28. November 2018, 20:21 Uhr

Drei Religionen – ein Herd

28. November 2018, 20:21 Uhr
Hier wird eine christliche Spezialität zubereitet: Es gibt Gänsekeulen mit Rotkraut und Klößen. Die Teilnehmer haben aber auch jüdische und muslimische Gerichte kreiert.

. Verteilt auf drei Abende kamen Mitglieder der jüdischen, muslimischen und christlichen Gemeinden der Wetterau zusammen, um miteinander traditionelles Essen zu kochen und zu teilen. Das Mütter- und Familienzentrum (Müfaz) und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GcjZ) mit Sitz in Bad Nauheim haben gemeinsam das Kochen veranstaltet.

Jerusalem ist das religiöse Zentrum aller drei monotheistischen Religionen, die darüber hinaus auch durch die gemeinsame Geschichte miteinander verbunden sind. Diese Geschichte ist geprägt von Feindschaft und Dialog. Bis heute sind Prozesse der Entfremdung und der Feindschaft prägend, viele Vorurteile stehen immer noch der notwendigen Begegnung im Weg. Dabei ist sie viel einfacher zu organisieren, als man denkt.

Ein Beispiel für gelungenes Miteinander ist das gemeinsame Kochprojekt. In der Freien Waldorfschule Bad Nauheim konnten die über 20 Teilnehmer ihr Wissen und ihr Können miteinander teilen. Die erste Runde übernahmen die Vertreterinnen der jüdischen Gemeinde. Sie begeisterten mit Vorschmack (Hering mit Äpfeln und Eiern), Hühnersuppe, Gefilte Fisch und Matze an Karamell und Schokolade. Matze sind schon biblisch im Zusammenhang mit dem Auszug des damaligen Volkes Israel aus Ägypten belegt und werden heute während des Pessach-Festes gegessen.

Suppe von der Arche Noah

Nicht weniger schmackhaft und interessant waren die türkisch-muslimischen Mini-Nudeln (Manti), gefüllte und überbackene Auberginen mit Gemüse (Karniyarik) und die Asure-Suppe zum Nachtisch, die auch Noahs Süßspeise genannt wird. Noah, der in den Schriften aller drei Religionen eine wichtige Rolle spielt, hat der Legende nach am Ende seiner Reise mit der Arche aus den übrig gebliebenen Vorräten eine schmackhafte, süße und sehr gehaltvolle Suppe gekocht. Sie besteht aus Rosinen und verschiedenen Nüssen.

Zum Abschluss gab es ein »christliches« Menu mit einer Brotsuppe zum Auftakt, gefolgt von Martins-Gänsekeulen mit Rotkraut und Klößen, abgerundet mit Stollen-Konfekt. Auch dieses Essen ist voller Symbolik: Brot als zentrales Lebensmittel und eine Zutat im Abendmahl ist weltweit verbreitet und dient auch als Fastenspeise. Gänsekeulen erinnern an St. Martin, der als Soldat den Mantel mit den Armen teilte. Der Christstollen erinnert an das Jesus-Kind in der Krippe.

Die Zubereitung der Speisen zog sich jeweils über mehrere Stunden – ausreichend Zeit für Gespräche über Gott und die Welt, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Einig war man sich in dem Bemühen, sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einzusetzen. Die Veranstalter planen bereits die nächste Runde für das kommende Jahr. Text und Foto: Dr. Peter Noss

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