18. Oktober 2017, 20:17 Uhr

Die Synagoge, die nicht brannte

18. Oktober 2017, 20:17 Uhr
Die Lioba-Gruppe kommt auch an der Synagoge vorbei; im Vordergrund Stefan Kolb, der die Führung als Tombola-Preis gestiftet hat. (Foto: pv)

Eine Gruppe ist kürzlich mit dem Autor Stefan Kolb durch die Bad Nauheimer Innenstadt gezogen, um sich die Orte zeigen zu lassen, an denen jüdisches Leben bis heute greifbar und erfahrbar wird. Bei den Teilnehmern handelte es sich überwiegend um Personen, die ihren Gewinn von der Tombola des Lioba-Brunchs einlösten. Auch einige Lehrer und Mitglieder des Leistungskurses Geschichte sowie Schulpfarrer Ernst Widmann, der die Idee zu dieser Begegnung der Religionen hatte, schlossen sich der Führung an.

Der erste Weg führte von der Sankt-Lioba-Schule über das ehemalige Grand Hotel zur Synagoge, die bei den antijüdischen Pogromen vom November 1938 nicht verbrannt worden war. Man sagt, die angrenzende Bebauung durch Häuser, in denen Nazi-Familien wohnten, sei dafür verantwortlich gewesen. Stefan Kolb trennte allerdings nicht nur in diesem Fall zwischen überlieferten Vermutungen und historischem Wissen, denn als ehemaliger Geschichts- und Politiklehrer legt der Bad Nauheimer Wert auf eine exakte Bewertung der Quellen.

An der Buber-Rosenzweig-Stiftung vorbei ging es in die Fußgängerzone, wo Kolb auf die zahlreichen jüdischen Geschäfte hinwies, die hier einmal ansässig gewesen waren. Auch eine zweite Synagoge war dort einmal zu finden, von der heute aber nichts mehr zu sehen ist. Einen längeren Stopp legte Kolb am neuen Mahnmal für die aus Bad Nauheim deportierten und ermordeten Juden ein. Die Nennung aller Namen hat für die jüdische Tradition eine besondere Bedeutung und macht das konkrete Ausmaß des Holocausts in einer Kleinstadt wie Bad Nauheim anschaulich. Überraschenderweise ließ die Führung auch das Denkmal für Elvis Presley nicht aus. An seinem zweiten Vornamen Aaron wird schon deutlich, dass seine Mutter Jüdin gewesen ist und er in vielen Dingen das jüdische Denken vermittelt bekommen hat. Mit einem Blick auf einige stattliche Bürgerhäuser, in denen jüdische Ärzte wohnten und zum Teil auch praktizierten, endete die Führung.

Auch Elvis hat jüdische Wurzeln

Schüler, Eltern und Lehrer waren beeindruckt von der lebendigen Art, mit der Kolb seinen Gang durch einen Teil der Bad Nauheimer Geschichte vermittelte, und von seiner Sachkenntnis. Der Autor des Buchs »Juden in Bad Nauheim« ist Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und hat selbst einen jüdischen Vater. Kolb freute sich über den niedrigen Altersdurchschnitt seiner Hörergruppe, denn: »Gerade die jungen Menschen in Deutschland müssen erfahren, was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist, und daraus die richtigen Lehren ziehen.«

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