23. Mai 2019, 20:03 Uhr

Der kleine Esel in der Kirche

23. Mai 2019, 20:03 Uhr
Maximilian Mangold (l.) und Stefan Müller-Ruppert vereinen Musik und Texte. (prs)

Platero ist ein kleiner Esel, der dem spanischen Literaturnobelpreisträger Juan Ramon Jiménez als Projektionsfläche und Identifikationsfigur für seine Gefühle, Gedanken und Träume dient, aber auch als hilfreicher Gefährte und Gesprächspartner. Manchmal spricht der Autor zu ihm wie zu einem kleinen Kind und dann wieder wie zu einem alten Weisen. Nach 20 Jahren erklang in der Bönstädter Kirche zum zweiten Mal das Werk »Platero und ich« mit Gitarrenmusik des italienischen Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco und unterlegten Texten des Autors Jiménez. Auf seinem Sterbebett hatte Jiménez unmittelbar vor seinem Tod noch erfahren, dass ihm für sein Werk der Literaturnobelpreis verliehen worden war.

In sensibler und kraftvoller poetischer Sprache werden die Alltagserlebnisse mit Landschaft und Menschen genutzt, um die Beziehungen des Autors zu seiner Heimat, zu den Menschen und zu Gott zu reflektieren. Die sich im Brunnen spiegelnden Sterne weisen den Erzähler in die Unendlichkeit. Eine unscheinbare Blume am Wegrand wird zum Schlüsselerlebnis, um über das Verhältnis von Vergänglichkeit und Ewigkeit nachzudenken. Wie in Wolfgang Borcherts »Hundeblume« wird in die Beziehung zu einer Blume die ganze Gefühls- und Gedankenwelt eines Menschen gelegt, der seine Sehnsucht und Hoffnung auf ein harmonisches Verhältnis zur Welt und zur Ewigkeit seiner Umwelt richtet und gleichzeitig humorvoll und energisch den kleinen Widrigkeiten des Alltags trotzt.

Zuhörer sind gefesselt

Maximilian Mangold spielte einfühlsam mit der gesamten klanglichen Bandbreite seiner Gitarre, angefangen vom sanften Säuseln des Windes bis hin zur explosiven Gefühlseruption. Der Sprecher Stefan Müller-Ruppert vereinte die vorgegebenen Texte in überzeugender Weise mit ausdrucksstarker, die Zuhörer fesselnder Mimik, Gestik und stimmlicher Klangfarbe. Beeindruckend war die Präzision, mit der Musik und Sprache aufeinander abgestimmt waren, obwohl der Sprecher nicht aus der Partitur, sondern aus dem Buch las. In mitreißender Weise erlebten die Zuhörer, wie intensiv Sprecher und Musiker in die Gefühls- und Ausdruckswelt von Autor und Komponist eingedrungen waren und beides präzise und gleichzeitig flexibel miteinander zu einem Gesamtkunstwerk verwoben.

Das letzte Konzert in der Reihe der Bönstädter Konzerte in der Kirche wird am 1. Dezember als Jubiläumskonzert für zwei Flügel stattfinden.

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