08. Oktober 2019, 20:08 Uhr

Die Mitte der Welt in Jerusalem

08. Oktober 2019, 20:08 Uhr
Kurt Bangert

»Städte als Stätten der Kultur«: Unter diesem Motto steht die neue Vortragsreihe von »Kultur auf der Spur«. Den Anfang machte der Theologe und Islamkundler Kurt Bangert.

Er schlug den Bogen weit: Sein gedrängter Überblick über 3000 Jahre Geschichte Jerusalems - eine der ältesten Städte der Welt - musste zwar lückenhaft bleiben, arbeitete jedoch die Schlüsselereignisse samt ihrer theologisch-kulturgeschichtlichen Bedeutung klar heraus. Zusätzliche Anschaulichkeit erhielt sein Vortrag durch zahlreiche Lichtbilder.

Mit der Eroberung der kanaanäischen Stadt durch David im Jahr 997 v. Chr. beginnt die jüdische Geschichte »Jeruschalajims«. Sie wird Metropole eines Großreichs, wie es im 2. Buch Samuel geschrieben steht. Davids Nachfolger Salomo lässt den ersten Tempel erbauen.

587 v. Chr. zerstören die Babylonier unter Nebukadnezar Stadt und Tempel und deportieren große Teile des Volkes Israel in die »babylonische Gefangenschaft«. Nachdem der Perserkönig Kyros das babylonische Reich zerstört hat, dürfen die verschleppten Juden 522 v. Chr. wieder in die Heimat zurück. In diesen Jahrzehnten mutiert Jahwe, so Kurt Bangert, als ehemaliger Stammesgott zum Universalgott - die Geburtsstunde des Monotheismus hat geschlagen. Erst um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. wird der salomonische Tempel wiederaufgebaut.

Auch dieser zweite Tempel wird die Stürme der Zeiten nicht überstehen. Bei der Eroberung Jerusalems durch den späteren römischen Kaiser Titus im Jahr 70 n. Chr. werden Stadt und Tempel dem Erdboden gleichgemacht. Judäa und Galiläa werden römische Kolonie; große Teile der jüdischen Bevölkerung müssen ihre Heimat verlassen. 1800 Jahre »Diaspora« werden vergehen, bis im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die zionistische Einwanderung in das »Land der Väter« ihren Anfang nimmt.

Unter Kaiser Konstantin wird Jerusalem für rund drei Jahrhunderte eine christliche Stadt, bis es im Jahr 637 vom Omayaden-Kalifen Omar I. für den Islam erobert wird und den Namen »Al-Kuds« (das Heiligtum) erhält. Mit dem Bau des Felsendoms auf dem Tempelberg am Ende des 7. Jahrhunderts wird die Stadt zum drittheiligsten Wallfahrtsort der Muslime.

1099: Christliche Kreuzfahrer stehen vor der Stadt und schicken sich an, ein Blutbad unter ihren Einwohnern anzurichten. In fünf Kreuzzügen gelingt es nicht, Jerusalem für das Christentum auf Dauer zurückzuerobern. Von 1244 bis 1917 steht die Stadt unter Mameluken- und Osmanenherrschaft.

Beten, streiten, töten

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wird sie Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina und 1950, zwei Jahre nach Gründung des Staates Israel, zu dessen Hauptstadt. Die Altstadt mit dem Tempelberg bleibt jedoch jordanisch, bis sie im Juni 1967 von israelischen Truppen eingenommen und 1980 dem israelischen Staatsgebiet angegliedert wird.

Beten, streiten, töten: Jerusalem, auf das sich Judentum, Christentum und Islam als ihre religiöse Mitte berufen, ist in einer Vielzahl von Kriegen buchstäblich bis aufs Blut gequält und geschunden worden. Ob dies vielleicht mit dem Absolutheitsanspruch der drei monotheistischen Religionen zusammenhängt, ließ Theologe und Islamkundler Kurt Bangert in seinem mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag offen. (Foto: gk)

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