02. April 2019, 21:09 Uhr

»Der Mensch muss in sich ruhen«

Der Kunstverein Friedberg kann endlich wieder Werke eines heimischen Künstlers ausstellen: Der gebürtige Amerikaner Robert Rodger präsentiert aktuell seine Reihe »Some Menschen I Know« bei der er seine Modelle auf eine ganz spezielle Art inszeniert – emotionslos.
02. April 2019, 21:09 Uhr
Innerhalb seiner Serien positioniert der Künstler die Menschen in gleicher Haltung vor dem gleichen Hintergrund.

Porträtieren bedeutet in der Literatur eine Charakterstudie ausarbeiten, im Kunstbereich jedoch eine Abbildung von jemanden anfertigen. Beide Definitionen treffen auf die 17 Portraits von Robert »Bob« Rodger zu, die derzeit in der Ausstellung »Some Menschen I Know« im Kunstverein Friedberg gezeigt werden.

»Fotografie ist ein ansprechendes Medium, über das man viel erfahren kann, wenn man es will«, sagte Kunstvereinsvorsitzender Joachim Albert bei der Vernissage am vergangenen Freitagabend im proppenvollen ersten von zwei Ausstellungsräumen des Kunstvereins. Selten waren so viele Besucher, darunter Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender und Kulturamtsleiterin Christine Böhmerl, zu einer Ausstellungseröffnung des Kunstvereins gekommen.

Ein Grund nannte Albert: »Endlich können wir wieder einmal Arbeiten eines Künstlers zeigen, der in Friedberg lebt.« Ein weiterer Grund: Die Portraits des im Jahre 2011 begonnenen und fortlaufenden Projekts des gebürtigen Amerikaners, der seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und seit zehn Jahren in der Görbelheimer Mühle lebt, zeigt Menschen aus seinem Umfeld, die nahezu alle, zum Teil mit ihren Familien, gekommen waren.

Eine der Portraitierten ist Kunstvereinsvorstandsmitglied und Kuratorin Wiebke Cherubim-Wirth, die die Besucher in die Ausstellung einführte. Ihre Einführung begann die Kuratorin der Ausstellung mit einem kurzen Abriss über die Geschichte des Portraits – von der Höhlenmalerei des frühen Menschen über die Plastiken bei der Grabmalkunst im alten Ägypten und den Darstellungen im Mittelalter bis hin zu Fotoportraits im digitalen Zeitalter.

»Zusammengefasst kann man sagen, dass das Porträtieren ein eher subjektiver Vorgang ist und irgendein Eingriff durch den Künstler stattfindet um eine bestimmte Wirkung zu erzielen«, so Cherubim-Wirth. Das gelingt Rodger eindrucksvoll, denn die Gesichtszüge der Abgebildeten wirken entspannt. Die fotografierten Personen lächeln nicht, wirken aber nicht unfreundlich.

»Sie sind frei von Emotionen. Das finde ich bemerkenswert«, so die Kuratorin. Im Gespräch nach der Eröffnung beschreibt Rodger seine Arbeit so: »Ich habe keine Intention. Ich sehe die Menschen eher physisch, nicht körperlich. Der Mensch muss bei sich sein, in sich ruhen – stimmig und stabil.«

Innerhalb seiner Serien positionierte Rodger die Menschen in gleicher Haltung vor dem gleichen Hintergrund. Trotzdem kommt in jedem Portrait das Einzigartige jeder Person zur Geltung, zeigt aber zugleich auch die Vielfältigkeit der Menschen auf.

Rodger fasst seine Arbeit so zusammen: »Ich wollte diese Menschen wirklich fotografieren, ich wollte sie dokumentieren, weil ich das schön finde, aber ich wollte sie nicht portraitieren.« Ergänzt werden die Portraits mit einigen Zitaten, unter anderem von Bob Dylan oder James Joyce, die der Künstler besonders mag.

An einem Teil einer Wand wird auch der Titel der Ausstellung »Some Menschen I Know« erläutert. Der vermeintliche Mix aus Deutsch und Englisch ist in Wirklichkeit keiner, existiert das Wort »Menschen« doch auch im Englischen und bedeutet – übersetzt – »eine Person von Integrität und Ehre«.

Das trifft auf den Fotografen und seine Portraitierten ohne Zweifel zu. Für Cherubim-Wirth geht der Künstler mit seinen Dargestellten respektvoll, akzeptierend und nicht manipulativ um. Die Laudatorin abschließend: »Die Ausstellung hier ist für die nächsten Wochen eine kleine Insel, die zeigt, dass es auch anders geht.« Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Ausstellung »Some Menschen I know« in den Räumen des Kunstvereins, Haagstraße 16, ist bis einschließlich 5. Mai dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei

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