06. August 2019, 05:00 Uhr

Einschulung

Die Schultüte - damals und heute

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag? Melina Poyraz aus Karben jedenfalls freut sich riesig auf den Schulstart Gemeinsam mit ihrer Mama und einer Nachbarin bastelt sie ihre Schultüte.
06. August 2019, 05:00 Uhr
Drei Generationen basteln gemeinsam eine Schultüte (v. l.): Isolde Gehringer, Erstklässlerin Melina und ihre Mama Katharina Poyraz. (Foto: cor)

So langsam steigt die Aufregung. Noch eine Woche muss Melina warten, dann wird sie endlich eingeschult. Die Sechsjährige freut sich schon lange auf den großen Tag - und auf ihre Schultüte. Gemeinsam mit Mama Katharina Poyraz und Nachbarin Isolde Gehringer wird das gute Stück zu Hause in Burg-Gräfenrode gebastelt. Dabei werden viele Erinnerungen wach, an die eigenen Einschulungen, an Lederranzen und genähte Turnbeutel.

Das Bastelmaterial liegt auf dem großen Tisch im Wohnzimmer bereit. Meerjungfrauen werden Melinas hellblaue Schultüte zieren. »Zwei Schultüten haben Isolde und ich bereits gebastelt«, sagt Katharina Poyraz. Eine für den älteren Sohn Noah, eine für den Neffen. Unlängst ist Isolde Gehringer für die Kinder ihrer Nachbarin ein Oma-Ersatz geworden. »Heute nennt man das wohl auch nachbarschaftliches Netzwerken«, sagt Gehringer und lacht. Mit Blick auf die Bastelutensilien erinnert sie sich an ihren eigenen ersten Schultag. »Ich wurde 1964 eingeschult. Damals waren die erste und die zweite Klasse noch gemeinsam in einem Klassenraum untergebracht, mit einem Lehrer.« Die Kleiderhaken befanden sich auch im großen Klassenraum. Gehringer erinnert sich noch gut an die Schiefertafel, an ihren Lederranzen und an ihre Schultüte. »Die habe ich von der großen Schwester ›geerbt‹«, erklärt sie.

Die Tüte war damals mit Süßigkeiten gefüllt. Dazu gab es ein Mäppchen. »Den Turnbeutel hat meine Mutter genäht, sie war Schneiderin.« Am ersten Schultag trug Isolde Gehringer ein besonderes Kleid. Sie wurde von ihrer Mutter begleitet. Untereinander kannten sich die Erstklässler bereits: »Wir waren vorher schon zusammen im Kindergarten.«

Ein Schlüssel in die Schultüte

Die Einschulung von Katharina Poyraz liegt gut 30 Jahre zurück. Ende der 80er wurde sie in der Paul-Maar-Grundschule in Ober-Erlenbach eingeschult. »Dabei waren auch Oma und Opa.« Die Familie hatte die Schultüte damals nicht gebastelt, sondern gekauft. »Drin waren Süßigkeiten, Buntstifte und eine Uhr«, erinnert sich Poyraz. Nach dem Gottesdienst ging es für die Erstklässler ins Klassenzimmer. Dort saß sie schließlich neben einem ihr unbekannten Mädchen. »Daraus hat sich dann eine langjährige Freundschaft entwickelt.«

Was die Schultüte ihrer Tochter angeht, so wird diese sinnvoll gefüllt: Weniger Süßigkeiten, eine Kleinigkeit zum Spielen. »In die Schultüte kommt auch ein Hausschlüssel, mit einem Schlüsselband.« Auf den ersten eigenen Schlüssel wird Melina sicher sehr stolz sein. Das Motiv durfte sie vorab selbst auswählen. Der Schlüssel ist zugleich ein weiterer Schritt Richtung Selbstständigkeit.

Dank ihrem Bruder weiß sie viel

Katharina Poyraz ist es wichtig, dass ihren Kindern der erste Schultag in schöner Erinnerung bleibt. Auch nimmt die Nachbarschaft ein Stück weit teil an diesem besonderen Tag. Neben der Schultüte werden viele schöne Traditionen nämlich noch heute gepflegt, sei es der Kirchgang oder das Verteilen der Brezel in der Nachbarschaft. »Vieles hat sich zum Positiven verändert«, sagt Poyraz. »Den Kindern wird der Einstieg ins Schulleben leichter gemacht.« So bringen Lehrer heutzutage viel mehr Bewegung in den Schulalltag, Begrüßungslieder und Frühstücksrituale erleichtern den Beginn des neuen Lebensabschnittes. Kinder entwickeln so mehr Spaß am Unterricht. Durch ihren großen Bruder weiß auch Melina schon, was sie am ersten Schultag erwartet. »Sie war vor zwei Jahren mit in der Kirche«, erklärt ihre Mutter. Und Bruder Noah berichtet natürlich vieles aus der Schule.

Extra neue Glitzerschuhe

Auf die Frage, was sie in ihrer Schultüte vermutet, antwortet Melina erst einmal mit einem Lächeln. »Vielleicht eine L.O.L- Puppe oder ein Spielzeughund«, sagt sie. Melina freut sich aber nicht nur auf die Schultüte. »Mama hat mir extra neue Schuhe gekauft, die glitzern ein wenig«, erzählt sie stolz. »Und in Spanien ein Kleid.« Kurz darauf läuft sie ins Nebenzimmer, und kommt mit ihrem Schulranzen zurück. »Soll ich den einmal aufsetzen?« Die Vorfreude auf die Einschulung ist spürbar. Dafür gibt es bei Melina nämlich noch einen guten Grund: »Ich freue mich darauf, lesen zu lernen.«

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