10. Mai 2017, 19:30 Uhr

Stadtkapelle

Darf sich Friedberg bald Weltmeister-Stadt nennen?

Alle vier Jahre treffen sich im holländischen Kerkrade die besten Blasorchester der Welt zum »World Music Contest«. Diesmal ist Stadtkapelle Friedberg dabei.
10. Mai 2017, 19:30 Uhr
wagner_jw
Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
Weltmeister werden, das wäre schön. Aber so vermessen sind Herbert König (l.) und Michael Meininger nicht. Eine Medaille wäre aber schon schön, sagen der Vorsitzende und der Dirigent der Stadtkapelle Friedberg im WZ-Interview. (Foto: Nici Merz)

Die Stadtkapelle nimmt im Juli am WMC in Kerkrade teil, dem »Wereld Muziek Concours«. Was hat es mit diesem Musikwettbewerb auf sich?

Michael Meiniger : Dieser Wettbewerb ist der größte seiner Art in der Welt, er wird auch »Welt-Musik-Olympiade« genannt. Es werden 500 000 Besucher erwartet. Bis jetzt haben sich 250 Vereine aus 43 Ländern mit rund 25 000 Musikern angemeldet. Die Orchester kommen aus der ganzen Welt, von Südafrika bis China, von Marching Bands bis zu Harmonieorchester, wozu wir als Sinfonisches Blasorchester zählen.

Sie mussten sich für die Blasmusik-Olympiade bewerben. Wie funktioniert das?

Meininger: Man bewirbt sich online, schickt Aufnahmen von Stücken ein, die dem verlangten Anspruch entsprechen. Es gibt verschiedene Stufen, von der Konzertklasse, der Crème de la Crème der Blasmusik, bis zur ersten, zweiten und dritten Division, an der wir teilnehmen. Die Orchester spielen ein Pflichtstück und ein selbstgewähltes Stück, das vorab von einer Kommission geprüft wird. Eine Jury beurteilt dann den Auftritt.

Der Wettbewerb wird »Weltmeisterschaft der Blasorchester« genannt. Darf sich Friedberg bald Weltmeister-Stadt nennen?

Meininger: Das läuft nicht wie bei einer Fußball-WM ab, bei der es einen Ersten und einen Zweiten gibt. Ähnlich wie bei Olympia gibt es Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen. Prinzipiell kann jedes Orchester eine Goldmedaille gewinnen. Es geht aber vor allem darum, von einer professionellen Jury eine Rückmeldung zu bekommen. Dann weiß man, ob die Entwicklung des Orchesters so läuft, wie man es sich vorstellt. Eine Medaille wäre natürlich toll.

So eine Fahrt kostet den Verein viel Geld. Mit wie vielen Musikern fahren sie nach Holland und wie finanzieren Sie das?

Herbert König : Wir sind etwa 60 aktive Musikerinnen und Musiker, es fahren noch Partner und Gäste mit. Wir versuchen, dass Fahrt und Unterbringung für die Musiker wenig bis gar nichts kostet. Das finanzieren wir mit erspielten Barmitteln von Konzerten im letzten Jahr und über Sponsoren. Wir haben gerade unser erstes Vereinsmagazin »Intakt« aufgelegt, wo Sponsoren annoncieren. Auch die Stadt hat uns Geld für die Weltmeisterschaft zur Verfügung gestellt, Bürgermeister Keller und Christine Böhmerl vom Kulturamt haben sich sehr für uns eingesetzt. Und wir haben Geld vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst erhalten.

60 Musiker sind eine Menge, die Stadtkapelle hat großen Zulauf, der immer stärker wird. Worauf führen Sie das zurück? Sie spielen ja kein leichtes Programm.

König: Unser musikalischer Leiter Michael Meininger versteht nicht nur sein Handwerk, er kann auch gut motivieren. In der Ferienzeit, wenn viele in den Urlaub fahren, sitzen bei uns 50 Musiker in der Probe. Das habe ich noch nie erlebt. Und obwohl das Programm schwer ist, murrt keiner. Neben den regulären Proben haben wir ja auch noch Satzproben. Auf der Ronneburg beim Probenwochenende arbeiten Profis mit den Instrumentengruppen. Es kommt aber noch etwas hinzu: Wir haben eine gute Vereinskultur, ein gutes Miteinander.

Was haben Sie gedacht, als ihr Dirigent mit dem Vorschlag kam, zur Blasmusik-Weltmeisterschaft zu fahren?

König: Ich dachte, das sei so, als wenn ich bei Olympia im Hundertmeterlauf antreten soll. Das ist aber ganz schnell umgeschlagen. Je mehr wir geprobt haben, desto mehr haben die Musiker versucht, keine Probe zu versäumen. Da ist ein Sog entstanden, der bis heute nicht abgenommen hat.

Meiniger: Der WMC ist eine einmalige Sache, der Wettbewerb findet ja nur alle vier Jahre statt. Ein Auftritt in dieser Größenordnung ist für uns etwas Neues. Die Musiker wollen sich nicht blamieren. Mir als musikalischem Leiter ist wichtig, dass die Motivation stimmt. Und die stimmt.

Beim Frühlingskonzert am 20. Mai spielen sie auch die beiden Stücke, die sie für Kerkrade proben. Das ist schwere Kost.

Meininger: Die Stücke sind alles andere als leicht. Beim Konzert spielen wir aber auch ein Beatles-Medley, da muss auch Unterhaltungsmusik mit rein. Auch das Publikum muss man an die schwereren Stücke heranführen. Man hört auch nicht zwei Mahler-Symphonien am Stück. Die übrigen Stücke sind unterhaltend, aber keine leichte Kost.

Sie kennen das Niveau der Olympiade, haben als Posaunist schon dort gespielt.

Meinunger: Das war 2005. Man hat die knisternde Luft im Konzertsaal gespürt, und dann hieß es: Ab jetzt gilt’s, man hat nur eine Chance. Es muss in dem Moment alles perfekt laufen, da sitzt jeder mit 120 Prozent Konzentration auf der Stuhlkante. Ein einmaliges Erlebnis.

Sie studieren mittlerweile in Holland.

Meininger. Ich studiere in Den Haag Dirigieren mit dem Schwerpunkt Blasorchesterleitung. An der Universität ist der WMC ständig ein Gesprächsthema. Ein Grund, dort hinzufahren, ist es auch, den eigenen Horizont zu erweitern. Wir haben für unser Konzert 40 Minuten Zeit. Am Rest des Wochenendes hören wir uns Konzerte anderer Orchester an. Es geht auch darum zu hören, was in der Blasmusik alles möglich ist. Das ist eine enorme Motivation.

Zu den Konzerten der Stadtkapelle kommen auch viele Musiker aus Blasorchestern der Umgebung. Wie ist ihr Verhältnis zu anderen Vereinen, die vornehmlich Polkas, Walzer und Märsche spielen?

Meininger: Das würde ich so nicht sagen. Die spielen auch anspruchsvolle Sachen, und wir spielen genauso Walzer, Polkas und Märsche. Beim Herbstmarkt etwa spielen wir ein unterhaltendes Programm, ich singe dann mit meiner Frau, die Klarinette spielt, »Wir sind Kinder von der Eger«. Es kommt auf den Rahmen ab: Man könnte ein Wettbewerbsstück nicht im Festzelt spielen, da rennen die Leute weg. Andererseits will das Publikum an einem Konzertabend nicht nur Walzer und Polkas hören. Aber vielleicht kommt als Zugabe ein Marsch. Unter den Dirigenten der Vereine gibt es einen Austausch: Was spielt ihr? Hast du einen Tipp? Das Vereinsgeklüngel von früher geht heute nicht mehr.

Die Stadtkapelle hat eine Kooperation mit der Musikschule Friedberg und der Henry-Benrath-Schule begonnen. Worum geht es dabei?

Meininger: Durch die Kooperation bieten wir Kindern einen professionellen Unterricht an. Das ist ein Pilotprojekt, wir werden auch schauen, welche Zusammenarbeit mit anderen Vereinen dabei möglich ist.

Herr König, für den 20. Mai haben sie sicher einen Veranstaltungstipp für unsere Leser.

König: Am 20. Mai gibt es keine Alternative zur Stadtkapelle, um 20 Uhr in der Stadthalle Friedberg. Dann spielen wir auch die beiden Stücke für Kerkrade »The Land of Zarathustra« und »Vesuvius«. Das wird ein Highlight, wir freuen uns sehr darauf und hoffen auf ein ausverkauftes Haus.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Blasmusik
  • Blasorchester
  • Friedberg
  • Herbert König
  • Motivation
  • Musiker
  • Musikwettbewerbe
  • Olympiade
  • Orchester
  • Sponsoren
  • Walzer
  • Friedberg
  • Jürgen Wagner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


1
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen