28. Oktober 2019, 21:28 Uhr

Diese Musik ergreift die Zuhörer

28. Oktober 2019, 21:28 Uhr
Die Kammerphilharmonie Bad Nauheim unter Leitung von Uwe Krause hat bei der Sinfoniekonzertreihe unter anderem Werke von Dimitri Schostakowitsch und Anton Bruckner gespielt. (Foto: Michael Birlenbach)

. Mit großem, intensivem Ton, beeindruckender Virtuosität und einer schier unglaublichen Expressivität glänzte Peter-Philipp Staemmler mit dem 2. Cellokonzert von Dimitri Schostakowitsch. Im Rahmen der Sinfoniekonzertreihe war unter der Leitung von Uwe Krause die Kammerphilharmonie Bad Nauheim zu hören. Auf dem Programm standen neben dem Cellokonzert Anton Bruckners 4. Sinfonie »Romantische«.

Doch der Reihe nach: Traditionell durch den 1. Vorsitzenden des Fördervereins, Diethard Bauer, begrüßt, führten im Anschluss zwei Schülerinnen der Ernst-Ludwig-Schule, Liv Estelle Ehlert und Ceyda Schmorde, in das Programm ein. Aus einer seit Jahren bestehenden Kooperation zwischen Verein und Schule entstanden, wurden so dem Publikum durch treffende und kurzweilig vorgetragene Erläuterungen zur Entstehungszeit, zum Leben und Werk des Komponisten das Verständnis dieses ungewöhnlich dramatischen Werks nähergebracht.

Eine Sternstunde

Glänzt das 1. Cellokonzert auch durch Heiterkeit, erlebt der Hörer hier bei dem 2. Cellokonzert, teilweise in einem Sanatorium auf der Krim komponiert, eine Tragik, auf die nur noch Schmerz, Resignation und Tod als biografischer Bezug folgen können. Staemmler, Solo-Cellist des HR-Sinfonieorchesters und Gründungsmitglied des Armida-Quartetts, gelang es, das gesamte Drama dieses kantigen Alterswerks künstlerisch zum Ausdruck zu bringen. Doch damit nicht genug: Das Orchester harmonierte in der Interpretation dermaßen mit dem Solisten, dass man von einer musikalischen Sternstunde sprechen mag. Ausdrucksvoll und mit russischer Schwermut musizierte die Kammerphilharmonie Bad Nauheim.

Durch ausgefeilte Rhythmik, beeindruckende Intonation, Extreme der Dynamik und meisterhaft gespielte Soloeinwürfe, besonders der Flöten und Hörner - der Komponist verlangt dem Bläserapparat immer wieder virtuose Hochleistungen ab - konnten so die Schönheit und Kraftfülle des Solocellos noch mehr zum Ausdruck kommen.

Nach der Pause stand, wie bereits erwähnt, Bruckner mit seiner 4. Sinfonie in Es-Dur auf dem Programm. Die »Romantische« als Namensgebung des Komponisten. Ist es der so berühmte Hornruf über einem geheimnisvoll wirkenden Streichertremolo gleich zu Beginn des ersten Satzes, der bildhafte Vergleich des zweiten Themas mit dem Zirpen eines Vogels oder die für die Romantik so typische Chromatik, wie sie auch Richard Wagner, der von Anton Bruckner sehr verehrt wurde, immer wieder einsetzte? In jedem Falle strahlt dieses Werk eine in hohem Maße romantisch klingende Naturmystik aus, obgleich der Sinfonie kein Programm zugrunde liegt. Der Kern dieser Sinfonie ist eine Musik, welche den Hörer unmittelbar ergreift, der man sich, wenn man nicht nur mit Verstand, sondern auch mit Herz hört, einfach nicht entziehen kann. Möglich wurde dies, weil die Kammerphilharmonie das Werk in bewundernswerter Weise interpretierte. Seien es die Klangfarben, wie sie für die Sinfonie der Romantik typisch sind, sei es ein Blechbläserapparat mit 13 Musikern (1. Horn doppelt besetzt, hier also fünf statt vier Hörner), er sorgte allein schon für ein machtvolles Orchesterfortissimo im ersten Satz, der im Pianissimo begann, seien es im zweiten Satz die Celli, die das erste Thema im großen Jugendstilsaal wie reinen Gesang zum Klingen brachten, sei es eine starke, satt klingende Bratschengruppe (Seitenthema), die so den Violinen in angemessener Form Paroli bot oder seien es im »Jagd-Scherzo« (dritter Satz) die schmetternden Hörner und das bedrohlich wirkende tiefe Blech, seien es Flöte und Klarinette mit ihrer beschaulich wirkenden Ländlermelodie im Trioteil oder aber das groß angelegte Finale: Mit dieser Aufführung hat sich die Kammerphilharmonie Bad Nauheim unter der Leitung von Uwe Krause die Beifallsstürme des Publikums zu Recht verdient. C. Duchardt

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