23. November 2018, 20:30 Uhr

Das Instrument mit dem Trichter

23. November 2018, 20:30 Uhr

Monika Hahn blickt auf den Schallbecher und das Mundstück und lässt ihren Blick weit über die Maschine mit den Ventilbögen schweifen. Etwa fünf Meter Material sind nötig, um alle Bögen herzustellen. Ihrem Instrument aus Goldmessing, das sie im Jahr 2000 gekauft hat, widmet sich die Reichelsheimerin jeden Tag, mindestens 30 Minuten – und das mit großer Leidenschaft.

Die 60-Jährige hält das Instrument mit beiden Händen fest und betrachtet beinahe zärtlich die Rohrlänge mit dem großen Tonumfang. Sie liebt den warmen Ton des Blechblasinstrumentes, der vom weichen Pianissimo bis hin zum kraftvollen Fortissimo reicht.

Als sie zur Demonstration in das Mundstück des Waldhornes bläst, sieht Artis, der persische Windhund der Musikerin, nur einmal kurz auf. Für ihn und Ehemann Werner gehört das Instrument mit dem Trichter schon zum Alltag. »Wer ein Waldhorn spielt, der muss täglich üben. Die Atemtechnik verbessert sich so zunehmend, der Klang wird weicher«, sagt Hahn.

Von der Trompete zum Horn

Ihre Liebe zur Musik hat sie früh entdeckt. Am 16. August 1958 in Hungen geboren, zog sie 1960 nach Reichelsheim, weil ihre Eltern dort ein Lebensmittelgeschäft eröffneten. Durch einen Umzug von Musikkapellen am 1. Mai 1966 animiert, erlernte sie zunächst das Spiel auf einer »alten, verbeulten Trompete« in der Jugendkapelle des Musikvereins Reichelsheim. Ihr Trompetenspiel verhalf ihr zu einer Reise nach England, weil die Feuerwehrkapelle Friedberg eine Trompeterin für ein Konzert in der englischen Partnerstadt Friedbergs suchte. Ihr Bruder Detlef spielte Tenorhorn. Ihre Liebe zum Waldhorn entdeckte Hahn erst 1986 in der Stadtkapelle Villingen. Im dortigen Höchststufenorchester verliebte sie sich in den Klang der Hörner.

Nach erfolgreich abgelegtem Abitur an der Augustinerschule in Friedberg 1978 studierte sie Sport und Biologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und kam durch ihr Interesse an Biologie zur Pharmaindustrie. Im Januar 1986 begann sie mit ihrer Arbeit im Außendienst am Bodensee, später in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald und seit 1988 im Klinikbereich in Hessen. Seit 2015 ist sie für ein italienisches Unternehmen mit Sitz in Berlin tätig.

In Hessen lernte sie Dirigent Bernd Weller kennen, der zunächst die Feuerwehrkapelle Friedberg und später die Stadtkapelle leitete. Sie spielte in der Stadtkapelle Horn. Am 28. November 1999 trennte sich die Stadtkapelle von der Feuerwehr und gründete unter Führung des Dirigenten Guido Rotter und des Vorsitzenden Herbert König die Stadtkapelle Friedberg. Die Kapelle wandte sich überwiegend der sinfonischen Blasmusik zu.

Im Oktober 2014 übernahm Michael Meininger die Leitung des Orchesters. »Die Stadtkapelle Friedberg ist heute ein Orchester mit vier Fagotten und einem Hornsatz mit vier Hörnern«, sagt Hahn. Trompete spielt sie nur noch zu Hause. Ihrem Waldhorn, das sie individuell anfertigen ließ, ist sie eng verbunden. Mit ihrem Instrument bewegt sie sich in der sinfonischen Blasmusik und schätzt das moderne Repertoire mit Werken, die viele zeitgenössische Stile abdecken.

Neben der Musik gilt Hahns große Leidenschaft dem Tennisspiel, weil es viel Technik und Bewegung erfordert. Sie spielt in der Regionalliga in Wetzlar. (geo/Foto: Lori)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Augustinerschule Friedberg
  • Blasmusik
  • Fagott
  • Friedberg
  • Herbert König
  • Johann Wolfgang Goethe-Universität
  • Leidenschaft
  • Sinfonien
  • Trompete
  • Waldhorn
  • Georgia Lori
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos