26. März 2018, 21:03 Uhr

Der Kultsong von der Margarine

26. März 2018, 21:03 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Alle machen kräftig mit: Beim Keltenfürst-Song von Martin Schnur haben die Gäste im »Gerippte« viel Spaß. (Fotos: lod)

Am ersten Frühlingswochenende war bei den Mitgliedsbetrieben des »Wetterauer Landgenusses« Frühlingserwachen angesagt, so auch in der Apfelweinstraußwirtschaft Zum Gerippte.

Vier Wochen vor der Saisoneröffnung sorgten Petra Schwarzhaupt und Martin Schnur mit ihrer Lesung mit Musik bereits zum dritten Mal für eine proppenvolle Kulturscheune. Schnur führte durch den Abend. Durch eine andere Betonung wurde aus der Moderation eine »Mode-Ration«.

Für seine »Ration Mode« machte er Besucherin Heike zum Modell, verpasste ihr zwei dicke Jacken, seinen Hut und einen Schirm. »Das ist die Frühjahrskollektion 2018« sinnierte der Wetterauer Kulturpreisträger, während »Topmodell Heike« durch die Scheune flanierte.

Statt zur Gitarre, griff der Liedermacher zu einem leeren Pappkarton, trommelte darauf herum und rappte dazu: »Ich steh hier rum und spiel auf dem Pappkarton.« Schon da war die Stimmung in der Scheune hervorragend und sie sollte sich noch steigern.

Einen gehörigen Anteil daran hatte auch Petra Schwarzhaupt – Jahrgang 1954 –, die gerade ihr zweites Büchlein mit Geschichten aus ihrer Kindheit in Ober-Wöllstadt herausgebracht hat. »Kwetschehoink irn Kiddelschirze« heißt das Werk, in dem Schwarzhaupt auf 134 Seiten acht »deftig-würzige Geschichten aus der Wetterau« erzählt, so wie »Ritz am Baa« über die damaligen Fastnachtsbräuche in ihrem Heimatdorf. Mit viel Humor erzählt sie von den vier närrischen Tagen im Saal Heil mit Maskenball am Samstag, Kinderfassenacht am Sonntag und Lumpenball am Rosenmontag. Das kurze närrische Treiben sorgt für viel Gesprächsstoff und das zelebriert Schwarzhaupt in breitestem Wöllschter Platt, das sie bestens beherrscht.

Die Besucher im Gerippte kommen aus dem Lachen nicht heraus, ebenso wie beim »Domm Gebabbel« zwischen einigen Wöllstädterinnen und ihren Eindrücken beim Hochamt in der Kirche mit dem tollen Titel »Dominus, wo bist du?« und dem durch eine Kerze verursachten »Fast-Brand« von Omas Mantelkragen als Höhepunkt.

Viel Gesprächsstoff

Zu den drei Geschichten steuerte Schwarzhaupt noch zwei Gedichte bei. Das Frühlingsgedicht stammte allerdings nicht von ihr, jedoch das Lobgedicht auf den Äppelwoi, das sie dem Gerippte widmete. Schließlich zeigte sie den Titel ihres neuen Buchs, bekannte jedoch, dass sie diesen Vorentwurf nur auf ein Buch geklebt hatte. Schwarzhaupt: »Die Bücher sind noch unterwegs.«

Zwischen den Lesungen gelang es Martin Schnur mit seinen Songs wie das »Schie Gebiet Werreraa« oder dem »Keltenfürst«, die Besucher zum Mitsingen und Mitmachen zu bewegen. Die folgten geradezu willig und hatten auch ihren Spaß an Schnurs Kurzgeschichten »Die Fliege« und »Die Distel«. Den zweiten Programmteil leitete das Multitalent mit einem Instrumentalstück auf einem selbst gebastelten »Mehrfach-Instrument«, bestehend aus Kazoo, Kinderklavier, Hupe und Gitarre, ein. Nicht enden wollte nach über zwei Stunden der Applaus für Schwarzhaupt und Schnur, der seinen 15-minütigen Zugabeblock mit dem mehrfach gewünschten Kultsong »Margarine« beendete. Alle sangen so laut mit, wie niemals zuvor, und feierten sich so auch ein bisschen selbst.

Das neue Buch »Kwetschehoink irn Kiddelschirze« von Petra Schwarzhaupt ist ab Mitte dieser Woche für 9,90 Euro in Schwarzhaupts Geschäft »Leib und Seele« in der Engelsgasse 40, Tel. 0 60 31/1 81 89, erhältlich.



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