12. Juni 2017, 11:00 Uhr

Nach Überfall

Drogen-Check und Arbeitsstunden

Wegen Schulden im Bereich von 70 bis 500 Euro haben drei junge Männer im Januar eine Spielothek in Nidda überfallen, ein weiterer hat ihnen geholfen. Jetzt gab es die Quittung.
12. Juni 2017, 11:00 Uhr
(Symbolfoto: dpa)

Auf die beiden 19-jährigen Angeklagten kommt wegen räuberischer Erpressung in einem besonders schweren Fall eine Jugendstrafe von 18 Monaten zu, die für eine zweijährige Bewährungszeit ausgesetzt wird. Zudem müssen beide eine Drogenberatung aufsuchen und über ein Jahr hinweg vier bis sechs Drogenscreenings auf eigene Kosten absolvieren. Hinzu kommen jeweils 200 gemeinnützige Arbeitsstunden, die sie in den nächsten Monaten noch neben ihren laufenden Berufsausbildungen absolvieren müssen.

Der 18-Jährige, der sich lediglich der Beihilfe schuldig gemacht hat, kommt mit einer Verwarnung und 150 Arbeitsstunden davon. »Ein Arrest ist nach Meinung des Gerichts hier nicht notwendig – die gemeinnützigen Arbeitsstunden sollten hier einen besseren erzieherischen Nutzen haben«, erklärte Richter Andreas Wellenkötter.

Mit Äxten, Pfefferspray und einem Hammer bewaffnet, hatten drei der vier Angeklagten am 13. Januar eine Spielhalle in Nidda betreten. Sie wollten eine Angestellte dazu bringen, ihnen das Geld aus der Kasse zu geben. Doch die Frau erkannte die drei Männer und nahm den Überfall zuerst nicht ganz ernst. Bis der damals 15-jährige Haupttäter mit einer Axt auf einen Tisch schlug. Das Motiv für den Überfall war nach Ansicht des Gericht reine Geldgier. »Hätten sie nur auf ihren Drogenkonsum verzichtet, hätten sie das Geld für ihre Schulden locker aufbringen können«, sagte Staatsanwalt Mike Hahn.

Die vier Männer wollten 3000 bis 4000 Euro erbeuten – letztlich mussten sie sich mit 1300 Euro zufrieden geben. Der 18-Jährige hatte kurz vor der Tat anscheinend einen Sinneswandel und gab gegenüber den anderen drei Tätern an, das Haus nicht mehr verlassen zu können, da sein Vater wachgeworden sei. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, seinen Kameraden eine Dose Pfefferspray aus dem Fenster zuzuwerfen. Bei allen drei Angeklagten waren sich die Prozessbeteiligten einig, dass sie nach dem Jugendrecht zu verurteilen seien. Deshalb stand bei der Urteilsfindung vor allem der erzieherische Nutzen im Vordergrund. »Aber trotzdem ist klar, dass hier durchaus eine kriminelle Energie zu erkennen ist. Die Tat war im Vorfeld sehr ausführlich geplant worden, sogar ordentlicher als man es bei Erwachsenen sieht«, sagte der Richter. Alle drei Angeklagten sowie die Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an und erklärten ihren Verzicht auf weitere Rechtsmittel.

Das Urteil gegen den damals 15-jährigen Hauptangeklagten steht derweil noch aus. Ein medizinisches Gutachten soll erst Auskunft darüber geben, in wie weit der heute 16 Jahre alte Angeklagte schuldfähig ist. Gegen ihn laufen noch mehrere andere Verfahren, etwa wegen Körperverletzung. Die weitere Verhandlung wird in Anbetracht des Alters des Angeklagten in nicht öffentlichen Sitzungen erfolgen.

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