon auszugehen ist –, erstellt die BOH GmbH in einem ersten Schritt eine Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie. Kosten für Friedberg: 8900 Euro. Fällt die Studie positiv aus, kann der zweite Schritt folgen, Stadt und BOH schließen dann einen Entwicklungsvertrag ab. »Dann müssen wir uns nicht mehr alleine um das riesige Areal kümmern«, sagte Antkowiak im Ausschuss für Stadtentwicklung. Florian Uebelacker (Grüne) machte den Vorschlag, die Stadtspitze solle sich in Hanau Ratschläge holen. Die dortige Kaserne sei ebenfalls 2007 geräumt worden, teilweise aber schon entwickelt. Wie Antkowiak sagte, hätten er und die Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) sich bereits in dieser Woche mit der Stadtspitze von Hanau zum Erfahrungsaustausch getroffen. »Wir haben das Gelände besichtigt und alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Konversionsmodelle durchgespielt.« Die neue Rathausspitze drückt aufs Tempo, will Ergebnisse sehen. »Jetzt geht’s voran«, versprach Antkowiak den Parlamentariern.

 

Infobox

Initiative für mehr Wohnraum

In Deutschland fehlt es an bezahlbarem Wohnraum, günstige Wohnungen sind rar. Um diese Entwicklung aufzuhalten, hat das Land Hessen die »Bauland Offensive Hessen« (BOH) initiiert. Die Fachleute der BOH GmbH sollen den Kommunen dabei helfen, brachliegende Grundstücke zu mobilisieren. Informationen gibt es im Internet unter www.bauland-offensive-hessen.de. (jw)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos