18. Oktober 2019, 20:47 Uhr

Dörfer vor Wehrmacht gerettet

18. Oktober 2019, 20:47 Uhr
Die CDU-Delegation am Grab von Albert Rausch, bekannt als Henry Benrath. (pm)

Kürzlich jährte sich zum 70. Mal der Todestag von Albert Heinrich Rausch, genannt Henry Benrath. Das nahm die CDU mit ihrem Vorsitzenden Bernd Wagner, Bürgermeister Dirk Antkowiak und Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender an der Spitze zum Anlass, sein Grab auf dem Friedberger Hauptfriedhof zu besuchen und Steinfurther Rosen niederzulegen. Die habe er besonders geliebt, heißt es.

Geboren wurde Rausch am 5. Mai 1882 in Friedberg, er starb am 11. Oktober 1949 in Magreglio/Italien. Nach dem Abitur an der Augustinerschule im Jahr 1900 studierte er in Gießen, Berlin, Genf und Paris. Nach gescheiterter Dissertation kam Rausch in Kontakt mit dem Lyriker Stefan George, der seine Schriftstellerei förderte. Seine Versdichtungen und Romane lenkten den Blick der Staatsregierung in Darmstadt auf Rausch, die ihn 1932 »in Würdigung seines wahrhaft dichterischen, Heimat und Ferne lebendig vereinenden Werkes« mit dem Georg-Büchner-Preis auszeichnete.

»Antidemokratische Werte«

Seine antidemokratischen, antimodernistischen Wertvorstellungen, so ist es in den Wetterauer Geschichtsblättern aus dem Jahr 2002 beschrieben, hätten Rausch zu einem vielgelesenen Schriftsteller im Dritten Reich werden lassen, der seine Sympathien für die NS-Ideologie an seinem Lebensende zu leugnen versucht habe.

Seit der Büchner-Preisverleihung nahm Rausch den Künstlernamen Henry Benrath an - nach Schloss Benrath bei Düsseldorf. In dieser von ihm geschaffenen Kunstfigur eines materiell unabhängigen und selbstbestimmten Schriftstellers habe Rausch ausgelebt, was ihm zeitlebens versagt geblieben sei. 1938 emigrierte Rausch endgültig aus Deutschland, zunächst nach Paris, dann in die Schweiz und schließlich nach Italien an die Ligurische Küste. 1943 zog er in das damals kaum 300 Einwohner zählende Magreglio hoch über dem Comer See. Hier bewahrte Rausch durch sein Einschreiten die Bergdörfer Magreglio, Barni, Civenna und Oliveto Lario vor der Vernichtung durch die Wehrmacht. Noch heute wird er dort als »Ikone des Widerstands« geehrt. Städtepartnerschaft und Freundschaftsverträge beruhen auf dieser Tat. Die näheren Umstände sind allerdings nicht bekannt.

In Friedberg wurde 1952 an seinem Geburtshaus auf der Kaiserstraße 41 eine Gedenktafel angebracht. Zu Ehren Henry Benraths bekam die ehemalige Gesamtschule den Namen »Henry-Benrath-Schule« und auch eine Straße wurde nach ihm benannt.

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