16. Mai 2018, 20:22 Uhr

Der mit den Eulenspiegeleien

16. Mai 2018, 20:22 Uhr
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Von Annette Hausmanns
»Hoch lebe Till Eulenspiegel«: MCC-Vorstände und -Urgesteine gratulieren der Figur vor ihrer Vereinshalle zum 20. Geburtstag (v. l.): Ingrid und Martin Zimmer, Günther Rühl, Alfons König und Jürgen Geck. (Foto: hau)

Seit 20 Jahren sitzt er hier, hält Passanten den Spiegel vor und einen Violinschlüssel in die Höhe. Till Eulenspiegel scheint sich wohlzufühlen auf seinem Sockel vor der MCC-Halle. Fast hätte er auch ein Glas Sekt bekommen, als sich jetzt Vorstände und zwei »Erfinder« der Bronzefigur zum Geburtstagsständchen einfanden, nachdem sie zuvor im Schloss die zum Jubiläum gehörige Ausstellung eröffnet hatten.

Dass er eines Tages sesshaft werden würde, hätte sich der umherstreifende Schalk sicher nicht gedacht, als er im Jahr 1300 in Niedersachsen das Licht der Welt erblickte. In der hessischen Fastnachtshochburg Ober-Mörlen bot man Till offenbar eine derart einladende Bleibe, dass sich die Symbolfigur hier häuslich einrichtete. Auch der Eule auf der Schulter geht es nach 20 Jahren in Wind und Wetter augenscheinlich gut.

Beide bekommen viel geboten, ist die Hasselhecker Straße doch stets befahren, der Einkaufsmarkt gegenüber besucht und die Vereinshallen belebt. Als die Bronzefigur am 17. Mai 1998 enthüllt wurde, hatte der Mörlauer Carneval Club ein großes Fest veranstaltet. Befreundete Vereine kamen, Vertreter der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval und Ober-Mörlens damalige Bürgermeisterin Erika Schäfer. Sie half Vereinsvorsitzendem Günther Rühl und Sitzungspräsident Alfons König unter Beifall, die Flagge von der Bronzefigur zu ziehen.

Der MCC-Musikzug »Rote Husaren« schmetterte flotte Lieder, der leibhaftige Till (Tanzmariechen Elisabeth Heil) schlug Räder, Funkenmariechen Dorothee Schmidt (verh. Lorenz) sprach den Fastnachtsprolog. Kunstschlossermeister Peter Timm berichtete von seiner Arbeit und die MCC-Urgesteine König und Rühl blickten zurück auf die Entstehung des Denkmals.

Fast 15 Jahre hatte man beim MCC gespart und Sponsoren gewonnen, um sich die Skulptur leisten zu können. Der Traum von einem Fastnachtsbrunnen auf dem Schlossplatz und von der Einrichtung eines Fastnachtsmuseums in »Klein Mainz am Usastrand« hatten zuvor keine politische Mehrheit gefunden. Mit dem Bau der Vereinshalle reifte der Plan, der närrischen Symbolfigur hier einen festen Wohnsitz zu verschaffen. Noch bevor die Halle eingeweiht wurde, war der Sockel aus Basaltsteinen aufgeschichtet.

Auch der »leibhaftige« Till hat seinen festen Platz im Vereinsgeschehen. Zur Eröffnung der Kinder- und der Kostümsitzungen erklimmt er die Narrenbütt, um den Menschen den Spiegel vorzuhalten. Während die darstellenden Kinder regelmäßig wechseln, hatte Ralf Windgassen sieben Jahre lang geistreiche Till-Auftritte in der Bütt. Man darf gespannt sein, wer seine Nachfolge antritt – und ob Noch-Bürgermeister Jörg Wetzstein seine spontane Einwilligung während der Kampagne wahrmacht, es als Till zu versuchen.

Die Ausstellung »20 Jahre Till Eulenspiegel« im Schlosskeller ist bis einschließlich Donnerstag, 14. Juni, zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung zu sehen: an Werktagen von 8 bis 12 Uhr, mittwochs außerdem von 14 bis 18 Uhr.



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