Wetterau

Den »Beat-Club« in der Stadthalle zelebriert

Er war so etwas wie eine kleine Revolution im Deutschen Fernsehen: der vom kleinsten ARD-Fernsehsender Radio Bremen produzierte »Beat-Club«. Die neueste Ausgabe gab es nun in Friedberg
30. Dezember 2017, 14:20 Uhr
Harald Schuchardt
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Stürmisch gefeiert: Patrick Sühl liefert als Alice Cooper eine grandiose Show ab. (Fotos: Loni Schuchardt)

Die erste Sendung mit Beat-Musik war von Beginn an umstritten, doch längst hat sie Kultstatus erreicht. Tankred Schleinschock, musikalischer Leiter und Regisseur des westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel, hat der legendären Sendung mit der Show »Beat-Club« eine Art musikalisches Denkmal gesetzt. Auf Einladung der Volksbühne gastierten die sieben Akteure und die sechsköpfige Band am Donnerstagabend in Friedberg. »Das ist die Musik einer Generation – und wenn ich mich hier so umschaue, dann kommt das hin«, sagte Volksbühnen-Vorsitzender Michael Keller.

Doch nicht nur »Zeitzeugen«, auch jüngere Besucher feierten zusammen mit den Akteuren auf der Bühne zweieinhalb Stunden eine fröhliche Party. Für Schleinschock scheint die Show eine Herzenssache zu sein. Immer wieder verließ der Chef der Truppe seinen Platz am Keyboard und wirbelte über die Bühne.

Nach dem ersten im »Beat-Club« auf Deutsch gesungenen »Halbstark« der Yankees erlebten die Besucher die ganze musikalische Bandbreite – vom fröhlichen Beat mit »Obladi, Oblada« von »The Marmelade« oder Chris Andrews »Yesterday Man«, bis hin zu den Hard-Rock-Klassikern von Led Zeppelin, Black Sabbath oder Jethro Tull. Schmusesongs wie »A Whiter Shade of Pale« fehlten ebenso wenig wie die Hits von CCR und eine Hommage an Jimi Hendrix.

Legendären Riffs von Hendrix

Dabei spielte Sänger und Schauspieler Patrick Sühl die legendären Riffs von Hendrix auf einer Linkshänder-Gitarre. Er setzte mit seiner Rockröhre immer wieder Akzente und wurde unter anderem für seinen Auftritt als Alice Cooper von den Besuchern stürmisch gefeiert.

Der Engländer Jonathan Agar stand dem in nichts nach. Sein Auftritt als Transvestit »Lola« beim gleichnamigen Song der Kinks war eine Augenweide. Als Maximilian von Ulardt bei Manfred Manns »Mighty Quinn« als Pinguin aus einer Muschel stieg, erreichte die Party vor der Pause einen ersten Höhepunkt. Die Besucher sangen nicht nur da textsicher und lautstark mit. Es waren diese kleinen Regieeinfälle, die die Show lebendig machten und prägten.

Franziska Ferrari und Samira Hempel überzeugten nicht nur gesanglich, sondern tanzten auch wie die legendären »Go-Go-Girls«. Auch Mike Kühne und Emil Schwarz, der gefühlvolle Spezialist für Balladen, begeisterten, ebenso die sechsköpfige Band mit dem hervorragenden Schlagzeuger Marco Bussi, Bassist Jürgen Knautz, den beiden Gitarristen Claus Michael Siodmok und Matthias Fleige sowie Klaus Dapper (Saxofon und Querflöte).

Viel zu schnell endete dieser »Beat-Club«. Bei den stürmisch geforderten Zugaben, wie Brown Sugar, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. »Vor 40 Jahren haben wir ja dazu auch getanzt«, meinte ein begeisterter Besucher. »Tolle Erinnerungen, riesige Show«, war da immer wieder zu hören.

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