12. Februar 2019, 19:11 Uhr

Die Welt als böse Stiefmutter

12. Februar 2019, 19:11 Uhr
Die Pfarrerin resümiert: Christen könnten bewirken, dass in der Gesellschaft Demokratie und Menschenrechte erhalten blieben. (Foto: Susanne Wagner)

Mit »Frau Holle«, einer besonders vielschichtigen Überlieferung der Brüder Grimm, endete am vergangenen Sonntag ein Reigen von Märchengottesdiensten, zu dem Pfarrerin Rita Mick-Solle in die evangelische Kirche eingeladen hatte. Bernd Straib an der Orgel sorgte für die musikalische Umrahmung.

»Wie kann sich das Gute gegen das Böse behaupten?«, fragte die Pfarrerin und nahm die Gemeinde mit auf eine Reise zu den mythologischen Wurzeln des Märchens. Mit Frau Holle sei die uralte Erd- und Himmelsgöttin gemeint, die für Güte und Freundlichkeit steht. Die böse Stiefmutter symbolisiere die Welt in der wir leben, oberflächlich und nach Gewinn strebend. Die schöne Stieftochter stehe für die Sonne. Sie war fleißig und wehrte sich nicht gegen Ungerechtigkeiten, weil sie Anerkennung suchte. Der Brunnen mit dem Wasser symbolisiere den Ort des Wandels oder schicksalhafter Begegnung, erklärte die Pfarrerin, ebenso in der Bibel, als Jesus der Samariterin begegnete oder wie Christen zur Taufe in das Wasser eintauchten.

Das Sonnenmädchen entfloh der äußeren Welt und tauchte in die innere Welt ein. Auf dem Tiefpunkt seines Lebens hatte es seine Erwartungen zurückgenommen. Es arbeitete jetzt nicht mehr, um Wertschätzung zu erhalten, sondern aus dem inneren Antrieb heraus, hilfsbereit zu sein. Die Pfarrerin machte auf die Dialektik aufmerksam, dass aus Leid und Ungerechtigkeit Neues und Gutes entstehen könne. Sie schlug einen Bogen zur Gegenwart und erwähnte als Beispiele die Arbeit von Mutter Teresa und den Freiheitskampf von Nelson Mandela.

Als Marie mit Gold überschüttet in ihre Welt zurückkehrte, wurde sie plötzlich gut aufgenommen. Mit Gold sei aber kein materieller Reichtum gemeint, resümierte die Pfarrerin, sondern neue Lebensenergie und Mut. Innerer Reichtum sei die Voraussetzung, um in der realen Welt Veränderungen zu bewirken.

Die faule Tochter, Symbol für den Mond mit seinen Schattenseiten, zeige ihr Unvermögen, mit den inneren Werten etwas anzufangen. So wie viele Menschen zwar wüssten, wogegen sie seien, aber aufgrund einer verneinenden Haltung keine konstruktiven Vorschläge für Veränderungen fänden und dadurch ziellos blieben. Die Pfarrerin resümierte: Christen, durch die Taufe berufen, auf Gott zu vertrauen, könnten bewirken, dass in unserer Gesellschaft Demokratie und Menschenrechte erhalten blieben.

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