15. März 2019, 18:51 Uhr

Dem Holzwurm zu Leibe rücken

15. März 2019, 18:51 Uhr

Rund um die Wilhelmskirche sind seit Tagen Bauarbeiter mit dem Aufstellen eines Gerüsts beschäftigt. Bis Ende August steht die Sanierung des Turms der Wilhelmskirche an. »Endlich geht es mit der Baumaßnahme los!«, werden manche Gemeindemitglieder denken und sich daran erinnern, dass die Gemeinde bereits vor mehr als drei Jahren zu Spenden für die notwendige Turmsanierung aufgerufen hatte.

Wer genau hinsah, konnte damals wie heute erkennen, dass die Turmspitze der Wilhelmskirche schief steht und die rötliche Umrandung außen am Turm unterhalb der Dachrinne zahlreiche kleine Lücken und Löcher aufweist, die sich nach innen fortsetzen. Das Gebälk ist an mehreren Stellen marode, wodurch die Dachhaut des Turms nicht mehr dicht ist und Wasser eindringen kann. Zugesetzt hat dem Turm der »Gemeine Nagekäfer« (Anobium punctatum), landläufig auch als Holzwurm bezeichnet.

Die zwischen 1740 und 1742 als reformiertes Gotteshaus Bad Nauheims erbaute Kirche wird seit einigen Jahrzehnten als Gemeindezentrum genutzt. Eine Vielzahl von Veranstaltungen findet hier statt: Konzerte und Liederabende, das Montagsforum, Vorträge, Gemeindeversammlungen, der Konfi-Unterricht und Chorproben.

Viele Spenden, aber Mehrkosten

Viele Bad Nauheimer Bürgerinnen und Bürger (darunter auch etliche, die nicht selbst Mitglied der Kirchengemeinde sind) haben für dieses Wahrzeichen eine große Hilfsbereitschaft an den Tag gelegt: Bis Ende 2017 kam eine Summe von mehr als 100 000 Euro zusammen. Dies entspricht dem üblichen Anteil von einem Drittel an den Gesamtkosten, welche die Gemeinde für die Baumaßnahme selbst aufbringen muss. Die anderen zwei Drittel kommen von der Landeskirche, also aus Kirchensteuern.

Bis die landeskirchlichen Mittel tatsächlich zur Verfügung standen und Baufirmen für die Ausführung gefunden waren, floss allerdings doch noch einiges Wasser die Usa hinab. Unangenehmer Nebeneffekt dieser Verzögerung war eine nicht ganz unerhebliche Steigerung der Baukosten – auch hier macht sich die gute Baukonjunktur bemerkbar: Die Gesamtkosten werden nun etwa 340 000 Euro betragen, was für die Gemeinde mit noch einmal 20 000 Euro mehr zu Buche schlägt als ursprünglich veranschlagt. Dafür werden nun aber die Turmhaube, die Wetterfahne, der Hahn und der Taubenschutz sowie die rückseitige Fassade erneuert, was bis Ende August dauern wird.

Für die Gemeinde bedeutet dies, dass die Bausubstanz erhalten bleibt und sie ihr Gemeindezentrum auch in Zukunft wie gewohnt nutzen kann. Es bedeutet aber auch, dass in den kommenden Monaten die Parkplätze unmittelbar an der Wilhelmskirche nicht genutzt werden können. Die bisher schon bestehende Parkplatzknappheit an dieser Stelle wird also noch gravierender.

Da bleibt nur die Hoffnung auf stabiles Frühlingswetter: Dann nämlich könnten Besucher der Wilhelmskirche den Weg auch mit dem Fahrrad zurücklegen und auf diese Weise die Parkplatzsituation entspannen. Auch Fahrgemeinschaften können helfen, die Zahl der Autos im Umfeld der Wilhelmskirche zu begrenzen.

Ansonsten hoffen der Kirchenvorstand und die hauptamtlich in der Gemeinde Tätigen auf Geduld und Verständnis, schließlich dient die zeitweilige Einschränkung der Parkmöglichkeiten dem Erhalt eines Bad Nauheimer Wahrzeichens.

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