20. Januar 2017, 21:16 Uhr

Adnan Maral

Deutsch oder türkisch?

In seinem Buch »Adnan für Anfänger« berichtet Adnan Maral von seinen Erlebnissen. Jetzt war er zu Gast in Friedberg.
20. Januar 2017, 21:16 Uhr
BF

Es geht um Vorurteile, Menschlichkeit und Migration – aber mit viel Witz. Was ist deutsch und wer ist deutsch? Adnan Maral lebt schon fast sein ganzes Leben in Deutschland, er schätzt Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, mag Apfelwein und Grüne Soße. Trotzdem spielte der Schauspieler in seinen Filmen und Serien meistens den Klischeetürken. In seinem Buch »Adnan für Anfänger« berichtet er von seinen Erlebnissen. Jetzt war er im Friedberger Bibliothekszentrum und las aus seinem Buch »Adnan für Anfänger«.

»Wenn mich jemand fragt, ob ich mich eher als Deutscher oder eher als Türke fühle, dann sage ich, dass ich mich eben als Mensch fühle«, sagt Maral. Etwa 60 Zuhörer lockte der Star aus »Türkisch für Anfänger« für die erste Veranstaltung von »Friedberg lässt lesen« in diesem Jahr ins Bibliothekszentrum.

Es ist eine Reflexion seiner verschiedenen Lebensphasen. »Ich habe zum Beispiel über verschiedene Wörter nachgedacht. Das Wort ›Toleranz‹ bedeutet ›erdulden‹, das finde ich nicht so schön. Besser wäre doch ›akzeptieren‹ oder ›sich auf Augenhöhe begegnen‹, findet Maral. Marals Vater kam mit der ersten Generation der türkischen Gastarbeiter nach Deutschland, als Maral zwei Jahre alt war, holte sein Vater die Familie nach. Im Freundeskreis galt Maral als Vorzeigetürke: »der spricht aber gut Deutsch«, hörte er oft von Fremden – dass er sein ganzes Leben schon in Deutschland lebt, daran dachte niemand.

Aber was ist denn nun deutsch? Und was ist türkisch? Wo fängt das eine an und wo hört das andere auf? »Ich mag die deutsche Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, ich habe mehr Eigenschaften, die man als deutsch bezeichnen würde, als solche, die man als türkisch bezeichnen würde«, sagte Maral. Die türkische Gastfreundschaft und den Humor schätze er sehr, auch wenn er gerade die Gastfreundschaft oft übertrieben finde: »Als ich noch ein Kind war, wollte unser Vater immer grillen gehen, also sind wir irgendwo hingefahren und haben auf einer Wiese einen Grill aufgestellt. Mein Vater hat jeden Wanderer, der vorbeikam, zum Essen eingeladen. Das fand ich sehr seltsam«, berichtete er.

Maral ist in Frankfurt aufgewachsen, für die Arbeit zog er später nach Berlin. Mittlerweile lebt er in Oberbayern. Vermisst habe er in seiner Zeit in Berlin vor allem Grüne Soße und Apfelwein.

2006 reiste er mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Istanbul, die beiden verbindet bis heute eine Freundschaft. Adnan Maral setzt sich auch öffentlich dafür ein, dass in Deutschland lebende Türken die doppelte Staatsbürgerschaft erhalten können: »Es ist doch verrückt. Meine Frau kommt aus der Schweiz und lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Sie kann die doppelte Staatsbürgerschaft bekommen. Ich lebe seit 40 Jahren hier, bin hier aufgewachsen, aber ich kann die doppelte Staatsbürgerschaft nicht bekommen«, erklärt er. An dem Thema liegt ihm viel. Seine türkische Staatsbürgerschaft möchte Maral nicht aufgeben: »Ich betrachte mich als deutsch und möchte mir das letzte Bisschen meiner türkischen Herkunft gerne bewahren.«

Die Anekdoten in seinem Buch sind vor allem eins – sehr humorvoll. Dahinter steckt aber nicht selten eine wichtige Botschaft: »Es geht um Menschlichkeit und darum, die anderen zu akzeptieren.« Carolin Fest

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