18. Februar 2018, 10:57 Uhr

Kneipenszene

Der Marktplatz Bad Nauheim sortiert sich neu

Was ist los am Bad Nauheimer Marktplatz? Der »Genuss-Laden« hat zu, das »Bistro« wechselt den Besitzer, das »Viva« schließt. Gibt es Gründe für die Umbruchstimmung?
18. Februar 2018, 10:57 Uhr
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Von Valerie Pfitzner , 1 Kommentar
Vielleicht wird der Marktplatz bald schon ganz anders aussehen. Zumindest an zwei Stellen wird sich etwas tun: Für das »Viva« wird ein neuer Pächter gesucht, der »Genuss-Laden« hat geschlossen. (Foto: Nici Merz)

Seit 29. Januar ist der »Genuss-Laden« am Marktplatz zu. Am Eingang hängt ein Schild: »Wir haben geschlossen.« Gründe stehen dort nicht. Die Inhaberin des Restaurants und Cafés, Sabine Lesczensky, ist für die Wetterauer Zeitung nicht zu erreichen. »Da sind wir schon mal zwei«, sagt Vermieterin Antonella Lucifero. Seit Frühjahr 2016 hat sie den Laden in bester Marktplatz-Lage an die junge Frau verpachtet. Von einer geplanten Schließung wusste die Vermieterin nichts. Sie erfuhr durch das Schild an der Tür davon. »Das Telefon ist aus, auf E-Mails reagiert sie nicht. Ich weiß nicht, was los ist«, sagt Lucifero. Woran es liegen könnte, dass die Rolläden des Genuss-Ladens seit Ende Januar geschlossen sind, weiß die Vermieterin nicht: »Ihr Konzept war gut, die Leute mochten es sehr.« Gemunkelt wird unterdessen, dass ein familiärer Streit ein Grund für das plötzliche Ende des »Genuss-Ladens« gewesen sein könnte.

Ebenfalls geschlossen hat das »Bistro«. Erst im Frühjahr 2017 hatte die Lebensgefährtin von Hausbesitzer Achim Bingel die Kneipe wiedereröffnet, nachdem sie im November 2015 abgebrannt war. Manches wollte Barbara Bremer anders machen, anderes beibehalten: abends Kult-Kneipe, mittags Café. War diese Kombination ein zu ehrgeiziges Vorhaben für die 64-Jährige? »Es gibt natürlich Gründe für mein Aufhören«, sagt Bremer. »Alter und Gesundheit spielen eine große Rolle, ebenso die Personalsituation in der Gastronomie.« Bremer hatte seit ihrem Neustart immer wieder Personal gesucht. »Aber auch die fehlende Kooperation der Stadt und die fehlende Polizeipräsenz sind zu erwähnen.« Die Gewalt unter den Marktplatzbesuchern habe jedoch keine Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt: »Die Schlägereien am Marktplatz sind kein Grund fürs Aufhören.«

Momentan ist das »Bistro« also geschlossen, im März soll es jedoch unter neuer Führung weitergehen. Dafür werden dann die Rolläden des Restaurants »Viva« geschlossen bleiben. Denn dessen Wirt Andreas Vomend hört nach 24 Jahren auf und übernimmt das benachbarte, deutlich kleinere »Bistro«. Vomend will aus Altersgründen kürzertreten.

 

Interessenten fürs »Viva«

Wie es im »Viva« weitergehen wird, steht noch nicht fest. »Es gibt noch keinen neuen Pächter, aber es sind bereits mehrere Interessenten auf mich zugekommen«, sagt der Inhaber des Gebäudes. Bisher hätten deren Ideen aber noch nicht mit seinen übereingestimmt. Dabei sei er aufgeschlossen für vieles, wolle kein Konzept von vornherein ausschließen: »Ich bin offen für alles, was eine Zukunft hat.« Wichtig sei seiner Einschätzung nach, dass die Lokale am Marktplatz ihren Schwerpunkt im Abendbereich hätten: »Ich könnte mir gut vorstellen, dass es bei einer Kombination aus Restaurant und Bar bleibt. Erstens passt das gut an den Marktplatz und zweitens bietet das Lokal die perfekten Voraussetzungen dafür.« Schade fände er, wenn das einst berüchtigte Nachtleben einschlafe: »Daher ist meine Intention eher, etwas zum Ausgehen anzubieten.«

Viele sagen, es ist nichts mehr los am Marktplatz. Dabei ist eigentlich mehr los. Bloß ist das Publikum ein anderes

Pino Lucifero

Dabei hatte sich der Charakter der einstigen Party-Hochburg vor rund zwei Jahren erst deutlich verändert: Damals hatten acht Pächter und Hauseigentümer der Marktplatz-Lokale das Gespräch mit der Stadt gesucht. Das Ziel: Neuanfang. Kulinarisches statt Komasaufen. Mit dem italienischen Restaurant »Fratello«, dem benachbarten »Genuss-Laden« und dem Restaurant »Bob’s« hatte es angefangen, in der Zwischenzeit kamen das Café »My Waffle« und das französische Bistro »La Vie« dazu.

Dass seitdem weniger Menschen auf den Marktplatz kämen, würde Pino Lucifero, Geschäftsführer des »Fratello« nicht sagen: »Viele sagen, es ist nichts mehr los am Marktplatz. Dabei ist eigentlich mehr los. Bloß ist das Publikum ein anderes.« Ebenso wie der Wirt des Restaurant »Tiramisu« sagt auch er: »Man muss immer die Qualität überprüfen, Kritik annehmen. Aber wenn man am Ball bleibt, kann eigentlich keine Rede davon sein, dass die Gäste ausbleiben.« Ob das auch in Zukunft so sein wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Schon bald wird der Marktplatz wieder ein verändertes Gesicht haben.

Meinung

Locker bleiben

Früher war es ganz einfach: Wenn man keine Pläne für den Samstagabend hatte, ist man zum Marktplatz gegangen. Dort traf man sicher jemanden, mit dem man ein Bier trinken konnte. Dass man inzwischen auch mittags in schönen Cafés sitzen und abends schick essen gehen kann, ist ein großer Gewinn für den schönen Platz im Herzen der Stadt. Trotzdem hat sich der Marktplatz verändert. Und warum? Weil es an Lockerheit fehlt. Alle sind angespannt: Wirte, Gäste, Politik und Polizei. Wo geht es hin mit dem Marktplatz? Was können wir tun, um ihn zu retten? Mein Vorschlag: Vielleicht sollten – wie früher – einfach mal alle zusammen ein Bier trinken und sich überlegen, wo man das auch in Zukunft ermöglichen kann. Und zwar ohne dass es entweder Komasaufen oder Kulinarik sein muss. Denn das ist eigentlich alles, was am Marktplatz fehlt.

 

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