14. November 2019, 20:22 Uhr

Der 9. November im Wandel der Zeit

14. November 2019, 20:22 Uhr

»Der 9. November, ein Gedenktag im Wandel der Zeit«. Das war das Thema des Begegnungsnachmittag des Bundes der Vertriebenen (BdV) Ortsverband Bad Nauheim. Mit Johann Schrammels schmissigem Marsch »Wien bleibt Wien« empfing Norbert Quaiser die Gäste im voll besetzen Erika-Pitzer-Begegnungszentrum. Viele fleißige Hände hatten die Tische gedeckt, und als heimatlicher Mohnkuchen aufgetragen wurde, gab es Sonderapplaus.

Eine Rede zum 9. November als einen Gedenktag im Wandel der Zeit stand im Mittelpunkt des Nachmittags. Danach ging im »gemütlichen Teil« ein buntes Programm über die Bühne, bei dem die Sopranistin Elke Jugl mit schöner Stimme den Gästen einen »Bunten Melodienstrauß« überreichte. Als sie zum Schluss noch das »Ave Maria von Bach/Gounod« vortrug waren die Besucher begeistert.

Epochale Wendepunkte

»Der 9. November markiert in der deutschen Geschichte häufig einen epochalen Wendepunkt«, erklärte Helmut Körner zu Beginn seiner Ansprache. Das erste Datum des 9. November nannte er im Revolutionsjahr 1848. An diesem Tag wurde der Demokrat Robert Blum in Wien, als Hauptinitiator der durch kaiserliche Truppen niedergeschlagenen Oktoberrevolution, standrechtlich erschossen.

Als weiteren Gedenktag beschrieb der Referent den 9. November 1918, als der amtierende Reichskanzler Max von Baden die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. bekannt gab und die Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Spartakus erst nach der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg und den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung am 15. Januar endeten.

Beim nächsten Gedenktag, dem 9. November 1923, spielt die von Hindenburg vor der Weimarer Nationalversammlung ins Spiel gebrachte Dolchstoßlegende eine wichtige Rolle. Nationalisten und führende Militärs behaupteten nämlich, das Deutsche Reich sei nicht an der Front, sondern in der Heimat von Sozialisten und ihren revolutionären Handlungen sinnbildlich »erdolcht« worden. Der in Deutschland noch wenig bekannte Adolf Hitler formte »seine« NSDAP mit dem hetzerischen Sprachrohr »Völkischer Beobachter«. Hitlers geplanter Marsch nach Berlin wurde jedoch an der Feldherrnhalle von der bayerischen Bereitschaftspolizei mit Waffengewalt gestoppt.

Körner kam dann zum »schlimmsten 9. November 1938 mit seinen menschenverachtenden Pogromen«, wie er sagte. Juden wurden als rechtlose Staatsbürger diffamiert und Gewalttaten wegen des propagierten »gesunden deutschen Volksempfindens« verharmlost.

Mit einem weiteren 9. November im Jahre 1967 kündigte sich bei der Einführungsfeier des neuen Rektors der Universität Hamburg eine Aufarbeitung dieser Zeit mit der 68er-Bewegung an. Seine Ausführungen beendete Körner mit dem wohl erfreulichsten 9. November 1989. Es war der umjubelte Einsturz der Mauer des Eisernen Vorhangs zwischen West und Ost vor 30 Jahren.

Das ist ein Kinderschreck

Im Unterhaltungsteil des Nachmittags erzählte Hilda Grobauer in heimatlichem Böhmerwald-Dialekt von einem Jugenderlebnis, dem »Kinderschreck«. Das war ein hölzerner Waschtrog, der auch als Badewanne diente. Der Trog war aber so undicht, dass während des Badens laufend Wasser nachgeschüttet werden musste,

Auch Erwin Gröger erinnerte sich an ein Erlebnis aus seiner Kindheit. Seine Freunde hatten die Idee, einen Trauerzug zu simulieren und so durch die Stadt zu ziehen. Gröger musste sich in den Sarg legen. Zum Glück verlangte unterwegs jemand die »Leiche« zu sehen.

Beim Schlußlied »Kein schöner Land« reichte man sich die Hände und verabschiedete sich bis zur Adventsfeier am 3. Dezember.

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