07. Juni 2019, 21:48 Uhr

Die Kunst der Spiegelung

07. Juni 2019, 21:48 Uhr
Ein Bild im Bild: Joerg Eyfferth stellt in den Spiegelungen seiner Objekte ganz eigene Szenen dar. (Foto: prw)

Unter dem Titel »Stillleben« ist derzeit im Friedberger Kreishaus eine Ausstellung mit Bildern von Joerg Eyfferth zu sehen. Der Hanauer Künstler hat sich auf Stillleben spezialisiert, und genauso heißt ganz schlicht die Ausstellung mit 20 zum Teil großformatigen Werken, die in der Galerie im Kreishaus gut zur Geltung kommen.

Joerg Eyfferth hat sich auf die fotorealistische Stilllebenmalerei spezialisiert. Dabei kommt es ihm weniger auf üppig gefüllte Tische und Teller an, sondern mehr auf Spiegelungen und Lichteffekte. Das Besondere an der Stilllebenmalerei und vor allem ihrer größten Meister, wie etwa Jan Breughel, war, dass sie in die Objekte Spiegelungen eingebaut haben und somit die Räume vergrößerten. Bei Eyfferth sind die Räume nicht so vollgestellt. Es sind nur wenige Objekte zu sehen, manchmal nur ein Glas.

Das erste Bild, das die Besucher im Friedberger Kreishaus empfängt, sind drei Gläser und eine chromglänzende Tasse, hinter denen ein gestreiftes Tuch drapiert ist. Man ist immer wieder versucht, in den Spiegelungen noch etwas zu sehen. In dem oben genannten Bild etwa meint man, eine Straßenallee zu sehen, bunte flirrende Farben, die sich in den Gläsern spiegeln, dazu die Objekte, die sich wiederum gegenseitig spiegeln. Man versucht, das Geheimnis der Situation zu erkennen, in der das Bild entstanden ist. Hinzukommt das große Können von Eyfferth, der das gestreifte Tuch in seinem Faltenwurf detailgetreu abbildet und in den Verzerrungen und Spiegelungen in den Gläsern selbst noch bis ins kleinste Detail darstellt.

Sein persönliches Lieblingsbild, sagt Eyfferth, sei ein Sektglas aus den 60er Jahren, in dessen Spiegelungen die Betrachterinnen und Betrachter eine ganze Welt erkennen könnten. Punkte und Vierecke erinnern an Friedensreich Hundertwasser.

Spielzeug als Kunstobjekt

Ein gern gemaltes Objekt von Eyfferth sind Glasmurmeln. Das beliebte Kinderspielzeug wird so zum Kunstobjekt geadelt. Ein Sammelgefäß voller Glasmurmeln habe ihn fasziniert, sagt Eyfferth. »Bei dem Deckel habe ich farblich maßlos übertrieben«, sagt der Hanauer Künstler und zeigt auf die feinen Streifen im Stil von Murano Glas. »Das ist eine Farbexplosion geworden, die der Realität nicht mehr entspricht.«

In manchen Bildern erzählt Eyfferth auch eine Geschichte. So etwa in den beiden Bildern einer silbernen Obstschale. Eines davon heißt »Mord im Museum«. Bei genauerem Hinsehen sieht man in der Spiegelung der Schale ein Gesicht und noch undeutlicher eine offene Tür, durch die ein Mensch den Raum verlässt. Wer ist der Mörder? Wer ist das Opfer? Gibt es Zeugen? Die Antwort ist dem Betrachter überlassen.

Vollends verwirrt werden die Sinne, wenn Eyfferth Spiegelungen in Kugeln malt. Die werden nämlich nicht nur seitenverkehrt, sondern auch auf dem Kopf dargestellt. Dazu kommen Verzerrungen und Verschiebungen, Lichtimpulse und Objekte, die gar nicht in das Bild hinein gehören, die es immer schwerer, aber auch interessanter machen, etwas Konkretes in dem Bild zu erkennen.

Schon als Kind habe er viel gemalt und sich für die Spiegelungen des Wassers in einem Bachlauf begeistert, sagt Eyfferth. Zur Stilllebenmalerei sei er gekommen als er nach einem künstlerischen Neuanfang in der Küche gesessen und einfach darauflos gemalt habe. »Mich begeistert die Ästhetik der Objekte«, sagt Eyfferth. Diese Ästhetik einzufangen, das gelingt dem Künstler auf ganz wunderbare Weise.

Die Ausstellung in der Galerie im Kreishaus, erstes Obergeschoss (Gebäude A), ist noch bis Freitag, 2. August, während der Öffnungszeiten (montags bis mittwochs von 7.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12.30 Uhr) zu sehen.

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