15. März 2019, 18:57 Uhr

Drohender Brexit gut fürs Bankgeschäft

15. März 2019, 18:57 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Commerzbank – hier die Filiale in Bad Nauheim – hat im Jahr 2018 neue Kunden gewonnen. (Archivfoto: Nici Merz)

18 Filialen in diversen Landkreisen gehören zur Commerzbank Bad Homburg. Diese werden derzeit neu strukturiert. Für die Kunden soll alles übersichtlicher werden. Und die goutieren die Anstrengungen schon jetzt – das belegen die Zahlen.

Die Commerzbank Bad Homburg hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Kunden hinzugewonnen und das verwaltete Vermögen gesteigert. Im Privatkundengeschäft sei die Zahl der Kunden um 3360 auf 173 900 gestiegen. Dafür verantwortlich ist nach Angaben von Andreas Kinnel, Niederlassungsleiter Privat- und Unternehmenskunden, nicht zuletzt das Angebot des kostenlosen Girokontos mit Startguthaben.

Im Kreditgeschäft hätten niedrige Zinsen und die gute wirtschaftliche Lage das Wachstum der 250 Mann starken Niederlassung Bad Homburg angekurbelt. »Wir haben neue Ratenkredite in Höhe von fast 40 Millionen Euro ausgereicht, das ist ein Zuwachs in Höhe von 45 Prozent«, sagt Kinnel.

Die kommen nicht von ungefähr. Ein Großteil stammt aus Umschuldungen von bisherigen Dispo- auf Ratenkredite. Kinnel sagt: »Wir haben unsere Kunden darauf aufmerksam gemacht, dass es, wenn sie einen kurzfristigen Dispokredit zu 8 Prozent Zinsen längerfristig in Anspruch nehmen, sehr teuer wird. Ein längerfristig angelegter Ratenkredit schlägt mit 3 Prozent zu Buche.« Für die Bank hat das den Vorteil, dass sie selbst auch längerfristig kalkulieren kann. Dispokredite können jederzeit abgelöst werden.

Insgesamt habe die Bank im Privatsektor 1,8 Milliarden Euro an Krediten ausgegeben, ein Plus von 10,7 Prozent. Klingt gut, sagt Kinnel, aber: »Bei der Geldanlage verschenken viele Menschen Geld. Sie sparen ihr Geld zu Niedrigzinssätzen, anstatt es anzulegen.« Über 2,1 Milliarden Euro, knapp 18 Prozent mehr als im Vorjahr, liegen bei uns praktisch unverzinst auf Konten.« Umgerechnet auf die 173 900 Kunden verlören, bei einer Inflationsrate von etwa 2 Prozent, dieselben jedes Jahr 42 Millionen – und das mache rund 240 Euro pro Kunde und Jahr. Kinnel rät deswegen dazu, es wie die vermögenden Kunden im »Wealth Management« zu machen und mehr in Wertpapiere zu investieren. Die Commerzbank betreut in ihrem Bereich 4800 Kundenverbünde. Das darin bearbeitete Kapital stieg um 72 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro.

Die Commerzbank betreue ein Privatkundenvermögen in Höhe von 6,06 Milliarden Euro. Das auch angesichts des Brexits – bei Aktienkäufen von britischen Unternehmen, die nicht international tätig sind, sind Profis derzeit eher vorsichtig – zu sichern, hat sich nicht nur Kinnel im Privatkundensektor, sondern auch Stefan Nodewald, Niederlassungsleiter Firmenkunden von der Mittelstandsbank, die Firmenkunden ab einem Umsatz von 15 Millionen Euro betreut, auf die Fahne geschrieben. »Für uns gilt es nicht nur, Währungsschwankungen abzusichern, sondern natürlich auch den Blick auf Im- und Export zu haben. Viele unserer Kunden räumen momentan ihre Lager in Großbritannien und bringen die Ware aufs europäische Festland, weil sie nicht wissen, ob sie nach dem 29. März nicht mit Zöllen belegt werden«, sagt Nodewald. Fürs Bankgeschäft wirkt sich das jedenfalls positiv aus. Im Außenhandelsgeschäft konnte die Commerzbank in der Region im vergangenen Jahr knapp 200 Exportabsicherungen in Höhe von 109 Millionen Euro ausreichen.

Rechnung trägt das Unternehmen auch der Volatilität der Märkte – und deren Auswirkungen auf die Unternehmen. Seit Neuestem bietet es »Pay-per-use«-Kredite an. Das heißt, die Unternehmen bezahlen das Darlehen für eine Maschine sozusagen nur analog der Inbetriebnahme derselben. Nodewald: »Steht die Maschine still, ruht zumindest ein Teil der Rückzahlung.« Insgesamt konnte die Bad Homburger Niederlassung das Kreditvolumen für Firmenkunden um 31 Prozent auf 500 Millionen Euro steigern.



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