05. September 2019, 21:53 Uhr

Der Mensch auf der Suche

05. September 2019, 21:53 Uhr

Im aktuellen Werk des Künstlers Ernesto Filippelli geht es um einen Wandlungsprozess der Emotionen. Dafür setzt der Künstler auf die starke Erzählkraft von Farbe, was oft zu Nachfragen über die Hintergründe führt. Im Friedberger Café Kaktus war jetzt die Finissage seiner Ausstellung »Viaggio in me - Reise ins Ich« terminiert.

Duft nach Espresso, Stimmen surren. Gäste des Café Kaktus in Friedberg frühstücken, andere genießen draußen die Sonne. Ein weiterer Personenkreis ist wegen der Finissage der Ausstellung »Viaggio in me - Reise ins Ich« gekommen. Künstler Ernesto Filippelli ist mit dem Ausstellungsort zufrieden. »Es spiegelt das reale Leben. Die Menschen gehen ins Café, täglich sind Leute hier - und sie haben eine andere Wahrnehmung. Du gehst rein, es ist unerwartet und dann entstehen tiefe Eindrücke.« Die Bilderschau sei für ihn die bislang intensivste Ausstellung, wie er erzählt, weil das Lokal die Werke über zwei Monate lang zeigte.

Lebenskrise inspiriert

Dabei habe sich einiges getan, beispielsweise erhielt Filippelli eines Tages einen Anruf: Eine Frau wollte sich mit ihm über seine Kunst unterhalten. »Sie sagte, dass sie sich in den Bildern wiederfindet. Und ich erzählte ihr, was mich inspirierte.« Dies war eine zurückliegende Lebenskrise gewesen, mit der er sich künstlerisch auseinandersetzte. »Wenn ich Farben auf den Karton bringe, kommen Gefühle hoch. Und dann entsteht diese Transformation, Kontemplation, ich kann handeln und bewusst wahrnehmen. Es ist eine Art therapeutische Reflektion.« Zu sehen, was sich aus dem unbewussten Zustand ergibt, sagt der 46-Jährige, mache selbstbewusst.

Karin Merchel, Vorsitzende des Kunstvereins, beschreibt die Bilderfolge bei ihrer Laudatio aus einer tiefen Perspektive. »Ernesto kam in seiner Jugend aus Italien hierher, schuf sich hier eine zweite Heimat.« Zu seinen ersten Schritten habe ein Geschenk an das Rathaus in Bad Nauheim gehört: ein Bild des Großen Sprudels. Mit Blick auf seine aktuellen Bilder erkenne man eine Entwicklung: »Man kann verstehen, dass Ernesto einen weiten Weg aus sich heraus gegangen ist, um hier zu sein.« Filippelli habe die Fähigkeit, dies in farbiger Landschaft symbolisch darzustellen. Im Anfang stehe bei ihm der Mensch. »Der Mensch auf der Suche, voller Energie und Emotionen. Der Mensch in der Familie, die Sehnsucht, die er hat, als Kind mit der Mutter.« Aus dieser Harmonie habe er hinausgemusst, sei herausgerissen worden, um nach Deutschland zu kommen. »Er hat uns aber lieben gelernt. Hier hat er sich genauso heimisch gefühlt oder vielleicht auch noch mehr«, sagte Merchel. Um den Betrachter an seiner früheren Naturlandschaft teilhaben zu lassen, bringe Filippelli leuchtende Farben: den blauen Himmel, die rotglühende Sonne, den Strand und die Erde. Dies drücke die Bescheidenheit der Menschen aus, die mit der Kraft ihrer Hände jeden Tag meistern müssen. »Und dann stehen wir hier und sehen diese Schönheit und können sie auch in unserer heutigen Zeit verinnerlichen.« Zwischenzeitlich nun seien bereits wieder neue Werke entstanden - eins zeige einen Mann im Boot, der zu einer Insel fährt. »Das heißt, er ist kurz vor dem Ankommen im Hier und Jetzt.« Und in ein anderes Bild mische sich Surrealität.

Lob für Weiterentwicklung

»Ich kann nur sagen, Ernesto, mach weiter so«, unterstreicht Merchel. Die Besucher sind angetan, beispielsweise Thorsten Giese aus Friedberg: »Der erste Eindruck ist farbenfroh, auf den zweiten Blick ist die Tiefe erkennbar.« Jean-Marie Bourdin aus Bad Nauheim gefallen Elemente wie Mensch, Natur und Zuneigung. Und Detlef Liepok aus Ockstadt vergleicht die Bilder mit älteren Werken: Früher habe Filippelli oft Florales und Lebensfreude gemalt, hier aber überwiege die Symmetrie. »Der ›Lebensbaum‹ ist mein Favorit«, freut sich Babette Dollinger-Herbst, während Mehmet Turan die »Sonnenblumen« mag.

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