Wetterau

Dem Krebs vorbeugen

Ein kleiner Piks, der vor Krebs schützen kann. Ihr hätte er damals geholfen: Die 41-jährige Carmen Diehl erkrankte nach einer Virusinfektion an einer Vorform des Gebärmutterhalskrebses. Im Interview rät sie anderen Müttern, ihre Kinder gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen zu lassen.
02. Mai 2019, 20:15 Uhr
Redaktion
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Carmen Diehl mit dem Wetterauer Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs. (Foto: prw)

Aktuell wird über die Impfpflicht bei Masern gesprochen. Die Folgen einer Nichtimpfung gegen HPV sind wesentlich gravierender. Hätten Sie diese Impfung gemacht, wenn Sie davon gewusst hätten?

Carmen Diehl : Als ich in dem Alter war, gab es diese Impfung für Mädchen noch nicht. Die Impfung gibt es ungefähr seit zehn Jahren, und kurz nachdem das bekannt wurde, habe ich auch meine Tochter schon im Alter von zehn Jahren impfen lassen. Das wurde damals auch so empfohlen. Der Gebärmutterhalskrebs hat ja überwiegend eine chronische Virusinfektion als Ursache. Das kann zu Zellveränderungen im Sinne von Krebs führen. Die Impfung bekämpft das ursächliche Virus. Die überwiegende Zahl der Fälle an Gebärmutterhalskrebs würde so nicht mehr entstehen. Ich muss zu meinem Glück sagen, dass bei mir die Krankheit noch in einem frühen Stadium erkannt wurde. Der Krebs war noch nicht ausgebrochen. Der Befund des Abstrichs ergab einen Verdacht auf eine Gewebeveränderung oder auf Krebs in einem Frühstadium.

Wie haben Sie die Diagnose erfahren?

Diehl : Ich habe die Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt regelmäßig mitgemacht. Daraus hat sich der Befund ergeben. Ich war dann in der Dysplasie-Sprechstunde im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim. Da wurde ich sehr gut beraten. Die Frage war dann, Operation oder Beobachtung. Ich entschied mich für die Operation, die dann auch kurze Zeit später stattfand.

Dr. Merbs, was ist das für ein Eingriff?

Dr. Reinhold Merbs : Bei dem Eingriff, einer sogenannten Konisation, wird das erkrankte Gewebe trichterförmig aus dem Gebärmutterhals ausgeschnitten. Die restliche Gebärmutter bleibt davon unberührt. Das Wundgebiet verheilt wieder.

Wie wichtig ist es, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen?

Merbs : Durch die Abstrich-Untersuchungen beim Frauenarzt können Zellveränderungen festgestellt werden, gegebenenfalls erfolgt eine Biopsie, also die Entnahme von Gewebe. Bei einem krankhaften Befund wird durch die Konisation versucht, sämtliches veränderte Gewebe zu entfernen.

Was genau ist eine HPV-Impfung?

Merbs: Das ist eine der teuersten Impfungen, die die Ständige Impfkommission empfiehlt und ist Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Jeder und jede hat die Gelegenheit, dieses Angebot auch zu nutzen und sollte es am besten auch tun. Wenn ich am Anfang der Geschichte mit einer banalen Impfung dem Virus keine Möglichkeit gebe, in mir als Organismus zu leben, zu wachsen und sich zu vermehren und womöglich Krebs entstehen zu lassen, löse ich das Problem schon, bevor es entsteht. Die überwiegende Zahl der Fälle an Gebärmutterhalskrebs würde so nicht mehr entstehen können.

Eine Impfung gegen Krebs. Warum nutzen nicht mehr Menschen diese Chance?

Merbs: Vielleicht liegt es daran, das die Mädchen im idealen Impfalter nicht mehr regelmäßig beim Kinderarzt vorstellig werden, wie im Kindesalter mit den U-Untersuchungen, gleichzeitig aber noch zu jung für den Besuch beim Frauenarzt sind. Hier versuchen wir durch vermehrte Aufklärung der Eltern Bewusstsein zu schaffen.

Diehl: Was für die Impfung spricht, ist die einfache Überlegung, dass sie mit so wenig ein Leben retten kann und ein Kind nicht ohne Mama aufwachsen muss, so wie ich das im Bekanntenkreis erlebt habe.

Frau Diehl, haben Sie sich nach der Diagnose und der Operation an eine Selbsthilfegruppe gewandt?

Diehl: Ja. Bei der Frage zu einer psychologischen Betreuung bin ich auf die Selbsthilfegruppe nach Krebs gestoßen, die mir große Unterstützung gegeben hat. Nach meiner Operation habe ich über meine Tochter vier Mädchen kennengelernt, deren Mütter an Gebärmutterhalskrebs gestorben sind. Vier Mädchen, die ohne ihre Mutter weiterleben müssen. Das hat mich sehr schockiert.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Dem-Krebs-vorbeugen;art472,584411

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