11. November 2019, 20:46 Uhr

Das gab es im Hallenbad noch nie

11. November 2019, 20:46 Uhr

Klavier, Trompete, Saxofon, Klarinette, Xylofon, Flöte, Gitarre, Harmonium, Glockenspiel und - als Krönung - ein mindestens sechs Meter langes, quer über die Bühne im großen Saal des Theaters Altes Hallenbad reichendes, markerschütternde Töne von sich gebendes Alphorn: Das sind die Instrumente, mit denen das aus Staufen im Breisgau stammende Duo »Gogol & Mäx« am Samstagabend das in großen Scharen erschienene Publikum in knapp zwei Stunden immer wieder zu Lachsalven und Szenenapplaus hinreißt. Aber die beiden Musikartisten beziehungsweise artistischen Musiker können noch viel mehr als diese zehn Instrumente spielen, resp. malträtieren: Sie halten die Zuschauer mit teils waghalsigen artistischen Einlagen in Atem.

Gogol, der lange Blonde im Frack, verblüfft am leicht verstimmten, vom Zahn der Zeit angenagten Piano mit gekonnt dargebotenen Auszügen aus Werken der klassischen Klavierliteratur von Bachs »Italienischem Konzert« bis zum berühmten »Boléro« Maurice Ravels. Hier nur wenige weitere Beispiele der Werke für Klavier »solo« - wie es in den Ankündigungen seines lang- und weißhaarigen, weite Clownshosen tragenden Partners Mäx bedeutungsvoll heißt:

Eine Marke Eigenbau

Beethoven - Wut über den verlorenen Groschen; Schumann - Kinderszenen; Schubert - Rosamunde; Mozart - à la Turca. »Leider« wird Gogol von Mäx (der das Piano auch beherrscht) meist unterbrochen - mit unterschiedlichsten Blasinstrumenten inklusive großer Trommel bis hin zum majestätisch ertönenden Alphorn. Etliche Klangkörper sind überdies »Marke Eigenbau«. Geheimes, wie von fern tönendes »Leitmotiv« des originellen Musikkabaretts ist »La Cucaracha«. Mäx intoniert es immer wieder, ohne dabei je über die ersten vier, fünf Takte hinauszukommen. Klaviere lassen sich auch - wie so mancher staunende Zuschauer wohl erstmals zu sehen bekam -, über den Tasten hängend, von oben spielen. Die Melodie wird dabei gleichsam verkehrt herum intoniert. Gar nicht so einfach. Auf einem Konzertflügel könnte man immerhin liegen statt kopfüber auf dem Klimperkasten zu hängen.

Ein wackliges, baldachinartiges Gestell wird aufgebaut. Der Zuschauer ahnt, was kommt, und hält die Luft an. Tatsächlich: Mäx hangelt sich an einem der Stäbe hoch und befestigt eine als Hochseil fungierende schmale Leiste. Gogol schwingt sich hinauf und schafft es tatsächlich auf die andere Seite und retour. Rauschender Applaus belohnt diese Glanznummer.

Gelungenes Spektakel

Danach greift der Mann im Frack zur Gitarre und intoniert einen Flamenco, wobei er täuschend echte kehlige Laute von sich gibt - fantastisch! Mäx gießt dann Wasser in den wohlschmeckenden spanischen Wein, indem er Harmonium spielend die südländische Stimmung verdirbt. Mag es - bei kritischer Betrachtung - an diesem wunderbaren Abend vielleicht zwei, drei alberne Nummern geben: Sie beeinträchtigen das funkensprühende concerto melodioso-artistico nicht im mindesten. Zwei absolute Könner, was Instrumentenbeherrschung, Artistik, Einfallsreichtum, Situationskomik angeht, agieren auf der Bühne mit Freude am eigenen Tun, die sich auf die Zuschauer überträgt.

Verstohlene Blicke auf die Armbanduhr erübrigen sich. Die Zeit vergeht wie im Flug. Keinen Augenblick kommt Langeweile auf: Es war ein rundum gelungenes spettacolo fantastico, das mit einem wunderschönen Glasharfenspiel à deux als Zugabe endet.

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