03. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Nachfolger gesucht

Drei Kandidaten für den Posten des Ersten Stadtrats

Wer wird Erster Stadtrat von Friedberg? Oder wird es die erste Erste Stadträtin geben? Die Parteien halten sich derzeit noch bedeckt, doch es gibt bereits drei Kandidaten.
03. Dezember 2017, 12:00 Uhr
Zimmer frei: Bürgermeister Keller zieht aus. Das große Elvis-Foto wandert in die Stadthalle, das seltenste Gastgeschenk ist im Wetterau-Museum aufbewahrt: ein gerahmtes Stück Marmor aus dem Palast von Saddam Hussein, das die Einheit von General Tucker aus dem Irak-Krieg mitbrachte. Wer in das Büro einzieht, steht noch nicht fest. (Foto: Schuchardt)

Während des Bürgermeister-Wahlkampfs stand für viele Beobachter fest: Gewinnt der Erste Stadtrat Dirk Antkowiak (CDU), rückt für ihn Markus Fenske (Grüne) nach. Antkowiak war im Februar mit Stimmen von CDU, Grünen und der Linken gewählt worden, das könnte sich nun in anderer Konstellation wiederholen, die CDU würde sich schon revanchieren.

Diese Einschätzung wurde genährt durch die Tatsache, dass Fenske im Wahlkampf, wie Spötter sagten, »mehr am CDU-Stand gesichtet wurde als am eigenen«. Dass Antkowiak und Fenske gut miteinander können, ist bekannt. Aber was, wenn die CDU einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt? Dann könnte Fenske schon nach dem ersten Wahlgang raus aus der Nummer sein. Das rennen würden dann wohl die Kandidaten von CDU und SPD unter sich ausmachen.

Doch Halt! Ein Bürgermeister und ein Erster Stadtrat, die beide von der CDU kommen? Antkowiak hatte im Wahlkampf gegenüber der Presse gesagt, dass dies nicht seine Wunschkonstellation sei. Als Bürgermeisterkandidat musste er sich Partei-intern gegen den Rechtsanwalt und Fraktions-Vize Patrick Stoll durchsetzen. Stoll, so wird in Friedberg kolportiert, wolle nun eben für den Stadtrats-Posten kandidieren. »Darüber haben wir noch nicht geredet«, sagt CDU-Vorsitzender Bernd Wagner. »Wir hatten erst die Bürgermeisterwahl, momentan legen wir eine schöpferische Pause ein. Mitte Januar werden wir uns mit dieser Frage beschäftigen.« Stoll sagt, er überlege zu kandidieren. »Wir sind die stärkste Fraktion im Stadtparlament. Da liegt es nahe, einen Kandidaten aufzustellen.« Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

SPD setzt auf Marion Götz

Das sagt auch Fenske. »Es gab noch keine Mitgliederversammlung bei den Grünen.« Er schließe eine Kandidatur nicht aus. Für Fenske wäre es nach der Stadtratswahl im Februar und der Bürgermeisterwahl im September die dritte innerhalb eines Jahres. Ob er erneut kandidiert, hänge auch davon ab, »wer sonst noch antritt«.

Die Entscheidung muss gut überlegt sein, denn die SPD – so meldet es der Buschfunk – will ihre Fraktionsvorsitzende Marion Götz ins Rennen schicken. Das ist eine Überraschung. Götz gilt parteiübergreifend als exzellente Fachfrau. Als Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses hat sie schon manch verfahrene Debatte in die richtige Richtung gelenkt. Als Hauptamtsleiterin der Stadt Raunheim hat sie in den letzten vier Jahren mit 13 anderen Städten und Gemeinden im Kreis Groß-Gerau federführend ein hessenweites einmaliges Projekt zur Interkommunalen Zusammenarbeit entwickelt.

Wahl schon im Februar?

Dieses IKZ war laut Götz einer der Gründe, weshalb sie nicht für eine Bürgermeisterkandidatur bereitstand. »Jetzt, nach der Aufbauarbeit, trägt das Projekt erste Früchte.« Außerdem habe das Bürgermeisteramt einen Schwerpunkt auf repräsentative Aufgaben. »Das ist nicht mein Ding. Ich bin eher die Facharbeiterin im Hintergrund, entwickele Konzepte und kümmere mich darum, dass sie laufen.« Zu einer möglichen Kandidatur sagt Götz nichts. Auch SPD-Vorsitzender Benni Ster übt sich im Dichthalten: »Nach der Stadtverordnetensitzung werden wir uns mit dem Thema beschäftigen.«

Die FDP hat für die Sitzung des Stadtparlaments am 7. Dezember einen Antrag auf Einrichtung eines Wahlvorbereitungsausschusses gestellt. »Wir wollen möglichst schon im Februar wählen«, sagt FDP-Vorsitzender Achim Güssgen-Ackva. Man werde diesmal keinen eigenen Kandidaten aufstellen: »Wir wollen, dass die beste Person das Amt übernimmt.«

Auch die UWG habe sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt, sagt Friedrich-Wilhelm Durchdewald. Wie beim letzten Mal werde es keinen Fraktionszwang geben. Ob man einen eigenen Kandidaten aufstelle, sei noch nicht entschieden. Das gilt auch für die Linke. Sven Weiberg: »Ich kann mir vorstellen, dass wir einen Kandidaten haben.« Da die CDU den Bürgermeister stelle, sei es unwahrscheinlich, dass die Linke im zweiten oder dritten Wahlgang einen CDU-Kandidaten unterstütze. »Der Rest ist offen.«

 

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Vorsicht vor Stadtratswahlen!

Stadtratswahlen in Friedberg haben es in sich. Schon Michael Keller musste bei seiner zweiten Wahl zum Ersten Stadtrat 2003 zittern, war auf Stimmen aus dem CDU-FDP-Lager angewiesen. Als die CDU 2006 Dr. Hermann Hoffmann für den Stadtratsposten nominierte, wählte die Opposition das CDU-Mitglied Peter Ziebarth. Dieser setzte sich 2011 gegen Horst Weitzel (Grüne) durch, obwohl dieser eine rechnerische Mehrheit hinter sich hatte. »Die Wahl von Dirk Antkowiak war die erste, die funktioniert hat«, sagt CDU-Vorsitzender Bernd Wagner und erinnert an die Wahl des Keller-Vorgängers Gerhard Mosbach (SPD). Die Wahl musste im Juli 1985 auf Wunsch der CDU wiederholt werden, um »einen angeblichen Formfehler zu verhindern«, wie die WZ schrieb. Wir lernen: Stadtratswahlen in Friedberg gehen meistens nicht so aus, wie man vorher annimmt. (jw)

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