05. Oktober 2018, 20:41 Uhr

Das ist der Held im Pardelfell

05. Oktober 2018, 20:41 Uhr

Georgien ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse. Grund genug für Friederike Herrmann von der Buchhandlung Bindernagel bei »Friedberg lässt lesen« den georgischen Literaturkritiker, Autor und Schauspieler, Lasha Bakradze, zu einem »kleinen feinen Georgienabend« in die Buchhandlung in der Kaiserstraße einzuladen.

Angekündigt war ferner Tilman Spreckelsen. Der Autor zahlreicher Anthologien und FAZ-Literaturredakteur hat das georgische Nationalepos »Der Held im Pardelfell« als eine Nacherzählung in modernem zeitgemäßem Deutsch herausgebracht.

Autor ist krank

Ein Bandscheibenvorfall verhinderte jedoch die Lesung des Autors aus seinem Buch, das von der freien Illustratorin Kat Menschki hervorragend bebildert wurde. So kam es zu einer Premiere: Die Gastgeberin selbst las die von Spreckelsen für die Lesung ausgewählten Passagen aus dem Buch.

Obwohl Friederike Herrmann sich nur kurz darauf vorbereiten konnte, las die Buchhändlerin die Auszüge äußerst beeindruckend. Immer wieder interpretierte sie ausdrucksstark die unterschiedlichen Stimmungen der Akteure der Geschichte, die wohl im 12. Jahrhundert von Schota Rustaweli geschrieben wurde. Ob dies wirklich so der Fall war, daran hat Bakradze, ein ausgewiesener Fachmann der georgischen Literatur, so seine Zweifel. Die ersten Handschriften des in Versform geschriebenen »Ritterromans« stammen aus dem 14. Jahrhundert und erst 1712 wurde eine erste Version gedruckt.

Zwischen der Lesung erläuterte Bakradze die Liebes- und Heldengeschichte, die für ihn auch ein »Zeichen der Emanzipation« ist. Das wird schon im vorgelesenen ersten Kapitel deutlich, erklärt König Sograt seinem treuen Weggefährten Awantil, dass er seine Tochter Tinatin, in die Awantil verliebt ist, zur Mitregentin ernennen will. Auch Tariel, der als Ritter im Fell einer Raubkatze, altdeutsch Pardel, eine Jagd des Königs stört und spurlos verschwindet, liebt mit Nestan Daredschan eine Prinzessin, die jedoch entführt wurde.

Es entsteht eine Männerfreundschaft und »natürlich gibt es ein Happy End mit Hochzeit«, erklärt Bakradze, der den Aufstieg der Geschichte zum Nationalepos der Georgier in den Weisheiten der Verse sieht.

Noch heute gehöre das Werk zum Standard in den georgischen Schulen. Ab der 8. Klasse wird es gelesen. »Für uns Georgier ist der Held im Pardelfell dasselbe wie für die Spanier Don Quichote.« Mit der Interpretation von Spreckelsen ist Bakradze mehr als zufrieden, im Gegensatz zu manch früherer Übersetzung in Versform. Auf Wunsch der Besucher gibt Herrmann aus einem dieser Bücher eine Kostprobe. Probieren konnten die Zuhörer auch georgischen Wein. Dazu Bakradze: »Wir Georgier trinken, essen und singen gerne.«

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