Wetterau

Diese medizinischen Exportschlager kommen aus Ober-Mörlen

Operieren mit einem elektrischen Skalpell, das zugleich die Blutung stillt. Wunden kleben statt nähen oder klammern. Die Ober-Mörler Firma Meyer-Haake entwickelt Produkte im Schulterschluss mit Ärzten. Das kommt an - vor allem im Ausland.
26. Juli 2019, 11:00 Uhr
Annette Hausmanns
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Im US-Magazin »MedTech Outlook« rangiert die Ober-Mörler Meyer-Haake GmbH Medical Innovations unter den Marktführern in Europa. Zuletzt wurde sie für den Hessischen Exportpreis 2019 nominiert. »Über die Nominierung haben wir uns sehr gefreut, unsere Firma ist klein, aber sehr fein«, lächelt Geschäftsführerin Heike Jordan.

Seit die Badenerin hier tätig ist, baut sie den Handel aus. Rund 80 Prozent des Umsatzes laufen inzwischen über den Export in über 40 Länder weltweit. Drei der aktuell 14 Mitarbeiter sind für die Ausfuhr der medizintechnischen Produkte zuständig. »Wir schlagen ein bisschen Wellen«, erzählt Jordan. Die kleine Firma habe sich so hochgearbeitet, dass sie in einem Atemzug mit Global Playern wie Krupp, Siemens oder SAP genannt werde.

Mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier war Jordan für ihre Firma schon im Iran und Saudi-Arabien, mit Bundespräsident Steinmeier in Singapur und Australien. »Insgesamt führen wir über 300 Produkte«, erzählt die Geschäftsführerin. Große Fachmessen wie die Zdravo Moskau, die Arab Health Dubai oder die Medica Düsseldorf gehören zum Pensum. Die Schwerpunkte liegen bei der Hochfrequenz- und Radiochirurgie, Rauchgasabsaugung, Wundversorgung, Anti-Aging und Kosmetik. »Viele Stunden stehe ich im OP«, erzählt Jordan von der Zusammenarbeit mit Produktanwendern. Expertisen würden vergeben oder Forschungsprojekte, beispielsweise an die Uni Gießen.

Anti-Aging ohne Spritze

Hoch entwickelt sind mittlerweile die Hochfrequenz-Chirurgie-Geräte. Vertrieben wird eine Art elektrisches Skalpell, das gleichzeitig die Blutung stillt und kaum Hämatome hinterlässt. Für mehr Sicherheit im OP wurde eine kompakte Rauchgasabsaugung namens »smokeSTAR« entwickelt. Belegt sei, dass die normale OP-Absaugung und der Mundschutz nicht ausreichten, um vor luftgetragenen Viren, Eiweißen, Bakterien oder Pilzen zu schützen, sagt Jordan.

Nicht weit verbreitet sei das Wissen um die alternative Wundversorgung durch Kleber, berichtet Jordan. Ihr Wundkleber »Epiglu« sei eine anerkannte Alternative zum Nähen oder Klammern auch von langen, flächigen oder unter Spannung stehenden Schnitt-, Platz- und Operationswunden. »Kleben ist hygienisch und spannungsfrei, man kann sofort duschen, es müssen keine Fäden gezogen werden, und Narben geraten deutlich ästhetischer«, weiß Jordan. Selbst in der Zahnmedizin könne gut geklebt werden.

Ohne Spritze und Skalpell komme man bei der Anti-Aging-Behandlung mit Radiowellen aus, erzählt die Geschäftsführerin. »Die Energie der Radiowellen führt zu einer Verkürzung zu lang gewordener Strukturen.« Mit sanfter Wärmeerzeugung und Stimulation in den tieferen Gewebeschichten werde beim »ReFacing« die Neubildung von Collagen und Elastin angeregt. Hämatome, Schwellungen, Verlust der Sinnesreize, Klinikaufenthalt und Arbeitsausfall gehörten der Vergangenheit an. Diese Behandlung schädige die Haut nicht und könne jederzeit wiederholt werden. Eine eigens entwickelte Kosmetiklinie unterstütze nebenwirkungsfrei den natürlichen Prozess, so das Versprechen. »Eine Nische für alle, die Angst vor einer OP oder Spritze haben.«

Aus dem Rahmen fällt auf den ersten Blick die Entwicklung des »Emergency-Loo«. Das handliche Einmal-Urinal für jedermann lässt sich laut Beipackzettel kinderleicht bedienen und kommt beispielsweise in der Pflege, bei längeren Diensteinsätzen oder auf Reisen zum Einsatz. Bis zu 400 Milliliter Urin kann es zu Gel binden. »Das Notfall-WC oder den Wundkleber kann auch der Endverbraucher bei uns oder in der Apotheke erstehen«, sagt Jordan. »Wir lieben, was wir tun, und hoffen, dass wir mit unseren Produkten vielen Menschen helfen können«.

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