Eigentlich steht der 25-jährige Friedberger Kevin M. (Name geändert, Red. ) »nur« wegen einfacher Körperverletzung und Bedrohung vor Gericht. Doch bei ihm geht es um mehr, nämlich um die Einlieferung in eine psychiatrische Anstalt. Deshalb wird sein Fall auch vor der Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verhandelt und nicht vor dem Amtsgericht in Friedberg.

Angeklagt ist der schon sehr häufig straffällig gewordene junge Mann, weil er seine Freundin Chantalle F. am 14. Januar 2017 zuerst heftig verprügelt, danach ein Messer geholt und ihr mit den Worten gedroht haben: »Dich steche ich ab, du alte Sau.« Dabei soll er mit dem Messer siebenmal auf das Bett eingestochen haben, um ihr so die Gefährlichkeit seiner Drohung vorzuführen.

Am 24. Mai 2017 soll er Chantalle F. dann erneut geschlagen haben. Diesmal allerdings so heftig, dass das Jochbein der Frau anschließend zwei Bruchstellen aufwies und die Ärzte auch im Gesicht der Freundin deutliche Spuren seiner Gewaltanwendungen dokumentierten.

Und das alles trotz einer gerichtlichen Verfügung, die ihm die Annäherung an die Wohnung der Freundin auf 50 Meter untersagte. Am ersten Verhandlungstag wollte sich der Angeklagte, der zurzeit eine Gefängnisstrafe wegen Drogenbesitzes und Gewaltanwendung absitzt, nicht äußern. Der Vorsitzende Richter Holtzmann verlas daraufhin den Lebensweg des Angeklagten aus einem vorausgegangenen Urteil des Gießener Landgerichts. Danach soll der Angeklagte, wie Holtzmann ausführte, schon recht früh mit Drogen und Alkohol in Kontakt gekommen sein, nämlich bereits im Alter von 13 Jahren.

Zu diesem Zeitpunkt brach die Ehe seiner Eltern auseinander und er erfuhr, dass sein Vater gar nicht sein Erzeuger war. Das muss den Angeklagten aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht haben, er kam im Unterricht nicht mehr mit. Schließlich verließ Kevin M. die Schule nach der neunten Klasse ohne Abschluss; zuvor hatte er wegen dauernder Gewaltanwendungen mehrfach die Schule wechseln müssen.

Weil sich auch seine Mutter, bei der er aufwuchs, als überfordert erklärte und das Jungendamt zur Hilfe rief, wurde er Ende 2010 in einem geschlossenen Jugendheim untergebracht. 2011 landete zum ersten Mal im Jugendarrest in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg.

Auch dort gelang ihm weder der Schulabschluss noch eine Lehre als Maurer. Nach Absitzen seiner Strafe zog er wieder zu seiner Mutter. Doch die Abwärtsspirale hielt an. Täglich Marihuana und Alkohol, am Wochenende schon mal ein ganzer Kasten Bier pro Tag, und das alles ohne Zukunftsperspektive. Nach der erneuten Gewaltanwendung, dieses Mal an seiner Freundin Chantalle F., muss das Gericht nun über seine dauerhafte Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus entscheiden.

Paranoide Störungen

Bei dem Angeklagten liegen erhebliche Beeinträchtigungen aufgrund paranoider Störungen und starken Drogenkonsums vor, so Staatsanwalt Spieler in seiner Anklage. Deshalb seien von ihm weiterhin erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten.

Der erste Verhandlungstag war im Übrigen geprägt von juristischen Scharmützeln. So begehrte der Verteidiger die Aussetzung der Verhandlung, da er nicht über die Zusammensetzung des Gerichts informiert worden sei. Grund ist ein längerer Auslandsaufenthalt eines Schöffen, der nun durch eine Vertretung ersetzt wurde. Der Verteidiger vermutete zunächst Willkür.

Da auch einige Zeugen unentschuldigt nicht erschienen waren, wurde die Verhandlung zunächst unterbrochen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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