30. März 2018, 18:00 Uhr

Hinter den Kulissen

Die Königin der Instrumente ist krank

Eine erste Orgelführung in der Dankeskirche hat ungewöhnliche Blicke hinter die Kulissen geboten. Dabei machte Kantor Frank Scheffler auch auf ein großes Problem aufmerksam.
30. März 2018, 18:00 Uhr
Wie es um die Orgel bestellt ist, erläutert Kantor Frank Scheffler.

Kantor Frank Scheffler blickt zufrieden in die Runde. Viele Gäste sind seiner Einladung zur ersten Orgelführung in der Dankeskirche gefolgt. Scheffler möchte die Gelegenheit nutzen, über den Zustand der historischen Orgel zu informieren. Schon seit Jahren kämpft die evangelische Kirchengemeinde mit großen Problemen.

Die 1906 von Walcker erbaute deutsch-romantische Orgel, das Herzstück der Kirche, ist in die Jahre gekommen. Schimmelbefall, zu eng verbaut, Dauertöne, schlecht stimmbar und hörbare Lücken, dazu Sicherheitsrisiken, die Mängelliste ist lang. Nun soll der Wunsch von einer neuen Orgel Realität werden.

 

Als Dank für die Genesung gespendet

 

»Eigentlich hätten wir ja zum Tee mit der Königin bitten können«, sagt Scheffler zu Beginn der Führung. Eines sei Fakt: »Die Königin der Instrumente ist krank, in einem schlechtem Zustand.« Scheffler erläutert ihre lange Historie, geht bei seinen Beschreibungen auf viele Details ein. Als Dank für die Genesung ihres Mannes in Bad Nauheim stiftete die in Antwerpen lebende Theodora Konitzky 1906 die große Walcker-Orgel. Die hat seitdem ihren Platz oben auf der Empore gegenüber dem Sprudelfenster.

»Früher nahmen oben auf der Empore vor dem Fenster viele Kurgäste Platz«, erklärt Scheffler. Musik und Heilung stehen in Bad Nauheim dicht beieinander. Die Orgelkonzerte haben dazu eine besondere Bedeutung. »Der Wunsch zu Leben, gesund zu sein«, so Scheffler. Auch heute fühle man sich da der Tradition noch verpflichtet.

 

Ein Großteil der Register nicht mehr nutzbar

 

Ursprünglich mit 4000 Pfeifen erbaut, ragt die Orgel bis zu sieben Meter in den Turm hinauf. Eine völlige Neugestaltung erfolgte 1965: So wurden etwa Pfeifen gewechselt, das Fernwerk stillgelegt. Im Oktober 2011 wurde das 1965 entfernte Fernwerk über der Kuppel mit fünf Registern und rund 400 Pfeifen rekonstruiert. »Im Grunde sind es zwei halbe Orgeln«, so Kantor Frank Scheffler, der den Anwesenden dazu Kostproben vorspielt. Bei den Pfeifen aus der Erbauerzeit der Kirche kommen vor allem die emotional gefärbten, sehnsüchtigen Klänge zum Einsatz.

Diese unterscheiden sich deutlich von den 1965 ergänzten Pfeifen. Klingen die alten Pfeifen eher warm und voluminös, erzeugen die »neueren« Ergänzungen schrille Töne. Längst kann ein Großteil der Register nicht mehr genutzt werden. Seit Jahren kämpft Scheffler mit den vielen Defekten der Orgel. In den Gottesdiensten wird oft improvisiert. 2011 beschäftigten sich schließlich viele Gutachter damit, empfahlen einen Neuanfang.

 

650 000 Euro benötigt

 

»Wir möchten in Nachhaltigkeit investieren, keine neue Zeitreise machen«, so der Kantor. Die noch guten Pfeifen sollen in die neue Orgel übernommen werden. Erforderlich sind 650 000 Euro. Dass die Orgel den Menschen am Herzen liegt, zeigt die bisherige Spendenbereitschaft, 78 000 Euro sind bereits, auch dank Patenschaften, eingegangen. »Pfeifenpatenschaften sind zwischen 25 und 1000 Euro möglich«, erklärt Scheffler den interessierten Gästen. Ab 5000 Euro ist auch eine Patenschaft für ein Register möglich. Ein erster Gast zeigt sich hier gleich interessiert.

Scheffler gewährt abschließend noch einen Blick hinter die Orgel. Viel Lob gibt es an die Führung von den Teilnehmern. »Ich hoffe sehr, dass sich eine neue Orgel zeitnah realisieren lässt«, so ein Kurgast. »Für so ein wichtiges Projekt müssen viele Unterstützer gefunden werden.«

Info

Führungen bis Oktober

Bis Oktober lädt Kantor Frank Scheffler alle Interessierten an folgenden Tagen, jeweils freitags um 15 Uhr und sonntags um 11.30 und 15 Uhr, zu einer Orgelführung in die Dankeskirche ein: Freitag 20. April, Sonntag 20. Mai, Sonntag 24. Juni, Freitag, 20. Juli, Freitag, 24. August, Sonntag 23. September, und Sonntag, 28. Oktober. Alles Informationen zur »Großen Orgel Dankeskirche« gibt es im Internet unter www.orgel-dankeskirche.de.

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