12. April 2018, 20:00 Uhr

Disko-Serie

Disko-Serie: Geile Zeiten im »Central« in Friedberg

Viele Discotheken sind geschlossen, doch das »Central Studio« in Friedberg, einst eine der ersten Party-Adressen in Hessen, besteht weiter, dank eines neuen Konzepts.
12. April 2018, 20:00 Uhr
Bei der Ü 30-Disco im »Central-Studio« in der Friedberger Wolfengasse wird auch heute noch eifrig getanzt und geschwoft. (Foto: Chuc)

Wetterauer Diskos

In den 70er und 80er boomten Diskotheken. Viele der legendären Tanztempel gibt es längst nicht mehr. In unserer Serie öffnen wir noch einmal die Türen.

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Am Eröffnungsabend ging es gesittet zu. »Die Teenager in Lederkostümen, Samtkleidern und Mozartblusen fielen nicht in hysterische Verzückung«, beruhigte die WZ am 22. Februar 1968 ihre Leser. Aber das Publikum feuerte seinen Star an, den Friedberger Sänger Uwe Reuß alias Johnny Tame. Als später dessen musikalischer Partner Peter Maffay zu Gast war, standen die Fans in einer langen Schlange bis zur Kaiserstraße.

Viele Stars spielten im »Central«, von Jürgen Drews über Percy Sledge bis zu den Silverconventions. Doch Live-Auftritte sind nicht das, was eine Disco ausmacht. Der DJ, sorgt dafür, dass der Laden läuft. »Ich habe mir die Musik bei AFN und der Schlagerbörse des HR abgehört«, erzählt Werner »Acki« Ackermann. Der 70-jährige Nieder-Mörler legte Soul von James Brown und Aretha Franklin auf, anfangs nur in den Pausen der Livebands auf, später gab es reine DJ-Tage.

Kamen zu viele US-Soldaten, legte »Acki« deutsche Schlager auf. »La Paloma« schlug die GIs in die Flucht. DJane Ulla Rösch, die längst zum Inventar des »Central« gehört, hat keine schlechten Erfahrungen mit US-Soldaten gemacht. »Die konnten gut tanzen.« Darauf standen die deutschen Mädchen. Schlägereien? Klar gab es die. Aber das mache das »Central« nicht aus. Eher schon die Völkerverständigung. »Hier haben sich Deutsche und Amerikaner kennen gelernt.«

 

Die erste Adresse in Hessen

Das »Central« war nicht die erste Disco in Hessen. »Aber es war die erste Adresse unter den Discos«, sagt Ernst Janik. Er übernahm das »Central« 1996 von Christine Niethammer, führt es mit seiner Frau Carmen bis heute. In Bad Vilbel betrieb er damals das nicht minder legendäre »Fillwood«.

Wir nennen keine Namen, aber fragen Sie nicht, wer dort oben alles geknutscht hat

Ernst Janik

Oft hören die Janiks den Satz: »Das hat sich gar nicht verändert hier!« Doch, doch, mehrmals wurde renoviert. Aber die Atmosphäre ist die geblieben, die ellipsenförmige Bar, die glänzende Tanzfläche und die Galerie auch. »Wir nennen keine Namen, aber fragen Sie nicht, wer dort oben alles geknutscht hat.«

In den Neunzigerjahren war das »Central« eine HipHop-Kultdisco. »Da standen dicke Autos vor der Tür.« In der »Manhattan-Bar« über dem Foyer gab es Hamburger. Heute ist die Bar »der schönste Raucherraum der Welt«, sagt Carmen Janik. Früher kamen die Gäste von weit her. Das »Central« war fünf Tage die Woche geöffnet, der Laden brummte. Die legendäre Garderobiere Frau Hansel, die noch mit über 80 Jacken und Mäntel auf- und abhing, hatte viel zu tun.

Als Discobetreiber denkt man nicht ans Gestern, man plant das Morgen. Als die US-Armee abzog, änderten die Janiks ihr Konzept. Seither bieten sie einmal im Monat eine Ü 30-Disco an, vermieten die Räume für private Feiern, engagieren Bands (legendär ist der »Christmas-Swing« der Marvin-Dorfler-Big-Band). Es gab eine Kinderdisco mit der Ovag, es gab Quiz-Abende, Faschingsfeiern mit Spaghetti-Wettessen und die legendären und von manchen Nachbarn regelrecht gefürchteten Abi-Partys des Burggymnasiums. »Als die Abiturienten immer jünger wurden, haben wir das aufgegeben. Der Jugendschutz ist uns wichtig«, sagt Carmen Janik. »Flatrate-Partys mit Alkohol für einen Euro haben wir nie mitgemacht.«

 

Ü 30-Disco, Kino und mehr

Schlägereien? Habe es in den letzten zehn Jahre keine gegeben. Außer es streiten sich zwei Frauen um einen Mann und es setzt eine Ohrfeige. Alles schon vorgekommen. Vor ein paar Jahren wollten die Janiks das Haus verkaufen. Das hat sich zerschlagen, zur Freude der Gäste.

Hier ist oft was los, nur kriegt man das von Außen nicht mit

Carmen Janik

»Wo soll man auch sonst in Friedberg feiern?«, fragt ein 50-Jähriger bei der jüngsten Ü 30-Party. DJane Ulla hat »Ich wünsch’ dir noch ’n geiles Leben« von Glasperlenspiel aufgelegt, die Tanzfläche füllt sich, die Stimmung ist gut. Wie lange es das »Central« noch geben wird? »Solange Gäste kommen«, sagt Carmen Janik. Das neue Konzept funktioniere. »Hier ist oft was los, nur kriegt man das von Außen nicht mit.«

Seit kurzem läuft im »Central« auch die Kunstfilm-Reihe des Bildungsforums. »Damit schließt sich ein Kreis«, sagt Ernst Janik. Denn vor dem Umbau zur Disco war das »Central« ein Kino. Und der Großvater von DJane Ulla war der Filmvorführer.

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