24. September 2019, 18:53 Uhr

Die Reise ihres Lebens

24. September 2019, 18:53 Uhr
Alles, was sie braucht, ist der gelbe Koffer und ihre Stimme: Anna Magdalena Bössen ist mit diesem Koffer auf ihrem Fahrrad Tausende Kilometer quer durch Deutschland gereist. Gegen Kost und Logis hat sie große Dichter rezitiert. Im Gewölbekeller der Firma König plus zeigt sie das Ergebnis. (Fotos: cf)

Mit gleich drei Auftritten an unterschiedlichen Orten und drei verschiedenen Programmen feierte die Rezitatorin Anna Magdalena Bössen ihre Premiere in Friedberg. Den Auftakt bildete am Freitagabend das Poesie-Kabarett »Dichter dran!« im Gewölbekeller der Firma König plus. Einen Tag später drehte sich bei Betten Decher alles um »Die Liebe und den Humor«. Und am Sonntag in der Friedberger Stadthalle stellte die diplomierte Rezitatorin und Dozentin ihre im Buch »Deutschland. Ein Wandermärchen« zusammengefassten Reiseerlebnisse quer durchs Land vor.

Sie war 2014 und 2015 mit dem Rad 8160 Kilometer und einem Koffer voller Geschichten im Gepäck auf Wanderschaft. Gegen Kost und Logis bot sie ein literarisches Kofferprogramm an. Ihre Erkenntnis: »Es wird höchste Zeit, dass wir unseren Planeten als einzige Heimat anerkennen und bewahren - und hierfür brauchen wir die Kunst!«

Auch privat war die literarische Radtour ein Erfolg: »Es war die Reise meines Lebens. Ich habe meinen Mann kennengelernt und später eine Familie gegründet.« Zu ihrem Poesie-Kabarett für den Klimaschutz »Dichter dran« holte Anna Magdalena Bössen gleich zwölf namhafte Experten in die »Bar jeder Entscheidung«. Die Weltraum-Bar gewährte dem Publikum einen Blick vom Mond auf die sich drehende Erde. Mit eingängiger Musik von Florian Miro soll das Publikum zur Investition in Weltraumflüge überredet werden. »Kommen Sie mit mir weiter weg, die Erde ist am Ende, die Zukunft liegt im All!« Das will die Wanderin Bössen nicht kampflos hinnehmen. Sie holt zum Gegenschlag mit musikalischen und poetischen Mitteln aus.

Dichter stehen am Tresen

Zu ihren Experten gehören die Dichter Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Walther von der Vogelweide, Fritz Philippi, Erich Kästner, Gerald Fiebig, Bertolt Brecht, Hilde Domin, Rainer Maria Rilke, Mascha Kaléko, Joachim Ringelnatz und Ingeborg Bachmann. Sie alle tauchen am Tresen auf, um die Kämpferin für die Rettung der Erde und die Zukunft menschlicher Existenz mit poetischem Rat zu unterstützen.

Die Rezitatorin ließ die Dichter zu Wort kommen, griff mit ihnen nach den Sternen, ohne jedoch im Land der Dichter und Denker die Bodenhaftung zu verlieren. Dazu warf sie mit Erich Kästner einen kritischen Blick auf »Die Entwicklung der Menschheit« und ließ den Frankfurter Dichterfürsten Goethe »Urworte, orphisch« äußern. Zwischen den klugen Worten und Gedichten der geistigen Elite streute sie augenzwinkernd Aber-Argumente ewiger Bedenkenträger gegen einen hoffnungsgebenden poetischen »Utopia-Raum« ein.

Ihre Zuhörer durften Fakten Wünsche und Sehnsüchte für eine bessere Welt äußern. »Warum tun wir nichts gegen die Zerstörung der Welt? Weil wir alle, in einem Hamsterrad stecken. Überleben ist nicht leben. Was wir brauchen ist Zeit.«

Um ein gesellschaftliches »Wir« zu erreichen, rezitierte sie als Vordenkerin Anette von Droste-Hülshoff. Schnell wurde allen Zuhörern klar: Ein Perspektivwechsel ist nötig, um den Blick auf die Erde und die Menschheit zu verändern. Oder um es mit dem ehemaligen amerikanischen Astronauten Russell Louis »Rusty« Schweickart zu sagen: »Auf diesem kleinen, blau-weißen Punkt im Universum liegt alles, was dir wichtig ist.« Anna Magdalena Bössen umrahmte ihre humorvolle Spurensuche mit kleinen Reimen und großen Werken auch mit der Interpretation von Popsongs und romantischen Chansons sowie klassischer Musik. Ihre Zuhörer entließ Anna Magdalena Bössen mit der Entscheidung, ob sie weiter weg im All leben oder doch lieber »Dichter Dran« am Heimatplaneten Erde bleiben wollen. Getreu der Devise meinte sie noch »Eine Zukunft ohne Goethe ist denkbar, aber nicht schillernd!

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bertolt Brecht
  • Betten
  • Erich Kästner
  • Friedrich Schiller
  • Hilde Domin
  • Ingeborg Bachmann
  • Joachim Ringelnatz
  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Klimaschutz
  • Rainer Maria Rilke
  • Rezitatoren
  • Stadthallen
  • Walther von der Vogelweide
  • Friedberg
  • Christine Fauerbach
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.