26. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Kein Nachfolger

Dr. Georg Rumbaur hört auf: Germania-Apotheke schließt

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Dr. Georg Rumbaur. Am 30. November schließt er die Germania-Apotheke in Dorheim, einen Nachfolger gibt es nicht.
26. Oktober 2018, 05:00 Uhr
»Es war eine schöne Zeit«: Nach fast vier Jahrzehnten schließt Dr. Georg Rumbaur seine Germania-Apotheke in der Ortsdurchfahrt von Dorheim. (Foto: Nici Merz)

In Dorheim ist Dr. Georg Rumbaur eine Institution. Fast vier Jahrzehnte lang versorgte er die Bürger des Friedberger Stadtteils mit Medikamenten, war Ansprechpartner in medizinischen Fragen und immer gut für ein nettes Gespräch. Nicht selten wurde er auch um ärztlichen Rat gefragt, was er stets zurückwies. »Ich bin ja kein Arzt«, sagt Rumbaur. Den Dorheimern wird er trotzdem fehlen. »Mit 75 muss auch mal Schluss sein.« Einen Nachfolger, der die von ihm gegründete Germania-Apotheke in der Wetteraustraße übernimmt, hat er nicht gefunden.

Als Rumbaur 1979 das verwinkelte Ladengeschäft des ehemaligen Edeka-Markts in der Dorheimer Ortsdurchfahrt übernahm und im Januar 1980 öffnete, galten Apotheken noch als »Altersversorgung«. Rumbaur hatte bei einer Beraterfirma eine Analyse über die Kaufkraft in Auftrag gegeben. Die Umsätze waren dann sogar wesentlich höher als erwartet, das Geschäft lief viele Jahre lang sehr gut.

 

Umgehung kein großes Problem

Dann kamen die nicht mehr ganz so fetten Jahre. Eine der beiden Hausarztpraxen in Dorheim schloss und wurde von der Kassenärztlichen Vereinigung nach Bad Nauheim verlegt. Wer dort zum Arzt geht, holt auch um die Ecke seine Medikamente. Rumbaur bekam das zu spüren.

Der Bau der Ortsumgehung, in dessen Folge Dorheimer Geschäfte schließen mussten, habe sich nicht ganz so negativ auf das Geschäft ausgewirkt wie befürchtet. Was den rund 20 000 Apotheken in Deutschland freilich zu schaffen macht, sind Internet-Apotheken. Rumbaur: »Die dürfen nicht alle Medikamente verkaufen, fertigen keine Rezepturen an und zahlen keine Gewerbesteuern.« Sie gewähren den Kunden – wenn sie aus dem Ausland operieren – Rabatte, die in Deutschland nicht möglich sind, und sorgen so bei den niedergelassenen Apothekern für hohe Umsatzeinbrüche.

 

Kein Notdienst im Internet

Die Kunden scheint das nicht zu kümmern. »Eine Frau kam in den Notdienst und erzählte ungeniert, sie bestelle sonst im Internet, jetzt brauche sie das Medikament aber dringend.« Internet-Apotheken bieten auch keinen Notdienst an.

Einen Nachfolger zu finden, hat auch deshalb nicht geklappt, weil dieser einen Rollstuhl-Lift an das alte Fachwerkhaus hätte anbauen müssen. »Der behindertengerechte Zugang fehlt«, sagt Rumbaur. Er behalf sich mit einer Klingel, seine zuletzt zwei Mitarbeiter und er gingen eben raus zu den Kunden auf die Straße. Auch fehlten ein vom Laden abgetrennter Beratungsraum und eine moderne Klimaanlage. Rumbaur: »Das wäre ein riesiger Aufwand gewesen und hätte sich nicht gerechnet.« Seine Mitarbeiterinnen haben einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

 

Promotion beim »Pharmazie-Papst«

Fast wäre Rumbaur Journalist geworden. Oder Arzt. Journalisten waren sein Vater und sein Bruder, als Student hat er als freier Autor von Gerichtsverhandlungen berichtet. Ihn lockte aber die Medizin. Doch das Studium war wesentlich teurer als das der Pharmazie, wo junge Menschen sich nebenbei etwas verdienen können. Als er den Berufswunsch dem Vater erzählte, sagte der: »Was? Du willst ein Provisorchen mit geringem Verdienst werden?« So gering war er dann gar nicht, zumindest bis zum Internetzeitalter.

An der Uni Marburg promovierte Rumbaur beim »Pharmazie-Papst« Prof. Horst Böhme, dem Herausgeber des »Deutschen Arzneibuchs« und lernte seine Frau kennen. Er arbeitete in deren Apotheke in Hanau, bevor er sich in Dorheim selbstständig machte. Was er vermissen wird? Den Kontakt mit den Kunden, sagt Rumbaur. Sorgen, es könne ihm langweilig werden, hat er keine. Oft ist er mit Freunden oder der Familie in Italien am Lago Maggiore. Und in seinem Garten in Wisselsheim wartet jede Menge Arbeit.

Info

Neuer Medikamentendienst

»Die Schließung der Germania-Apotheke in Dorheim nach fast 40 Jahren ist ein sehr bedauerlicher Einschnitt für die Arzneimittelversorgung im Ort«, sagt Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD). Die persönlichen Beweggründe des 75-jährigen Apothekers seien allerdings nachvollziehbar. Rack: »Bemühungen um den unmittelbaren Fortbestand des Apothekenbetriebs in Dorheim waren vergeblich.« Die angestrebte Übereinkunft von Dr. Rumbaur mit dem Apotheker Kai-Uwe Wenke (Apotheke am Bahnhof in Friedberg) – zweimal pro Woche Abholung von Rezepten in der örtlichen Arztpraxis (nach vorliegender Zustimmung der Patienten) und dann ebenfalls zweimal wöchentliche Auslieferung von Medikamenten frei Haus – sei unter den sich abzeichnenden Bedingungen ab dem 1. Dezember »noch eine brauchbare und für die Ortsbewohner sinnmachende Lösung«, sagt der Ortsvorsteher. »Die Alternative wäre das direkte Beenden der langjährigen unmittelbaren Medikamentenversorgung in Dorheim gewesen.« (jw)

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