02. März 2017, 14:00 Uhr

Mietwohnungen

Dieselstraße: Wobau lässt sich Zeit

In der Bad Nauheimer Kernstadt wird Wohnraum benötigt. In der Dieselstraße sollte 2016 mit dem Bau von 55 Einheiten der Wobau begonnen werden, doch bislang sind keine Aktivitäten zu erkennen.
02. März 2017, 14:00 Uhr
Werkstätten weichen: Wo Vergölst einst Fahrzeuge gewartet hat, wird die Wobau ab 2018 Mietwohnraum schaffen. (Fotos: Nici Merz)

Größere Wohnungsbauprojekte hat die Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) in den letzten Jahren kaum realisiert. Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit lag auf der Modernisierung des Bestands, der bei gut 1250 Wohnungen liegt. Zwischen 2004 und 2013 wurden rund 15 Millionen Euro bereitgestellt, in erster Linie für die energetische Sanierung der Gebäude. Angesichts des Drucks, der auf dem Wohnungsmarkt lastet, und der langen Warteliste möchte die Gesellschaft jetzt auch in Sachen Neubau aktiv werden. Seit geraumer Zeit liegen die Pläne für 55 neue Einheiten auf dem Tisch, die auf dem Gelände der ehemaligen Vergölst-Autoservice-Niederlassung in der Dieselstraße entstehen sollen. Seit Ende 2015 liegt Baurecht vor, im Jahr darauf sollte der Startschuss fallen, doch bislang hat sich nichts getan. »Die Klärung einiger Planungsdetails hat etwas länger gedauert als vorgesehen. Das gilt vor allem für den Lärmschutz«, begründet Armin Häuser, der als Bürgermeister dem Wobau-Aufsichtsrat vorsitzt, die Verzögerung. Schließlich liegt das 6300-Quadratmeter-Grundstück in der Nähe der »kleinen Ortsumgehung« (Am Goldstein) und der Main-Weser-Bahnlinie, wird also von Westen aus zwei Quellen beschallt.

Passiver Lärmschutz durch spezielle Fenster wird laut Häuser ausreichen.

Nach Aussage von Wobau-Geschäftsführer Reimund Bell, der jetzt den Bauantrag eingereicht hat, sollen im Sommer oder Herbst die alten Vergölst-Werkstätten abgerissen werden. Mit dem Baubeginn rechnet er nicht vor 2018, einziehen können die Mieter vermutlich frühestens 2020. In den sieben Mehrfamilienhäusern, die zwei oder drei Stockwerke (jeweils plus Dachgeschoss) haben werden, möchte die Wobau in erster Linie Drei-Zimmer-Wohnungen anbieten. Außerdem sind einige Zwei- und Vier-Zimmer-Einheiten geplant. »Damit decken wir das gesamte Spektrum der Interessenten ab«, sagt Bell. Stellplätze werden in zwei Tiefgaragen geschaffen, die von der Dieselstraße oder der Wisselsheimer Straße aus erreichbar sein sollen.

 

Nichts für Geringverdiener

 

Ob sich Geringverdiener eine der Neubauwohnungen leisten können, darf bezweifelt werden. Auch bezüglich des Mietpreisspektrums haben sich die Verantwortlichen nämlich von ihren ursprünglichen Überlegungen verabschiedet. Ende 2014 war noch von einem Mietpreis die Rede, der um die 7 Euro pro Quadratmeter liegen sollte, jetzt geht der Bürgermeister von 9 bis 9,50 Euro aus. »Die energetischen Standards, die Tiefgaragen und die Vorgaben der Barrierefreiheit, die den Einbau von Aufzügen erfordern, erhöhen die Ausgaben, die irgendwie refinanziert werden müssen«, sagt Häuser. Auf 14 Millionen Euro werden die Baukosten geschätzt. Das Grundstück gehört der Gesellschaft bereits. Bell verweist auf die Durchschnittsmiete in der Kernstadt, die in sanierten Wohnungen bei 8,50 bis 9 Euro pro Quadratmeter liege. Für Neubauten sei ein geringfügig höherer Preis somit durchaus angemessen. Beim gesamten Bestand der Wobau betrage die Durchschnittsmiete etwa 7 Euro.

Das Gewerbegebiet Dieselstraße wird in den kommenden Jahren Stück für Stück sein Erscheinungsbild verändern. Im vorderen Teil (aus Richtung Rödger Weg) werden auch künftig Unternehmen ihren Geschäften nachgehen, weiter hinten wird sich ein Wohngebiet entwickeln. Den ersten Schritt geht die Bad Nauheimer Firma Dexturis, die auf dem ehemaligen Areal der Spedition Kahlert in Nachbarschaft zum Salinen-Gelände, wo ebenfalls gebaut wird, 41 Eigentumswohnungen in sieben Gebäuden errichtet. Die beiden ersten Häuser werden gerade hochgezogen, die alten Kahlert-Immobilien sind plattgemacht worden. Weiterer Wohnraum wird von der Wobau geschaffen. Insgesamt gibt es elf Eigentümer, deren Grundstücke im Geltungsbereich des neuen B-Plans liegen, der mehrgeschossigen Wohnungsbau vorsieht. Wie Kahlert und Vergölst ist die Firma Recht und Krentschker ins Gewerbeband Frankfurter Landstraße umgezogen. Deren altes Gebäude (Dieselstraße 11) wird derzeit allerdings zur Vermietung als Gewerberaum angeboten. Insgesamt sieht der Bebauungsplan 300 neue Wohneinheiten in der Dieselstraße vor.

 

Neue Kita wird geprüft

 

Das mehrgeschossige Bürohaus und die anschließenden Gebäude am Eingang zur Dieselstraße (Hausnummern 1-7) gehören ebenfalls der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Dort hat bislang noch die Inconso AG ihren Sitz, die aber bald in ihren Neubau im Gewerbeband Frankfurter Landstraße wechselt. Die Option, nach dem Inconso-Auszug in der Dieselstraße Flüchtlinge unterzubringen, hat sich nach Aussage von Wobau-Chef Reimund Bell erledigt. 2014 angestellte Überlegungen, die Immobilien abzureißen und auf dem großen Grundstück ebenfalls Mietwohnungen zu schaffen, werden laut Bell auch nicht weiterverfolgt. »In dem mehrgeschossigen Haus bleibt es bei Büros. Wir gehen jetzt daran, einen neuen Mieter zu suchen«, sagt der Geschäftsführer. Im Rathaus werde derzeit die Frage geprüft, ob das anschließende Gebäude als neue Kindertagesstätte genutzt werden soll. Durch die Wohnungsbauaktivitäten, die in der Dieselstraße vonstatten gehen werden, dürfte dafür bald Bedarf bestehen.

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